Hannes Kreller: "Der Sonntag ist kein Tag wie jeder andere"
Hannes Kreller: "Der Sonntag ist kein Tag wie jeder andere"

03.03.2016

Internationaler Tag des freien Sonntags "Der einzige Tag in der Woche, der sich nicht rechnen muss"

Der Sonntag muss arbeitsfrei bleiben. Darauf dringt Hannes Kreller von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung am heutigen "Internationalen Tag des freien Sonntags". Ein Interview über Pflichten der Politik und Initiativen zum Sonntagsschutz. 

domradio.de: Warum sollte der Sonntag arbeitsfrei sein?

Hannes Kreller (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, Mitglied der Allianz für den freien Sonntag): Für uns als ist der Sonntag kein Tag wie jeder andere. Denn wir haben die Einschätzung und auch das Erleben, dass Leben eigentlich mehr ist als Arbeit, Produktion und Geldverdienen. Von daher ist der Sonntag einerseits wichtig für die einzelne Person, um sich zu entspannen und zu genießen. Auf einer zweiten Ebene existiert aber auch für uns als Christen die besondere Bedeutung, Gottesdienst zu feiern und damit an die Auferstehung Jesu zu erinnern. Außerdem ist der arbeitsfreie Sonntag auf einer dritten Ebene wichtig, bezogen auf die Familie, auf die Gemeinschaften, auf die Kultur- und Sportereignisse, die stattfinden. Das heißt, es braucht einen freien Tag in der Woche, an dem die Menschen nicht eingebunden sind in einen ökonomischen Bereich, sondern an dem sie sich entfalten können. Denn es ist der einzige Tag in der Woche, der sich nicht rechnen muss.

domradio.de: Und um das alles zu gewährleisten braucht es natürlich die Politik. Sie sehen die Politik in der Pflicht, wollen jetzt vor den Landtagswahlen die Kandidaten dazu bewegen, sich für den Sonntagsschutz einzusetzen. Wie genau haben Sie das vor?

Kreller: Es ist richtig, dass wir hier besonders auf die Poltik zugehen. Ein wichtiger Aspekt dazu ist: Die Grundlage für die Politik ist eigentlich der Sonntagsschutz, der auch im Grundgesetz gelegt worden ist. Wir hatten erst letzte Woche eine größere Tagung in Berlin mit ehemaligen Bundesverfassungsrichter Prof. Papier. Er hat uns nochmal sehr nahegelegt, dass nach dem Grundgesetz der Sonntag einen höheren Stellenwert hat als unternehmerische Freiheiten - unter anderem auch einen höheren Stellenwert für die gesundheitliche Unversehrtheit. Unter diesen beiden Aspekten möchten wir natürlich auch auf die Abgeordneten zugehen und sie anfragen, was sie in ihren Bundesländern - denn die Entscheidung über verkaufsoffene Sonntag liegt in den Ländern - tun wollen. Wir haben damit teilweise schon gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel in Bayern, wo wir bei den letzten Landtagswahlen jeden Abgeordneten angefragt haben und ihn gebeten haben, eine schriftliche Stellungnahme abzugeben. Und wir erfahren, dass solche Aktivitäten sehr erfolgreich sind. Denn es gibt keine Diskussion, in Bayern die Ladenschlusszeiten beziehungsweise den Sonntag für ökonomische Interessen zu opfern.

domradio.de: Es gibt jetzt beispielsweise auch eine große Unterschriftenkampagne. Darüber hinaus wollen Sie ja viele Menschen bundesweit auf das Thema "Sonntagsschutz" aufmerksam machen. Welche Aktionen sind denn konkret geplant?

Kreller: Die Aktionsvielfalt ist unterschiedlich. Heute findet zum Beispiel eine große Tagung in Baden-Württemberg statt, wo unter anderem auch die Landtagsabgeordneten beteiligt sind und wo es intensiv um die Frage des Sonntagsschutzes geht. Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass viele Aktivitäten jetzt am Wochenende stattfinden. Manche Gruppen gehen auf die Wochenmärkte und treten dort als Römergruppe auf, um die gesetzliche Grundlage von Kaiser Konstantin von 321 nach Christus zu verlesen, der damals den Sonntag als DEN gemeinsamen freien Tag definiert hat. Außerdem werden wir innerhalb der nächsten Wochen versuchen, eine breitere Unterstützung dafür zu bekommen, dass der Sonntag geschützt wird und nicht weitere Ausnahmeregelungen erteilt werden. Dafür engagieren sich ja die Call Center sehr stark, nachdem ja das Bundesverwaltungsgericht der Klage gegen Hessen stattgegeben hat. Außerdem ist auf Bundesebene ein Gespräch mit den arbeitsmarktpolitischen Sprechern der Fraktionen geplant.  

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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