Erzbischof Becker kritisiert "Theatralisierung der Gesellschaft"
Eine "Theatralisierung der Gesellschaft" kritisiert der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. Gerade Verantwortliche in der Politik bedienten sich bildreicher und symbolträchtiger Inszenierungen, sagte er am Donnerstagabend in Paderborn. Über solche medialen Inszenierungen drohten die Auseinandersetzungen um das bessere Argument oder um die überzeugendere Strategie mehr und mehr verloren zu gehen. Becker äußerte sich bei einem Empfang des Erzbistums Paderborn für Medienvertreter.
Angesichts der aktuellen politischen Affärendebatten mahnte der Erzbischof eine "neue Ethik der Verantwortung" an. Dabei müsse es um "Korrektheit des eigenen Handelns" und "Authentizität des eigenen Seins" gehen. Becker warnte davor, das eigene Image konstruieren zu wollen und selbstgefällig zu sein.
Besorgt äußerte sich der Erzbischof auch über Entwicklungen im Bereich der neuen Medien. Vor allem in den sozialen Netzwerken bestehe die Gefahr, sich ein eigenes Bild von sich selbst zu entwerfen. Die mediale Leitkategorie "Ich inszeniere mich, also bin ich" könne gerade bei jungen Menschen eine persönlichkeitsprägende Führungsrolle übernehmen.
Weiter wandte sich der Erzbischof gegen die Devise "größer, schneller, stärker" im gesellschaftlichen Alltag und eine "entfesselte Beschleunigung aller Lebensbereiche". In der Folge lebten die Menschen in einem "Hamsterrad der Ökonomie" und litten unter krankmachender Arbeitsverdichtung, Reizüberflutung und Rivalität. "Der enorme soziale Druck lähmt, macht diffus und orientierungslos", so Becker. "Wir erleben und erleiden zunehmend den Kontrollverlust über das eigene Leben." Der Erzbischof äußerte sich beim traditionellen Medienempfang der Erzdiözese in Erinnerung an den Journalisten-Patron Franz von Sales (1567-1622). Die katholische Kirche begeht seinen Festtag am 24. Januar.