27.6.2011
Hamburger Abendblatt 24.6.2011
„Muslime sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“
Gemischte Reaktionen auf den Präventionsgipfel. Innenminister Friedrich ruft zu Wachsamkeit gegen Radikalisierung von Muslimen auf. Die katholische Kirche unterstützt den Präventionsgipfel des Bundesinnenministers. mehr...
9.6.2011
welt-online 9.6.2011
Kardinal Meisner antwortet Gläubigen nun online
Ralf Diessner von der Stabsabteilung Medien des Erzbistums sagte dem Kölner „domradio“, dass das auf ein Jahr befristete Projekt auch Menschen ansprechen solle, die der Kirche fern stehen. „Jede seriöse und ernst gemeinte Frage“ habe die Chance, unter die Top-Fragen zu gelangen und beantwortet zu werden. Das Angebot biete dem Erzbischof die Chance, direkter mit den Menschen zu ihren Fragen in Kontakt zu treten und nicht nur in Verbindung mit unpopulären Entscheidungen in den Medien zitiert zu werden. Da der Kardinal nicht alle einzelnen Anfragen beantworten könne, würden diese über die Dialogplattform nach Themen sortiert und per Abstimmung nach Wichtigkeit geordnet. mehr...
24.5.2011
10.10.2010 Welt am Sonntag
Der Nobelpreis für Medizin verärgert die katholische Kirche
Der Nobelpreis für Medizin verärgert die katholische Kirche
Leben, wo eigentlich kein Leben entstehen will - nicht mehr und nicht weniger ist dem diesjährigen Medizinnobelpreisträger Robert Edwards und seinem vor über 20 Jahren verstorbenen Kollegen Patrick Steptoe gelungen. Sie haben Eizellen im Reagenzglas befruchtet, sie hinterher Müttern eingepflanzt und so ungewollt kinderlosen Eltern einen großen Wunsch erfüllt. Das ist der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaft
in diesem Jahr der Nobelpreis für Medizin wert. Und nicht nur Edwards freute sich, sondern auch Louise Joy Brown, die als erster Mensch dank der künstlichen Befruchtung (In-vitro- Fertilisation, IVF) vor über 32 Jahren geboren wurde. So wie ihre Eltern haben mittlerweile vier Millionen Menschen auf die IVF zurückgreifen müssen, um endlich Nachwuchs zu bekommen. Allein diese Zahlen sprechen für den Erfolg von Edwards„ Methode.
Die katholische Kirche zeigt sich überaus verstimmt über die Wahl der Nobelpreis-Jury. Die von Edwards entwickelte IVF bedeute Gefahren für das Lebensrecht menschlicher Embryonen, sagte der Augsburger Weihbischof Anton Losinger dem Kölner domradio. Er vertritt die katholische Kirche im Deutschen Ethikrat. Der Nobelpreis könnte als eine „Art Heiligsprechung“ der künstlichen Befruchtung verstanden werden. Unter anderem sei es problematisch, dass im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Gendefekte untersucht
und gegebenenfalls nicht eingepflanzt werden. „Welches Menschenbild von Behinderten generieren wir, wenn wir behinderte Embryonen etwa aufgrund eines festgestellten Gendefekts aussortieren?“ Jeder Mensch sei ab dem Zeitpunkt seiner Zeugung ein
Mensch mit Lebensrecht und Würde und damit im Schutz auch einer rechtsstaatlichen Ordnung anzusiedeln. Er wandte sich gegen die Entkopplung von Liebe und Zeugung.
Der Vatikan sieht die Debatte um den Medizinnobelpreis kritisch. In der Diskussion bleibe die Vorbeugung gegen Unfruchtbarkeit ausgeklammert, schreibt die Vatikanzeitung
“Osservatore Romano„. Seit Jahren nehme Sterilität in der westlichen Welt zu. Statt gegen die Ursachen vorzugehen und vorzubeugen, konzentriere man sich auf nachträgliche
Schadensbehebung. „Man sucht ständig nach Modalitäten für eine Befruchtung, ohne zu
erklären, dass Sterilität zum großen Teil verhindert werden kann“, schreibt der Mediziner und Bioethiker Carlo Bellieni. Dabei komme es darauf an, bestimmte Infektionen
zu vermeiden, den Genuss von Alkohol zu mäßigen, keine Drogen zu nehmen und die Umwelt von bestimmtem Plastikmüll oder löslichen Verbindungen zu befreien, die die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen können.
Die Kirche sehe mit Sorge, dass viele Menschen
eine Hälfte ihres Lebens mit der Angst leben, ein Kind zu bekommen, und danach Angst haben, keines mehr bekommen zu können. Auf Kritik, die bereits vor 40 Jahren auch aus Forscherkreisen laut wurde, entgegnete Edwards, der gesundheitlich zu angeschlagen ist, um Interviews zu geben: „Dogmen, entweder kommunistischen oder christlichen Ursprungs,
die in die Biologie eingedrungen sind, haben nichts als Schaden angerichtet.“
ph
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24.5.2011
02.04.2010 Caritas in Köln
Soziale Schere geht noch weiter auseinander
Wenn wir nicht allen Menschen in unserer Gesellschaft die gleichen Chancen geben, dann wird die soziale Schere noch weiter auseinandergehen.
Wichtigstes Ziel der Politik in NRW sollte sein, ein weiteres Auseinanderklaffen der sozialen Schere zu verhindern. An meinem Arbeitsort in Köln beispielsweise gibt es Stadtteile, in denen die Arbeitslosenquote mehr als doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt: Köln Bocklemünd, -Ostheim oder auch -Lindweiler. Das sind Stadtteile, in denen manchmal ein Drittel der Bevölkerung auf Hilfe vom Staat angewiesen ist. Gleichzeitig gibt es nur wenige Kilometer weiter nicht wenige reiche Erben oder sogenannte „Besserverdiener“ ,die an einem Abend bei ihrem Besuch im Restaurant mehr Geld auf den Tisch legen, als eine ganze von Hartz IV abhängige Familie monatlich überhaupt zur Verfügung hat. Dieser immer noch wachsende Unterschied zwischen Arm und Reich ist Sprengstoff für jede Gesellschaft.
Hier darf die Politik nicht länger wegsehen. Wenn wir nicht allen Menschen in unserer Gesellschaft die gleichen Chancen geben, dann wird die soziale Schere noch weiter auseinandergehen. Gerade die Kinder in unserer Gesellschaft müssen gefördert werden. Sie
brauchen die Chance auf Bildung. E.s kann nicht sein, dass der Wohnort eines Kindes über seine schulische Laufbahn und letztendlich damit über seine Zukunft entscheidet. Wenn ich mir die Zahlen aus Köln ansehe, dann finde ich da einen direkten Zusammenhang: Wohnt ein Kind in einem gutbürgerlichen Stadtteil, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nach der Grundschule das Gymnasium besucht, statistisch gesehen bei 80 Prozent. Geht ein Kind dagegen in einem sogenannten „Problemviertel“ zur Grundschule, wird es mit einer
Wahrscheinlichkeit von acht Prozent danach ein Gymnasium besuchen. Das ist nicht gerecht.
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24.5.2011
Kirchenzeitung Köln 26.02.2010
Für eine zweite „Missionale“ in Düsseldorf
Für eine zweite „Missionale“ in Düsseldorf
„Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende, Jürgen Rüttgers, als er nach seiner Meinung zum Abhängen der Kruzifixe in den Düsseldorfer Gerichtssälen befragt wurde. Man darf ihm
das auch gerne glauben - wo er doch so oft betont, wie wichtig ihm die christlichen Grundwerte seien. „Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht“ - das klingt jedoch leider allzu sehr nach einer ratlosen, politischen Entschuldigung. Da fehlt nur noch der Zusatz: Ich kann ja nun wirklich nichts für diesen Schlamassel, und machen kann ich dagegen auch nichts. Und das ist wohl auch so. Trotzdem bekommt man bei genauerem
Hinhören die Zusprüche, die nach dem religiösen Skandal in der Landeshauptstadt laut geworden sind, nicht unbedingt so recht übereinander. Lässt sich etwa der CDU Landtagsabgeordnete Hendrik Wüst mit markigen Worten unter anderem über die „christliche Tradition des Landes“ zitieren, dann ist dies zwar gut gemeint. Ausrichten kann er damit allerdings genauso wenig wie sein Chef mit seinem Bedauern. Mit frommen Traditionen kommen die Christen kein Stück tiefer auf den Grund des Kruzifix-Streits. Der Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp kam dagegen im Domradio-Interview
klipp und klar darauf zu sprechen, warum die Entscheidung der Gerichtspräsidenten geradezu zu „fatal“ sei: „Die Rechtsordnung fußt auf dem christlichen Gottes- und Menschenbild.“ Das darf man sicherlich so kompromisslos verstehen, wie es gesagt ist und wie es ein Politiker kaum zu sagen wagen dürfte, solange er vom Volk gewählt werden will. Aber woher sonst sollen denn im Kern die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen und seine Rechte stammen? Und wie könnten sie deutlicher symbolisiert werden?
Natürlich räuspern sich da gleich wieder die üblichen Kritikaster und Besserwisser. Das
seien ja bloß alte Märchen, welche die Kirche unserer modernen Gesellschaft immer noch erzähle, heißt es dann. Dieselben Leute meinen dann, die Rechte und Gesetze, die heute das Leben der Menschen ordnen, seien sozusagen durch Evolution entstanden. Im Geschichtsbild klafft zwischen den römischen Juristen der Antike und den gottlosen Aufklärern der Neuzeit ein schwarzes Loch. Was christliche Denker rund ums „finstere Mittelalter“ etwa zur Entwicklung des Naturrechts und zu den Menschenrechten lange vor der UNO beigetragen haben, interessiert nicht. Das ist sch lichtweg Ignoranz. Kann es wirkl ich angehen, dass hochbeamtete Vertreter unserer Rechtsordnung sich zum vorauseilenden Gehorsam hinreißen lassen durch die Zeitgenossen, die unser christlichen Wurzeln am liebsten endlich ganz und gar ausrupfen wollen? gegen eine Art zweite „Missionale“ in
Düsseldorf zur Verteidigung der Kreuze in der Öffentlichkeit - das wäre schon was Feines ...
STEPHAN GEORG SCHMIDT
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24.5.2011
Bild Köln, 02.01.2010
Silvesterpredigt im Dom Kardinal Meisner kritisiert Topmanager
Silvesterpredigt im Dom
Kardinal Meisner kritisiert Topmanager
Köln - Mit deutlichen Worten hat Joachim Kardinal Meisner Topmanager kritisiert: „Wir sind zutiefst enttäuscht von manchen Verantwortlichen in der Wirtschaft und auf dem Finanzsektor, die nicht verantwortlich gehandelt und darum vielen Menschen materiellen Schaden zugefügt haben.“ Der Kölner Erzbischof in seiner Silvesterpredigt weiter: „Mit Sorge blicken wir auf den Terrorismus in aller Welt, der uns zeigt, dass der Mensch in den Selbstmordattentaten oft als todbringend für andere Menschen missbraucht und benutzt wird.“ Und Meisner wurde noch deutlicher: „Wir müssen schmerzlich feststellen, dass die Christen die größte Gruppe in der Welt sind, die um ihres Glaubens willen verfolgt, getötet und ihres Hab und Gutes beraubt werden. Aber weil es „nur“ Christen sind, nimmt die Weltöffentlichkeit kaum davon Kenntnis.“ Die detaillierte Predigt gibt„s zum nachzuhören unter domradio.de. mib
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17.5.2011
15.03.2011 Tagespost
Solidarität der katholischen Welt für Japan
Papst Benedikt XVI. und Kölns Kardinal Joachim Meisner rufen zum Gebet auf - Jesuiten und Steyler Missionare geben Entwarnung
Würzburg (DT/KNA/sel) Papst Benedikt XVI. hat den Opfern des verheerenden Erdbebens
in Japan sein Beileid bekundet: Der Papst sei tief betrübt über die tragischen Folgen der Naturkatastrophe sowie der dadurch ausgelösten Tsunamis an der Nordostküste
des Landes, heißt es in einem am vergangenen Freitag vom Vatikan veröffentlichten
Telegramm an den Vorsitzenden der japanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Leo Jun Ikenaga. Benedikt XVI. versichere allen Betroffenen seine Verbundenheit
in dieser schweren Zeit und bete für die Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Zudem erkläre er sich solidarisch mit allen, die den Opfern in dieser Situation Hilfe leisteten,
heißt es. Die Deutsche Bischofskonferenz hat den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis
in Japan ebenfalls ihr Mitgefühl und ihre Solidarität ausgesprochen. „Mit großer
Betroffenheit habe ich Kenntnis von dem schrecklichen Erdbeben und dem dadurch
ausgelösten Tsunami in Ihrem Land erhalten. Ich verneige mich in tiefer Trauer vor
den Opfern dieser tragischen Katastrophe/f, schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz,
Erzbischof Robert Zollitsch, am Freitag in Bonn in einem Brief an den Vorsitzenden
der japanischen Bischofskonferenz. „Die Überlebenden brauchen in den kommenden
Wochen und Monaten dringend unsere geschwisterliche und großherzige Hilfe“, heißt es weiter. Er bitte die Gläubigen in Deutschland, die japanische Kirche und alle von der Katastrophe betroffenen Menschen mit Gebeten, aber auch mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich über das Erdbeben in Japan erschüttert gezeigt. Im Kölner „domradio“ bekundete der Erzbischof am Freitag
Anteilnahme und Solidarität. Er schrieb an den Erzbischof von Tokio, Okada Peter Takeo:
“Wir schließen sie in unser Gebet ein und ebenso auch alle, die ihnen jetzt zur Hilfe eilen. Für die Menschen, die· bei der Katastrophe ihr Leben verloren, bitten wir Gott um die österliche Vollendung und um Trost und Hoffnung für die, die sie zurücklassen
mussten. Die Gottesdienste am vergangenen Wochenende wurden im Erzbistum
Köln dazu genützt, in besonderer Weise für die Menschen in Japan zu beten. Die
Erzbistümer Köln und Tokio verbindet seit 1954 eine Partnerschaft. Im Erzbistum Tokio leben nach Angaben des „domradio“ insgesamt 18,2 Millionen Menschen, davon
sind knapp 92000 katholisch. Sie werden danach von 402 Priestern betreut, von denen 226 Japaner sind. Hinzu kämen neun Diakone und 62 Seminaristen. Nach Angaben der japanischen Bischofskonferenz mit Stand von 2005 sind von rund 120 Millionen Einwohnern Japans etwas mehr als 500000 Einwohner Katholiken. Gute Verbindungen mit der japanischen katholischen Sophia Universität in Tokio pflegt die Philosophische Hochschule
der Jesuiten in München. Nach Angaben von Thomas Busch, Öffentlichkeitsreferent
der Deutschen Provinz der Jesuiten, gegenüber dieser Zeitung habe die Sophia Universität
eine E-Mail an die Münchner Hochschule geschickt, wonach an der Universität
in Tokio nichts zerstört und den Umständen entsprechend alles in Ordnung sei. Auf der Internetseite der Sophia Universität, wo nach eigenen Angaben rund 12000 Männer und Frauen studieren, wurden am gestrigen Montag jedoch die Studierenden angewiesen, zumindest bis zum kommenden Donnerstag zu Hause zu bleiben. Nach Angaben der Universität sind alle Einrichtungen wie Bibliothek, Labors, Cafeteria oder Fachbereichsbüros geschlossen. Wie der Provinzial der Steyler in Japan, Hideaki Ichese, nach einer Mitteilung der Deutschen Provinz des Ordens vom Montag berichtet, gehe es den Mitbrüdern in den Steyler Niederlassungen Akita, Tokio und Karuizawa (Nagano) nach dem schweren
Erdbeben und den zahlreichen Nachbeben gut. Pater Arnold Plum, der in Mitteljapan
lebt und arbeitet, habe jedoch ergänzt, dass die Steyler Missionare in Tokio unter
langanhaltenden Stromausfällen und stark reduziertem Verkehr litten. Auch die Schülerinnen
und Schüler der Steyler Schulen in Japan seien mit dem Schrecken davongekommen,
so die Deutsche Provinz in ihrer Mitteilung. Pater Hans-Jürgen Marx wird
mit den Worten zitiert: „Ich selbst erlebte das Erdbeben am Schreibtisch im Rektoratszimmer
der neuen Grundschule in Nagoya. Ich fühlte das Beben, aber der junge, der an
meiner Seite stand, spürte es erst, als ich ihn darauf aufmerksam machte. Die Mitbrüder
in Tokio und Akita kamen alle mit dem Schrecken davon. Es hat auch keine Sachschäden gegeben. Vorläufig sind Tokio und der Osten Japans für uns unerreichbar“.
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17.5.2011
10.08.2009 Tagesspiegel
Verstaubtes Gotteshaus
KÖLN -Der Kölner Dom hat ein Staubproblem. Die durchschnittlich 20 000 Touristen, die täglich die Kathedrale besuchen, brächten große Mengen Staub aus Textilfasern in das Gotteshaus, sagte Dombaumeisterin Barbara Schock-Wemer dem „domradio“, „Touristen stauben ungeheuerlich. Wir haben ein großes Staubproblem im Kölner Dom. Und das sind über 80 Prozent Textilfasern“, sagte Schock-Wemer. Jedoch sei die Situation im Sommer besser als im Winter, „wenn die Leute mehr Kleider anhaben“. KNA
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17.5.2011
09.08.2009 CIG
Katholische Banken, der Vatikan und das Geld
Zwei deutsche katholische Banken haben Geld in einen Fonds investiert, zu dem auch ein amerikanisches Pharma-Unternehmen gehört, das Pillen zur Empfängnisverhütung produziert. Doch auch die Geschäfte der Vatikan- Bank waren in den letzten Jahrzehnten nicht immer ethisch korrekt.
Der Papst kritisiert Verhütungsmittel - die katholische Pax-Bank macht Geschäfte,
die im Widerspruch dazu stehen.„ Der „Spiegel“ hat herausgefunden, dass das Geldhaus im März knapp 160000 Euro in ein amerikanisches Pharma-Unternehmen investiert hat, das unter anderem auch Pillen zur Empfängnisverhütung produziert. Außerdem floss Geld in Rüstungs- und Tabakkonzerne. Zusammengerechnet handelt es sich um ein Investitionsvolumen von 1,6 Millionen Euro, das von Pax- und Liga-Bank ethisch unsauber angelegt wurde. Zerknirscht trat Winfried Hinzen, Vorstandsmitglied der Pax-Bank, an die
Öffentlichkeit. „Zu meinem großen Bedauern stimmen die Spiegel“-Recherchen“, sagte er dem Kölner Domradio. Wir haben mit unseren Fonds bewiesen, dass man gut auch durch schwierige Finanzzeiten steuern kann, auch wenn man ethisch sauber ist, auch wenn man katholische Werte-Vorstellungen - so gut es eben geht - versucht zu realisieren. Aber wo Menschen arbeiten, passieren eben auch Fehler.„ Deshalb sei man „dankbar für die journalistische Recherche, die das nach vorne gebracht hat. So kann man solche Fehler dann beheben“.
Der Nachlass des Prälaten
So gesehen müsste auch der Vatikan dankbar sein für das Buch „Vaticano S.p.A.““ (Vatikan
AG). Darin schildert der Mailänder Journalist Gianluigi Nuzzi die Verflechtungen der Vatikan-Bank in die italienische Schmiergeld-Affäre der Jahre 1992- 1995. Diese brachte das gesamte italienische Parteiensystem zum Einsturz. Nuzzi stützt sich auf den Nachlass des 2003 verstorbenen Vatikan -Prälaten Renato Dardozzi. Der ehemalige Manager, der als Spätberufener im Alter von SI Jahren zum Priester geweiht wurde, war als Wirtschaftsfachmann langjähriger Berater des Staatssekretariats in Finanzfragen und dokumentierte im Geheimen die ungewöhnlichen Geschäfte des „Istituto per le Opere dei Religione“ (IOR), wie die Vatikanbank offiziell heißt. Ausgerechnet die katholische „Tagespost“ in der Kritik am Vatikan sonst eher selten zu lesen ist, hat dem Finanzskandal
einen großen, aufklärenden Artikel (30. Juli) gewidmet. Unter der Überschrift „Unheiliges
hinter heiligen Mauern“ heißt es: „Das IOR ist eine der geheimnisvollsten Einrichtungen des Vatikans. Als Offshore-Bank ist es durch keine Verträge und keinen Beitritt zu internationalen Abkommen auswärtigen Kontrollen unterworfen. Dafür garantiert die Vatikanbank ihren Klienten volle Diskretion - und ihren Mitarbeitern rechtliche Immunität.“ Keine Bilanzen, keine Öffentlichkeit, kein Geschäftsbericht. Die Vorzüge der Bank waren dem langjährigen Leiter, Erzbischof Paul Marcinkus (gestorben 2006), sowie einigen Betrügern bestens bekannt. Als in den achtziger Jahren die Banco Ambrosiano, mit der die Vatikanbank enge Geschäftsbeziehungen unterhielt, zusammenbrach, musste Marcinkus abdanken. 242 Millionen Dollar zahlte der Vatikan an die Gläubiger der Banco Ambrosiano. Für einige Zeit konnte der Erzbischof den Vatikan nicht verlassen, weil ein Haftbefehl gegen ihn vorlag.
„Bisher hatte man gedacht. dass der Vatikan aus diesem dunklen Kapitel gelernt hätte, zumal Johannes Paul II. die Leitung des IOR nach dem Abgang von Marcinkus neu geordnet hatte - ein Irrtum, wie man jetzt erfahren muss. Aus Unterlagen Dardozzis geht hervor, wie auch in den neunziger Jahren Gelder in Millionenhöhe über die Vatikanbank geschleust wurden, um Schmier- und Schweigegelder an Politiker und Wirtschaftsführer weiterzuleiten“,
schreibt die „Tagespost“. Insgesamt sollen es 63 Milliarden Lire (umgerechnet etwa
32,S Millionen Euro) gewesen sein. Der langjährige Sekretär von Erzbischof Marcinkus, Prälat Donato de Bonis, hatte auch in der neu strukturierten Vatikanbank alle Freiheiten. Als Bindeglied zwischen dem neuen Vatikanbank-Präsidenten Angelo Caloia und dem aus Kardinälen bestehenden Aufsichtsrat „fängt die Bonis nun an, ein paralleles IOR aufzubauen, in dem nur verschlüsselte Konten und Namen benutzt werden. Sein erstes Konto heißt
“Fondazione deI Cardinale Francis SpeIlman„. Zeichnungsberechtigt sind niemand
Geringerer als Giulio Andreotti und de Bonis selbst“. (Andreotti war als Vorsitzender der Christdemokraten sieben Mal italienischer Ministerpräsident und insgesamt
dreizehn Mal Minister. Er hat beste Beziehungen zur Kurie und ist Chefredakteur
der Kirchenzeitung ,,30 giorni„. deutscher Titel: „30 Tage“.) Ähnliche Konten mit dem gleichen Zweck folgen - was angeblich niemand bemerkt. Erst als die Mailänder Staatsanwaltschaft eine breit angelegte Untersuchung anstrengt, in deren Verlauf der Vatikan in Verdacht gerät, sieht sich Bankpräsident Caloia zu genaueren Untersuchungen genötigt. „So stößt er auf die Existenz eines Kontos. auf das Gläubige für die Abhaltung von Gottesdiensten einzahlen. Millionen wurden von diesem Konto von de Bonis für anderweitige Zwecke abgehoben, ohne Belege zu hinterlassen. Auch die ersten Codenamen in den Unterlagen de Bonis werden entziffert: ,Roma“ steht für ihn selbst. ,Omissis“ für Andreotti.„
Eine Bank mit sieben Siegeln
Doch statt entlassen zu werden, wird der untreue Prälat 1993 zum Bischof geweiht und als Geistlicher Assistent des Malteserordens wegbeordert. Nüchtern hält die „Tagespost““ den weiteren Verlauf der Ereignisse fest. „Im Sommer 1994 beginnen die Prozesse, mehrere Inhaber von IOR-Konten - wie fast alle der 32 Angeklagten, unter ihnen einflussreiche Politiker wie Bettino Craxi. Arnaldo Forlani und Umberto Bossi - werden im Oktober 1995
verurteilt. Viele der Akteure von damals leben nicht mehr. Aber die späte Erkenntnis,
dass die Bank des Vatikans eine Schlüsselposition in der Schmiergeldaffäre ... einnahm, erklärt nachträglich die Zurückhaltung, mit der der Vatikan vor fünfzehn Jahren die Zerschlagung und den Neuaufbau des italienischen Parteiensystems begleitet hat.“ Von Vatikan-Bankpräsident Caloia, der heute noch im Amt ist, heißt es, dass er die Bank zu einem Buch mit sieben Siegeln entwickelt habe. „Nur das Gewissen des spätberufenen Prälaten Renato Dardozzi hat dafür gesorgt, dass eines der sieben Siegel aufgebrochen ist“. msc
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