28.11.2012

Gasofen verursachte tödliche Brandkatastrophe

Trauer in Titisee-Neustadt

Ausströmendes Gas und eine anschließende Verpuffung sind die Ursache für die Brandkatastrophe mit 14 Toten in Titisee-Neustadt. In einem Raum im Erdgeschoss der Behindertenwerkstatt habe ein Gasofen gestanden, der mit einer Gasflasche verbunden war, sagte Staatsanwalt Peter Häberle. Aus bislang völlig ungeklärter Ursache sei das Gas unkontrolliert ausgeströmt, habe sich entzündet und sei verpufft.

Zwei Tage nach der Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt in Baden-Württemberg untersuchen Spezialisten die Hintergründe der Brandursache. Dabei soll geklärt werden, ob technische Mängel, menschliches Versagen oder gar Vorsatz für die Explosion eines Gasherds verantwortlich seien, teilte die Polizei mit. Nach Angaben des Leiters der Polizeidirektion Freiburg, Alfred Oschwald, arbeitet eine Sonderkommission mit 60 Beamten an der Aufklärung.

Am (heutigen) Mittwoch gedenken zahlreiche Menschen der Opfer. Die Freiburger Erzdiözese richtete auf ihrer Internetseite gemeinsam mit dem Diözesan-Caritasverband ein Trauerportal ein, wo bis zum frühen Morgen knapp 100 Menschen eine Nachricht hinterließen. Um 12.15 Uhr hält Dompfarrer Wolfgang Gaber in besonderen Gedenken an die Opfer, Angehörigen und Helfer eine Messe im Freiburger Münster Unserer Lieben Frau. Am Samstag (1. Dezember) wird in ganz Baden-Württemberg der Opfer gedacht. Für diesen Tag ist landesweit Trauerbeflaggung angeordnet.

Keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat
Nach derzeitigem Kenntnisstand spreche alles für ein Unglück, sagte Staatsanwalt Peter Häberle am Dienstag. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat. Dennoch habe die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Brandstiftung beziehungsweise fahrlässiger Tötung eingeleitet. "Das bedeutet aber nicht, dass fahrlässiges Verhalten vorliegt", sagte er. Dies zu prüfen, sei Zweck des Ermittlungsverfahrens.

Als Ursache für die Brandkatastrophe gilt eine Verpuffung. In einem Raum im Erdgeschoss der Werkstatt habe ein Gasofen gestanden, der mit einer Gasflasche verbunden war, sagte Häberle. Aus bislang ungeklärter Ursache sei das Gas unkontrolliert ausgeströmt, habe sich entzündet und sei verpufft.

Sicherheitsvorschriften wurden eingehalten
Die Toten hätten sich alle in dem Raum aufgehalten, in dem sich der gasbetriebene Heizofen befunden habe, erläuterte der Staatsanwalt. Unter ihnen ist eine 50-jährige Betreuerin. Außerdem kamen zehn Frauen mit Behinderung im Alter von 28 bis 68 Jahren ums Leben sowie drei Männer im Alter von 45 bis 68 Jahren.

Bei dem Ofen habe es sich um einen "mobilen Heizofen" gehandelt. Ob der Ofen zum Unglückszeitpunkt im Betrieb war, müsse noch ermittelt werden, sagte Polizeichef Oschwald. Auch ob das Gas aus dem Ofen oder aus der Gasflasche ausgeströmt war, sei derzeit unklar. Sowohl die Landrätin Dorothea Störr-Ritter als auch der Vorstand des Caritas-Verbandes Freiburg, Egon Engler, betonten, dass in dem Gebäude alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden seien.

Laut Kreisbrandmeister Alexander Widmaier hat sich der Rauch so schnell verbreitet, dass sich die Menschen nicht hätten retten können. Die Todesursache ist allerdings dem Staatsanwalt zufolge noch nicht bei allen Opfern geklärt. Bei einigen sei hingegen klar, dass sie an einer Rauchvergiftung gestorben seien.

Die Ermittler hatten bis Dienstagnachmittag von neun Verletzten gesprochen, die in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten. Inzwischen sei jedoch klar, dass außerdem fünf Menschen leicht verletzt wurden, sagte der Polizeichef. Die Betroffenen seien am Montag nach einer Erstversorgung nach Hause gegangen, sodass die Polizei von ihnen keine Kenntnis gehabt habe.

Tatjana Schäfer

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