Abtprimas Notker Wolf: Ranghöchster Benediktinermönch
Abtprimas Notker Wolf: Ranghöchster Benediktinermönch

20.06.2010

Abtprimas Notker Wolf wird 70 Jahre alt

Kosmopolit im Namen Benedikts

Auf den Flughäfen der Welt ist er ebenso zu Hause wie in der Küche seines Klosters Sant' Anselmo in Rom: Als Chef von rund 23.000 Benediktinern und Benediktinerinnen ist Notker Wolf viel unterwegs. Und als Deutschlands bekanntester rockender Geistlicher stand er schon mit Deep Purple auf der Bühne.

Manche jungen Mitbrüder mögen sich verwundert die Augen reiben, wenn ihr Abtprimas nach dem Essen plötzlich die Teller abträgt und zum Spülen die Ärmel hochkrempelt. Hat das einer nötig, der rund um den Globus jettet, mehrere Sprachen spricht und sich immer wieder in gesellschaftlichen Fragen zu Wort meldet? Hat er: Auch der Chefbenediktiner weiß sich der Ordensregel verpflichtet. Am Montag wird der unkonventionelle Ordensmann mit der Leidenschaft für Rockmusik 70 Jahre alt. Als Sohn eines Schneiders kam Werner Wolf 1940 in Bad Grönenbach im Allgäu zur Welt. Gut katholisch, aber nicht überfromm war die Familie. Sein religiöses Grunderlebnis hatte er als Zweieinhalbjähriger, wie der Abtprimas in einem seiner vielen Bücher notiert. In der Mitternachtsmette am Heiligen Abend sei es gewesen, als ihn die Mutter auf die Kirchenbank stellte. "Ich sah das Licht, hörte die Musik, roch den Weihrauch - noch heute öffnet mir diese Erinnerung alle Sinne." Nach dem Abitur im Gymnasium der Missionsbenediktiner in Sankt Ottilien trat er dort 1961 in den Orden ein und bekam den Namen "Notker". Sein Studium der Philosophie absolvierte der Benediktiner an der Päpstlichen Hochschule Sant' Anselmo in Rom, in München schrieb er sich daraufhin für Theologie und Naturwissenschaften ein. Die Priesterweihe empfing er 1968. Zwei Jahre später lehrte Wolf Naturphilosophie in Sant' Anselmo, die Promotion mit einer Arbeit über das zyklische Weltmodell der Stoa folgte 1974. Was sich als klassischer Lebensweg eines Ordensmann liest, sei aber von Glaubenszweifeln begleitet gewesen, räumte Wolf einmal ein. So habe ihn die Frage "Was will Gott mit mir?" über das Noviziat hinaus bedrängt. Lange habe es gedauert, bis er begriffen habe, dass der Wille Gottes nicht dessen Willkür sei, so der Benediktiner. Gott wolle vielmehr das Beste für jeden Menschen. Für Wolf sah dies so aus, dass er 1977 Erzabt von Sankt Ottilien und zugleich Abtpräses der Missionsbenediktiner wurde. Als ihn die Mitbrüder 1996 aufforderten, als Abtpräses zu kandidieren, lehnte er ab. Vier Jahre später kam er nicht mehr davon. Mit großer Mehrheit sprachen ihm die Delegierten ihr Vertrauen aus, 2008 wurde er wiedergewählt. Mit Deep Purple auf der BühneZu seinem Job als Chef von rund 23.000 Benediktinern und Benediktinerinnen gehört, dass Wolf jährlich rund 300.000 Flugkilometer zurücklegt. Auch vor Ländern wie Nordkorea und China macht er nicht Halt. Bei der Lufthansa ist der Weltgewandte längst bekannt, Stewardessen reisten ihm zu Konzerten nach. Denn der Abtprimas greift auch gern zu Querflöte und Rockgitarre, bevorzugt mit einer Band des Gymnasiums von Sankt Ottilien. 2003 erschien die CD "Rock my soul". Seither tritt Wolf immer mal wieder mit den Jungs von "Feed back" auf, zuletzt beim Ökumenischen Kirchentag in München. 2008 erlebte der Musiker Wolf das Highlight seiner Karriere. In Benediktbeuern spielten die kultigen Hardrocker von Deep Purple ihren Megahit "Smoke on the water" mit dem Abtprimas an der Gitarre. Dass mit manchen Songs auch ein Protest gegen das Establishment verbunden ist, dafür hat Wolf Verständnis. Hat er doch selbst mit seinen Büchern für Aufregung gesorgt. Vor allem seine 2006 erschienenen "Ketzerischen Gedanken zu Deutschland" machten in Presse, Funk und Fernsehen Schlagzeilen. Darin rügte er das weit verbreitete Sicherheitsdenken und forderte die Deutschen zu mehr Optimismus auf. Der dürfte in Zeiten von Wirtschaftskrisen und großen Sparpaketen erneut angebracht sein. Wolfs ökonomische Ansichten trugen ihm den Beifall der Liberalen ein. Politisch hält es der Ordensmann aber eher mit der Union. Als sich dort zur Jahreswende die Katholiken in einem eigenen Arbeitskreis formierten, war der Benediktiner gleich mit von der Partie.

Barbara Just

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