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Evangelium

Gary Lukas Albrecht Sonntag,
12. Februar
Mk 1,40-45

Gary Lukas Albrecht


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27.1.2010

Kardinal Meisner gibt Karnevalisten seinen Segen

Nicht jeder kann der „Decke Pitter“ sein

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Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit Hunderten von Karnevalisten der Stadt einen Gottesdienst im Dom gefeiert. Die Jecken starteten damit in die heiße Phase der fünften Jahreszeit. An dem Pontifikalamt am Vorabend der Prinzenproklamation nahmen das designierte Dreigestirn, das Kinderdreigestirn und zahlreiche Mitglieder der Festkomitee-Gesellschaften teil.

In seiner Predigt verglich Meisner die Vielfalt der Karnevalsgesellschaften in Köln mit dem Geläut des Doms. „Gott sei Dank haben wir nicht nur eine einzige Karnevalsgesellschaft, sondern ganz viele, die unterschiedliche Farben, unterschiedliche Uniformen und Gebräuche haben“, so der Kardinal. Keine solle sich über die andere erheben. Aber wenn eine ausfalle, dann fehle etwas an der Harmonie.

Nicht alle könnten der „Decke Pitter“, die Pretiosa oder die Speciosa sein, so Meisner in Anspielung auf die berühmtesten Glocken des Doms. „Die Schönheit und Harmonie kommt erst dadurch zustande, dass jede Glocke das ist, was sie ist und die Töne hergibt, die ihr eingegossen sind.“ So sei das auch mit der Schönheit und Faszination des Kölner Karnevals. Nachdem Meisner den Jecken eine gute Session gewünscht hatte, erklangen für drei Minuten die Glocken des Doms.

Eine gelebte Verbindung - Karneval und Kirche
„Karneval oder Kirche?“ - für die Domstadt Köln ist diese Fragestellung undenkbar. So lange der Dom steht, wird Karneval gefeiert und so lange es Karnevalisten gibt, werden sie dem Dom die Ehre erweisen. Zunächst ist sicher, dass nicht die Karnevalisten die Dauer einer jeden Session bestimmen. Das jecke Ende leitet sich aus der Lage des christlichen Festes Ostern ab. Einen ersten Vorgeschmack auf die Session gibt es schon im Herbst - dann kalendarisch festgelegt auf den 11. im 11. - also den 11. November. Für die Verantwortlichen im Kölner Karneval - ganz konkret der Vorstand des Festkomitees - und das designierte Kölner Dreigestirn wird es an diesem lebhaften Tag zunächst still. Denn die „Karnevalsoffiziellen“ besuchen morgens erst den Dom, besinnen sich einen Moment, kommen kurz zur Ruhe und erleben, wie klein doch der einzelne Mensch in diesem großartigen, mächtigen Gebäude erscheint. Wenige Stunden später werden diese Personen von den Medien begleitet, auf den karnevalistischen Bühnen begrüßt und gefeiert. Dies ist der Vorgeschmack auf das, was in der Session folgen wird.

Am Vorabend der Proklamation des Kölner Dreigestirns wird ein Gottesdienst im Hohen Dom zu Köln gefeiert. Dieser Gottesdienst, ein Pontifikalamt, wird durch den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zelebriert. Die Verbundenheit zwischen Karneval und Kirche zeigt sich außerdem in nahezu jeder der einzelnen Karnevalsgesellschaften:Kaum eines der bekannten Traditionskorps verzichtet auf eigene Gottesdienste, die entweder zum Gedenken der Verstorbenen oder zum Auftakt der Session abgehalten werden. Zudem gibt es viele Karnevalsgesellschaften, die auf einen Geistlichen in den eigenen Reihen nicht verzichten wollen. Diese Geistlichen tragen innerhalb der Gesellschaften ganz unterschiedliche Bezeichnungen und gestalten eigene Gottesdienste mit den Karnevalisten.

Pfarrsitzungen und Domsitzung
Zahlreiche Künstler im Karneval haben erste Erfahrungen in Pfarrsälen und bei sogenannten „Pfarrsitzungen“ gesammelt. Weit mehr als 100 Pfarrsitzungen zählt man in Köln und sicher eben so viele Gottesdienste, die den karnevalistischen Bezug herstellen. So mancher Priester predigt in der Session mit Pappnase - wer kann, auch in der „kölschen Sprooch“. Denn diese Sprache ist tief aus dem Herzen der Kölner gewachsen und somit gehen solche Botschaften besonders unter die Haut und ans rheinische
Herz. In die karnevalistische „Mess op Kölsch“ geht der Jeck sogar bunt kostümiert. So gekleidet besucht er natürlich auch die so genannte Domsitzung, eine Karnevalsveranstaltung, bei der sich viele Geistliche und Verantwortliche der Kirche treffen und die kulturellen Werte des Karnevals pflegen.

Als traditionsreicher Termin des Kölner Dreigestirns gilt mittlerweile der Besuch beim Erzbischof. Zahlreiche Benefizveranstaltungen, die durch das Festkomitee und das Kölner Dreigestirn unterstützt werden, gibt es in Köln. Bei einem dieser Termine lässt es sich Erzbischof Joachim Kardinal Meisner nicht nehmen, in Begleitung von Oberbürgermeister und Festkomitee-Präsident als Schirmherren, mit dem Klingelbeutel für eine gute Sache durch die Besucherreihen zu gehen. Dass vergleichbares Engagement auch in der Evangelischen Kirche zu finden ist, versteht sich von selbst. Auch der
Besuch des Kölner Dreigestirns beim Stadtsuperintendenten gehört zu den beliebten Terminen eines jeden Trifoliums. Die karnevalistischen Traditionen um die „Schwarze Muttergottes“ in der Kirche St. Maria in der Kupfergasse reichen weit zurück. Traditionen werden auch hier gelebt, wenn das Kölner Dreigestirn an einem genau festgelegten Tag eine Kerze aufstellt, um damit Gottes Segen für den Rosenmontagszug zu erbitten.

Karneval oder Kirche?
Sicher wirkt der Bezug zwischen Karneval und Kirche für Fremde ungewöhnlich und eigenartig. Genau deshalb ist er ein Teil der Kölner Identität und darum gilt es, dies zu pflegen und zu würdigen. Sicher wird der Karnevalist, der die „Mess op Kölsch“ besucht, auch beim „Äschekrütz“ nicht fehlen. Denn der Jeck weiß: Erst die Fastenzeit gibt dem nächsten Freudenfest im Jahr wieder einen glanzvollen Stellenwert: Ostern. Der Kölner besingt auch dies wieder mit „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“. Schließen wir mit dem Beginn - Karneval oder Kirche? Der Kölner muss sich nicht entscheiden. Gott sei Dank - wem auch sonst?!

Autor: Bernd Höft, Mitglied des Vorstandes des Festkomitees Kölner Karneval von 1823

(dr,kna)

Audio Beitrag
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  • Predigt Kardinal Meisner an die Karnevalisten
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  • Broschüre mit Ablauf, Grußworten und weiteren Informationen zum Karnevalisten-Gottesdienst
  • Studie der Boston Consulting Group zur Bedeutung des Kölner Karnevals
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