3.12.2010
Mt 9,27-31 mit Auslegung mit Pfarrer Norbert Fink
Freitag, 03. Dezember 2010
domradio.de: Pater Fink, Jesus heilt hier zwei Blinde und bittet sie, es niemandem weiterzuerzählen und die haben nichts besser vor, als loszugehen und es allen zu erzählen. Wovor hat Jesus denn Angst, dass er verbietet seine Wunder weiterzuerzählen?
Norbert Fink: Ich glaube, wir Menschen handeln ja oft gern nach dem Motto: Tue Gutes und dann sprich unbedingt darüber. Aber Jesus eben nicht. Jesus befürchtet zwei Umstände: Zum einen befürchtet er, die Wundersucht der Menschen zu verstärken. Denn die Heilung der zwei Blinden im heutigen Evangelium ist nur eine von insgesamt zehn Heilungsgeschichten im achten und neunten Kapitel von Matthäus. Und Jesus wollte nicht, dass die Wundergeschichten sich herumsprechen, denn er wollte nicht das Lob der Menge und auch nicht einen Glauben, der sich nur an Zeichen und Wunder hängt und dadurch eben nicht echt ist, weil ihm Vertrauen fehlt. Jesus sagt ja auch einmal: Selig, die nicht sehen und doch glauben. Und darum verbot er den Geheilten das weiterzusagen. Und weil er wusste, wenn ein Blinder geheilt wird, der wahrscheinlich vorher Bettler war und viele Menschen gekannt hat, dann wird sich das sehr, sehr stark herumsprechen. Deshalb verbietet er das. Und zum zweiten weiß Jesus ganz genau: Niemand ist von der Wahrheit schwerer zu überzeugen als die offiziellen Vertreter der Wahrheit, nämlich die Pharisäer, die nur nach Beweisen suchen, dass Jesus ein Scharlatan ist, dass er mit dem Teufel im Bund ist. Er behauptet ja, der Sohn Davids zu sein, und auf einmal vollführt er solche Dinge, also kann es bei ihm nicht mit rechten Dingen zugehen. Und dann suchen sie Gründe dafür, ihn frühzeitig zu beseitigen, bevor er seine Mission erledigen kann.
domradio.de: Interessant ist ja auch die Art, wie Jesus die Blinden geheilt hat, es heißt: Darauf berührte er ihre Augen. Berühren hilft also beim Heilen?
Fink: Das glaube ich schon. Nur zur Berührung müssen noch zwei Dinge hinzukommen: Zum einen der Glaube, deshalb fragt Jesus: Glaubt Ihr, dass ich Euch helfen kann? Und dazu muss die Zustimmung, der freie Wille kommen. Und die Blinden sagen: Ja, wir möchten geheilt werden. Denn leibliche Heilung ist ja nicht alles, denn wenn die beiden Blinden nicht mehr blind sind und auf einmal sehen können, dann müssen sie ja auch zusehen, wie sie dann ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie können dann ja nicht mehr betteln wie vorher und sie haben auch nicht mehr das Mitleid der Menschen, denn jetzt sind sie gleich wie alle anderen. Deshalb muss man sich gut überlegen, ob man auch die Konsequenzen einer Heilung haben will, wenn sich auf einmal das Leben und die Rolle im Leben verändert. Aber ich glaube auch, dass gerade für die beiden Blinden die Berührung ihrer Augen durch Jesus wichtig war, denn Blinde leben ja von Berührungen, Blinde leben vom Ertasten. Und damit greift Jesus auf, was den beiden wichtig ist, was ihr Leben ausmacht. Berührung ist grundsätzlich wichtig, wenn man heilend wirken will. Das erfahren wir ja schon, wenn wir eine freundschaftliche Umarmung empfangen, da bekommt man ein Gefühl der Geborgenheit. Oder wenn Menschen uns segnend die Hände auf den Kopf auflegen als Zeichen des Schutzes. Also: Berührung zur Heilung ist schon sehr wichtig, weil da die Nähe Gottes immer ganz besonders spürbar ist.
domradio.de: Was nehmen Sie denn persönlich aus dem heutigen Evangeliumstext als Impuls mit in den Tag?
Fink: Auf den Punkt gebracht heißt das ja: Jesus öffnet Menschen die Augen. Er schenkt ihnen Augenlicht, damit sie sehen. Und wer sich Jesu anvertraut, der bleibt niemals im Dunkeln, dann gibt es immer ein Licht. Wer sich Jesu anvertraut, der bleibt niemals im Dunkeln.