09.06.2010

Ein Artikel der katholischen Nachrichtenagentur

Kölner "domradio" ist seit zehn Jahren auf Sendung

Köln (KNA) Ein Anfang mit Alarm: Als Kardinal Joachim Meisner das Kölner "domradio" an Pfingsten 2000 einweiht, sorgt er erst einmal für großes Erschrecken. Wegen der sensiblen Technik verzichtet der Erzbischof auf Weihwasser, spart dafür aber nicht mit Weihrauch. Niemand denkt an die Rauchmelder, die plötzlich losschrillen. Der erste Bistumssender geht trotz des ungewollten Tamtams auf Sendung. Am Freitag wird das Kirchenradio zehn Jahre alt.

Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen blickt mit einem gewissen Stolz auf die noch relativ junge Geschichte seines Senders: Inzwischen sei es gelungen, die Marke «domradio» zu etablieren. Neben vielen journalistischen Beiträgen zu Themen aus Kirche und Gesellschaft bietet die rund um die Uhr sendende katholische Welle eine Reihe liturgischer Angebote: zu jeder vollen Stunde ein biblisches oder literarisches Wort, Laudes und Komplet an jedem Morgen und Abend oder live Gottesdienste aus dem Dom und anderen Kirchen des Erzbistums. Dabei täuscht der Name «domradio». Denn neben dem klassischen Radio-Programm mit Interviews und Musik sucht sich der Sender über einen breit ausgebauten Internet-Auftritt sein Publikum - und das nicht nur mit Hörfunkstücken, sondern auch mit anderen medialen Formen wie nachlesbaren Nachrichten und Berichten, Kurzvideos zu aktuellen Ereignissen oder Predigt-Mitschnitten. Rund 1.000 Mal wird da ein Kanzelwort des Kardinals nochmals angeklickt, das zunächst noch mit den Dom-Überwachungskameras eingefangen wurde und inzwischen mit hochwertiger Technik aufgenommen wird. Insgesamt registriert Brüggenjürgen Monat für Monat rund 140.000 Besucher auf «www.domradio.de», 100.000 mehr als vor sechs Jahren. Dabei kommt ihm und seiner Redaktion mit sieben Redakteuren und rund 25 freien Mitarbeitern zugute, dass die Internet-Verbreitung an keine Grenzen gebunden und weltweit verfügbar ist. Dagegen hat es das klassische Hörfunk-Geschäft des Senders viel schwerer. Nur in Köln, im benachbarten Kreis Pulheim sowie in Fulda und einem Nahe-Ort gibt es die begehrte und allgemein akzeptierte UKW-Frequenz. Zudem lässt sich das «domradio» über Kabel in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie per Satellit europaweit empfangen. Aktuelle Daten über die Hörerzahl gibt es nicht. Eine Allensbach-Umfrage im Frühjahr 2004 ermittelte rund 90.000 Hörer. Brüggenjürgen geht aber von inzwischen wesentlich mehr Radionutzern aus. Nicht nur mit Blick auf die große Empfangsweite, sondern auch angesichts der wachsenden Bedeutung des Online-Konsums gerade der jungen Generation setzt Brüggenjürgen besonders auf das Internet und die damit verbundenen Auswahlmöglichkeiten. So entscheidet sich der eine lieber für das Taize-Gebet, die andere für die Klassik-Tipps von Dompropst Norbert Feldhoff, wieder ein anderer für das «Wort zum Samstag» von Büttenclown und Diakon Willibert Pauels oder für Hintergrundinfos über den Missbrauchsskandal. Das Angebot ist dem Erzbistum Köln einiges wert: Rund zwei Millionen Euro investiert es jährlich in das «domradio». Auch angesichts der Kosten sucht Brüggenjürgen Partner. Mit der Diözese Fulda und Teilen des Bistums Trier gibt es bereits eine Kooperation. Der Chefredakteur kann sich aber auch ein bundesweites Kirchenradio vorstellen - mit «domradio»-Mantelprogramm und Bistums-Programmfenstern. Medienpolitisch ist das Kirchenradio nicht unumstritten. Experten befürchten, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre religiösen Formate mit Hinweis auf den hausgemachten Kirchen-Rundfunk einschränken. Brüggenjürgen hält dies für unbegründet: Nur weil es einen Wetterkanal gebe, verzichteten ARD und ZDF auch nicht auf die Wettervorhersage. Die Kirche habe bei den Öffentlich-rechtlichen nach wie vor einen starken Platz. Und zu deren Redakteuren gebe es nach anfänglichen Berührungsängsten inzwischen längst - wie der Austausch von O-Tönen zeige - ein kollegiales Miteinander.

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