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5.2.2012

Bischof Gmür kritisiert Schweizer Asylpolitik

Kritik an der Asylpolitik in der Schweiz hat der katholische Bischof Felix Gmür von Basel geübt. Wer in die Schweiz komme, gelte im besten Fall als Wirtschaftsflüchtling, "meistens jedoch als Krimineller", sagte der Bischof im Interview der Zeitung "Der Sonntag". Der 45-Jährige ist seit gut einem Jahr als Bischof von Basel Nachfolger des heutigen Kurienkardinals Kurt Koch (61), als Präsident des Päpstlichen Einheitsrates vatikanischer "Ökumeneminister".

In der Ausländerfrage erkennt Gmür eine wachsende Polarisierung in seinem Land. "Es geht nur noch um Parolen, nicht mehr um Problemlösung", so der Bischof. Er sprach sich dafür aus, gegen die "sehr kleine Minderheit" krimineller Asylsuchender "anständig, aber konsequent" vorzugehen. Grundsätzlich aber müsse gelten, "bis ein Asylentscheid vorliegt, sollten wir von einem echten Flüchtling ausgehen. Und nicht von einem Verbrecher". Zugleich bedauerte Gmür unter Verweis auf Blogs und Kommentare in Newsportalen, dass Ausländerfeindlichkeit offenbar "bis zu einem gewissen Maß salonfähig" in der Eidgenossenschaft geworden sei.

Die Kirche, bedauerte der Bischof, sei für die meisten Menschen heute zu einer bloßen "Anlaufstelle" bei Ereignissen wie Taufe, Hochzeit oder Beerdigung geworden. Das Evangelium verschwinde zunehmend aus dem Bewusstsein, und das habe auch Auswirkungen auf die Zahl der Priesterberufungen. Gmür: "Wir sind eine Gesellschaft, die an den Fortschritt glaubt, und dieses Wissen ist für viele nicht vereinbar mit dem Glauben. Wir wissen immer mehr - so viel, dass wir glauben, alles allein zu können." In der Kirche müsse "volksnäher" geredet und vor allem gelebt werden, sagte der Bischof. Im Alltag müsse wieder ein gelebtes Christentum eine Rolle spielen.

( kna )