Patriarch Bartholomäus I.
Patriarch Bartholomäus I.

20.01.2016

Die orthodoxen Kirchenführer treffen sich in der Schweiz Bewegung vor dem geplanten Konzil

Vor dem im Juni in Istanbul geplanten Konzil der orthodoxen Kirche sind noch schwierige Fragen zu klären. Die 14 Kirchenoberhäupter treffen sich dazu in dieser Woche in Chambesy am Genfer See.

Sie haben sich doch bewegt: Nach zähem Ringen haben die Oberhäupter der 14 eigenständigen ("autokephalen") Kirchen der orthodoxen Kirchenfamilie einer einwöchigen Arbeitssitzung in Chambesy bei Genf zugestimmt. Sie soll am Donnerstag im Zentrum des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel beginnen und das lange erwartete Konzil der Orthodoxie, die "Große und Heilige Synode", vorbereiten, die am orthodoxen Pfingstfest (19. Juni) in Istanbul stattfinden soll.

Auch die nun bevorstehende Versammlung ("Synaxis") der Patriarchen hätte in der türkischen Hauptstadt tagen sollen, wo der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. seinen Sitz hat. Die aktuelle Verschlechterung der russisch-türkischen Beziehungen stand aber einer Reise des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. an den Bosporus im Weg.

Ringen um den Erfolg des Konzils

Während die russisch-orthodoxe Kirche zuletzt nicht nur diese Synaxis, sondern auch den Termin des panorthodoxen Konzils selbst infrage gestellt hatte, bemühte sich vor allem Bartholomaios I. mit allen Kräften, die verbleibenden Hindernisse auszuräumen. Das Zustandekommen und der Erfolg des Konzils ist ihm nicht nur wegen seines Alters und seines Rangs als Ehrenoberhaupt der Orthodoxie ein persönliches Anliegen. Ein Scheitern würde die Bemühungen um die Einheit der Orthodoxie um Jahre zurückwerfen.

Die aus dem einstigen oströmischen Reich hervorgegangene griechisch-orthodoxe Kirchenfamilie versteht sich vom Bekenntnis und der Liturgie her als eine Kirche; sie hat sich aber vor allem seit dem 19. und noch mehr im 20. Jahrhundert national und politisch in die heute 14 weltweit präsenten Kirchen ausdifferenziert.

Themen Fastenvorschriften und Eherecht

Die daraus resultierenden Konflikte sollen bei dem Konzil behandelt werden. Themen sind etwa Anpassungen bei den Fastenvorschriften und beim Eherecht, die Regelung der Autonomie oder Autokephalie einer orthodoxen (Landes-)Kirche und die Art und Weise ihrer Erteilung, die Vereinheitlichung der liturgischen Kalender, die Organisation der weltweiten orthodoxen Diaspora sowie die Beziehungen der Orthodoxie zur Ökumene. Dabei hat selbst ein scheinbar banales Thema wie die Kalenderfrage erhebliche Sprengkraft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Patriarchen bei ihrer Konferenz im März 2014, bei der auch das Konzilsdatum festgelegt wurde, das Konsensprinzip für die Abstimmungen vereinbart haben. Wenn eine einzige Kirchendelegation mit Nein stimmt, ist eine Vorlage abgelehnt.

Die seit 1976 durch "präkonziliare Konferenzen" vorbereiteten Texte gelten mittlerweile längst wieder als veraltet, und ihre Überarbeitung kam in den vergangenen beiden Jahren nicht weit voran. Nur drei von acht Entwürfen seien fertiggestellt, gab im Dezember der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew zu Protokoll. Die Arbeit an den anderen Entwürfen sei nie ans Ende gekommen.

Scheitern des Konzils möglich

Diese Schwierigkeiten sind der eigentliche Grund dafür, dass ein Scheitern des Konzils durchaus möglich ist. Denn anders als etwa das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) der katholischen Kirche soll das orthodoxe Konzil nicht in erster Linie offen beraten und abstimmen, sondern die vorab beschlossenen Dokumente feierlich besiegeln.

In Chambesy müssen die Kirchenoberhäupter jetzt nicht nur Lösungen für das weitere Verfahren finden, sondern auch andere noch bestehende Hindernisse ausräumen. Eines ist in den vergangenen Tagen beseitigt worden, indem Bartholomaios I. den durch eine strittige Wahl ins Amt gekommenen Metropoliten der "Tschechischen Länder und der Slowakei", Ratislav Gant, anerkannte. Einer Lösung harren noch der Streit der Patriarchen von Antiochia und Jerusalem um die Zuständigkeit für das Golfemirat Katar sowie nicht zuletzt die kirchliche Lage in der Ukraine mit drei unterschiedlich ausgerichteten Kirchen.

Selbst dann bleibt Unsicherheit darüber, ob die türkische Regierung im Juni eine Zusammenkunft von rund 300 orthodoxen Delegierten in der altehrwürdigen Irenenkirche, die im Besitz des Staates ist, erlaubt. Offen ist auch, ob die Reise russischer Kirchenvertreter nach Istanbul politisch opportun sein wird. Einen Ausweichort zu finden, dürfte allerdings noch das geringste Problem sein.

Norbert Zonker
(KNA)

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