Gewaltsamer Protest in Burundi (Archiv)
Gewaltsamer Protest in Burundi (Archiv)

11.01.2016 - 10:00

Burundi Am Rande des Bürgerkriegs

Seit Monaten eskaliert die Gewalt im ostafrikanischen Staat Burundi. Beobachter warnen mittlerweile vor einem Völkermord, denn das Regime schürt den Hass zwischen Hutu und Tutsi. Wiederholt sich hier die Geschichte?

Auslöser der Krise waren die Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr: Im April 2015 hatte der burundische Präsident Pierre Nkurunziza – entgegen den verfassungsrechtlichen Bestimmungen – für eine dritte Amtszeit kandidiert. Die Opposition organisierte Proteste, die blutig niedergeschlagen wurden. Seitdem eskaliert die Gewalt. Schätzungsweise 400 Menschen wurden bislang getötet, Hunderttausende sind auf der Flucht.

Die Wahl im Juni hat Pierre Nkurunziza mit 77 Prozent der Stimmen gewonnen. Doch die Gewalt zwischen seinen Anhängern und der Opposition hält an, Burundi befinde sich "an der absoluten Schwelle" zum Bürgerkrieg, dessen Resultat ein Ausbruch von ethnisch motivierter Gewalt sein könnte, warnte Mitte Dezember der Menschenrechtsbeauftragte der UN, Zeid Ra'ad al-Hussein, vor dem UN-Sicherheitsrat.

Die internationale Gemeinschaft fürchtet, dass der ursprünglich politische Konflikt in ethnische Gewalt umschlagen könnte – bis hin zu einem Völkermord wie in Ruanda. Wie im Nachbarland leben auch in Burundi eine Hutu-Mehrheit und eine Tutsi-Minderheit. Auch der Bürgerkrieg in Burundi (1993–2006) wurde entlang ethnischer Linien ausgefochten. Die Regierung bedient sich derzeit einer Rhetorik, die an die Hassreden in Ruanda 1994 erinnert, es ist von „Auslöschung“ der "Kakerlaken" die Rede, auch von einer „finalen Lösung“.

Wie geht es weiter in Burundi? Die Entsendung von Soldaten durch die Afrikanischen Union (AU) lehnte Nkurunziza ab, immer mehr internationale Beobachter und Journalisten werden des Landes verwiesen. Die Teilnahme an den in Arusha (Tansania) geplanten Verhandlungen mit den Oppositionsbewegungen hat die Regierung abgesagt.

Domradio weltweit über die Hintergründe dieser Krise.

Gast im Studio: Volker Greulich, Afrika-Referent des Internationalen Kolpingwerkes

Moderation: Ina Rottscheidt