Leipziger Buchmesse hat begonnen
Leipziger Buchmesse hat begonnen

17.03.2016

Religiöse Publikationen auf Leipziger Buchmesse Luther und Franziskus

Martin Luther "läuft". Ein Jahr vor dem "Reformationsjubiläum" dominiert er die Programme katholischer und evangelischer Verleger auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig. Aber auch Papst Franziskus zählt wieder zu den gefragten Autoren.

Martin Luther und der Buchdruck - das ist offenbar auch nach 500 Jahren noch eine Erfolgsgeschichte. Ein Jahr vor dem großen Gedenkjahr zum Beginn der Reformation 1517 dominiert er die Programme der evangelischen und auch katholischen Verlage. Auf der am Donnerstag beginnenden Leipziger Buchmesse präsentieren sie dazu eigens eine Sonderausstellung. Ein Novum des seit 14 Jahren etablierten ökumenischen Gemeinschaftsstands, an dem sich in diesem Jahr 26 Verlage präsentieren.

Ein Extrakatalog zum Reformationsgedenken 2017 listet insgesamt 44 Publikationen aus evangelischen, katholischen und säkularen Verlagen zum Thema Martin Luther auf, wie die Geschäftsführerin der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger, Renate Nolte, erklärt. Auch der Geschäftsführer des Katholischen Medienverbands, Konrad Höß, bestätigt, dass Luther - neben Papst Franziskus - die katholischen Publikationen in diesem Frühjahr dominiert.

Kardinal Walter Kasper mit neuem Buch zu Luther

Luther und die Reformation - dieses Thema bewegt auch hochrangige Katholiken. So hat der frühere "Ökumene-Minister" des Vatikan, Kardinal Walter Kasper, jetzt ein 96-Seiten-Werk mit dem Titel "Martin Luther - Eine ökumenische Perspektive" im Patmos-Verlag vorgelegt. Zu Beginn seines Essays schreibt der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen: "Viele Christen erwarten zu Recht, dass das Gedenken von 500 Jahren Reformation uns ökumenisch einen Schritt dem Ziel der Einheit näherbringen werde. Wir dürfen diese Erwartung nicht enttäuschen."

Kasper thematisiert zugleich die Schwierigkeiten, die solch ein "Jubiläum" mit sich bringt. Jede Zeit projiziere die eigenen Wünsche und Anliegen auf Luther, deshalb gelte es, ihn aus den interessegeleiteten Vereinnahmungen und Übermalungen früherer und heutiger Luther-Jubiläen zu befreien. "Die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes war Luthers Antwort auf seine persönliche Frage und Not wie auf die Fragen seiner Zeit; sie ist auch heute die Antwort auf die Zeichen der Zeit und die drängenden Fragen vieler Menschen", so der Kardinal.

Ganz anders kommt der Ansatz von Autor Klaus-Rüdiger Mai daher: Taugt Luther überhaupt noch für das 21. Jahrhundert? Besitzt er für die Deutschen in Zeiten von Twitter, Facebook und Migration, von "Islamischem Staat" (IS) und Terror, von Toleranz und Intoleranz noch Bedeutung? Dem geht Mai in seinem Buch mit dem provokanten Titel "Gehört Luther zu Deutschland?" (Herder Verlag) pointiert nach. In Zeiten der Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten prüft er Luthers Denken auf seine Aktualität.

Umgang mit dem Islam in Deutschland weiteres Buchthema

Ein weiterer Schwerpunkt ist bei Herder, dem führenden theologischen Fachverlag, der Umgang mit dem Islam in Deutschland. "Dazu haben wir meinungsbildende Autoren im Programm wie Sineb El Masrar mit dem Titel 'Emanzipation im Islam. Eine Abrechnung mit ihren Feinden' oder das Streitgespräch zwischen Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide unter dem Titel 'Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren'", berichtet der Pressesprecher des Freiburger Verlags, Andreas Bernheim.

Papst Franziskus gefragter Autor

Wie in den Jahren davor zählt auch Papst Franziskus wieder zu den gefragten Autoren. Der Leipziger Sankt-Benno-Verlag wartet in zwei neuen Publikationen mit Texten des Kirchenoberhaupts auf: "Barmherzigkeit ist unsere Stärke - Impulse für ein erfülltes Leben" und "Gottes Liebe schenkt Freude". Der Herder-Verlag bringt das Taschenbuch "Gott ist barmherzig. Die wichtigste Botschaft des Heiligen Vaters" auf den Markt.

Ein Highlight dürfte auch Herders neuer Sammelband von Franziskus-Interviews sein, die oft Aufsehen erregen. In der Einleitung schreibt der frühere "Vatikanist" der italienischen Zeitung "Corriere della Sera", Luigi Accattoli: "Keinem Papst ist es so wie ihm gelungen, von den Massenmedien und den einfachen Menschen so verstanden zu werden wie er. Beides ist miteinander verknüpft, und in dieser Verknüpfung liegt der besondere Wert dieser Sammlung von Interviews, sei es für den gelegentlichen Leser oder aber für den, der die kommunikative Seite des Phänomens Bergoglio verstehen möchte."

Rocco Thiede
(KNA)

Ökumene

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