Koptische Kirche in Ägypten
Koptische Kirche in Ägypten
Der koptische Bischof Anba Damian
Der koptische Bischof Anba Damian

24.01.2016

Bischof Damian über Ägypten fünf Jahre nach Tahrir-Protesten "Zarte Pflanze der Demokratie ist reanimiert"

Mit dem Protest gegen das damalige Mubarak-Regime begann vor fünf Jahren auf dem Tahrir-Platz in Kairo der "Arabische Frühling" in Ägypten. Der von dort stammende koptisch-orthodoxe Bischof in Deutschland, Anba Damian, zieht Bilanz.

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA): Bischof Damian, der "Tag des Zorns" jährt sich an diesem Montag (25.1.16) zum fünften Mal. Was geht Ihnen durch den Kopf?

Bischof Anba Damian: Ich denke an die vielen jungen Menschen in meiner Heimat. Sie wollen in Freiheit, Demokratie und Frieden leben. Dafür haben sie auf dem Tahrir-Platz demonstriert. Ägypten muss seine ursprüngliche Würde wiedererlangen - seine freiheitliche Kultur, in welcher der Heiligen Familie Asyl gewährt wurde.

KNA: Immer wieder gibt es Terroranschläge von Muslimen auf Christen...

Bischof Damian: ...aber auf dem Tahrir-Platz haben Christen und Muslime gemeinsam für Freiheit und Toleranz demonstriert und nebeneinander Kreuz und Koran hochgehalten. Diese Bilder verlassen uns nicht mehr. Ich habe die große Hoffnung dass es mit Ägypten unter der neuen Regierung aufwärts geht.

KNA: Ägypten hat mit der "Arabellion" ein ziemliches Auf und Ab erlebt: den Sturz des Regimes von Hosni Mubarak mit Hilfe des Militärs, die Wahl des Muslimbruders Mohammed Mursi zum Staatspräsidenten, wieder Proteste gegen dessen Scharia-orientierte Politik, ein erneuter Militärputsch und im Mai 2014 wieder Wahlen. Wie beurteilen Sie die neue Regierung?

Bischof Damian: Der Psychoterror des Muslimbruders Mursi ist vorbei. Unter ihm und den Salafisten drohte die zarte Pflanze der Demokratie zu ersticken. Sie ist nun reanimiert worden. Mit der neuen Regierung von Abd al-Fattah as-Sisi ist Ägypten auf dem Weg eines säkularen und liberalen Staates.

KNA: Woran machen Sie das fest?

Bischof Damian: Sisi fordert die Muslime auf, Christen nicht gewaltsam Allah zu unterwerfen. Diese ganz neuen Töne stimmen mich hoffnungsfroh, dass die Vision von Freiheit in Ägypten verwirklicht werden kann. Allerdings könnte die Regierung mehr für die Gleichberechtigung der Christen etwa auf dem Arbeitsmarkt und deren Schutz vor Gewalt tun. Hier klaffen Worte und Taten noch auseinander.

KNA: Ihre Erwartungen sind also noch lange nicht erfüllt.

Bischof Damian: Natürlich haben wir unter den Aggressionen der islamistischen Kräfte zu leiden, die enorm zugenommen haben. Es ist schrecklich, wenn kleine Mädchen auf dem Weg zur Schule entführt, vergewaltigt oder zwangsverheiratet werden. Mein Heimatland benötigt Unterstützung beim Kampf gegen den Terrorismus. Eine verbohrte Ideologie lässt sich aber nicht allein mit Waffen bekämpfen. Es kommt sehr auf Bildung an, die den Horizont erweitert und in die wir deshalb viel investieren müssen. Vorbildlich ist etwa die "German University of Cairo". Institutionen dieser Art sollte Deutschland in Ägypten fördern.

KNA: Wie schätzen Sie die Rolle des sogenannten "Islamische Staats" (IS) ein?

Bischof Damian: Wir erleben in der Terrormiliz eine besondere Form konzentrierter Bösartigkeit. Dennoch schätze ich sie als nicht sehr stark ein. Auch hier gilt: Deren Ideologie kann nicht allein mit Waffen bekämpft werden. Und Europa muss darauf achten, dass es sich im Kampf gegen den IS auf loyale arabische Partner in der Region stützt und nicht selbst militärisch eingreift.

KNA: Große Kritik richtet sich auch gegen die Rolle von Saudi-Arabien im Nahen Osten.

Bischof Damian: Das ist voll berechtigt. Saudi-Arabien und Katar fördern in der Region Terrorismus und Zwangs-Islamisierung. Dabei sollten beide Länder mit den Petro-Dollars lieber Hungersnöte bekämpfen und Leiden lindern.

KNA: Wegen des IS-Terrors kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Geht das Land richtig mit ihnen um?

Bischof Damian: Ich freue mich über das Engagement Deutschlands für notleidende Flüchtlinge. Ich mahne aber auch zur Vorsicht: Viele muslimische Flüchtlinge kommen über die Türkei nach Deutschland. Das ist alles andere als Zufall, sondern wohl kalkulierte Strategie des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er fördert den Zuzug der Muslime, um damit Deutschland zu islamisieren.

Andreas Otto
(KNA)

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