09.06.2011

Nachrichtenarchiv 09.06.2011 09:31

Kardinal Kasper sieht Europa am Scheideweg

Kardinal Walter Kasper sieht Europa an einem "kritischen Punkt" seiner Geschichte. Europa stehe heute vor der Entscheidung, sich entweder "auf Grundlage seiner Tradition zusammenzuschließen" oder "sich selbst aufzulösen und sich selbst zu zerstören", sagte Kasper am Mittwochabend in Karlsruhe.

Dies sei "der Kern der gegenwärtigen Krise Europas", betonte der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Europa stehe nicht nur vor großen politischen und wirtschaftlichen, sondern auch vor kulturellen, geistigen und moralischen Herausforderungen.

Das bisherige Menschenbild stehe in Frage, da es eine zunehmende "Loslösung" von Religion und Christentum in Europa gebe. Dies führe zur Lösung von den Maßstäben, auf die Europa gegründet sei. "Es steht die große europäische Idee von der unbedingten Würde des Menschen zur Disposition", sagte Kasper. Der Mensch werde immer mehr zur Ware, zur Nummer und einem Objekt der Manipulation. Als Beispiele nannte Kasper Abtreibung, Sterbehilfe sowie den Umgang mit Embryonen und Komapatienten.

Europa müsse "seine Seele wieder entdecken" und zu seiner Geschichte, Kultur und der darin begründeten Lebensart stehen, mahnte Kasper. Daran entscheide sich, "ob Europa und unsere europäische Kultur Zukunft hat oder ob Europa in Eurasien oder Eurarabien aufgeht", sagte der katholische Geistliche.

Kasper hielt den Festvortrag beim Jahresempfang der Kirchen für die Bundesgerichte in Karlsruhe.

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