2.12.2010
Mt 7,21.24-27 mit Auslegung mit Pfarrer Norbert Fink
Donnerstag, 02. Dezember 2010
domradio.de: Herr Fink, wie kommt es, dass Jesus im Gegensatz zu gestern diesmal wieder so knallhart ist?
Norbert Fink: Gestern ging es ja um das Thema Heilung und Stärkung. Und das will er Grunde jetzt auch. Er ist schon knallhart in seiner Wortwahl: Nicht jeder kommt in das Himmelreich, sondern der, der den Willen meines Vaters tut. Ich glaube, er sagt das, weil wir Menschen ihm wichtig sind und weil er uns davor warnen will, falsche Entscheidungen im Leben zu treffen. Und er mahnt, klug zu sein. Das ist für uns Menschen oft nicht einfach, denn es geht da im Allgemeinen entweder oder-oder, es geht darum sich zu entscheiden, aber das haben wir oft nicht gern, weil wir uns ein Hintertürchen offenhalten wollen, dazu habe ich jetzt Lust und dazu nicht. Aber im Glauben geht es darum, eine Entscheidung zu treffen, eine Wahl zu treffen. Zugespitzt gesagt: Eine Wahl zu treffen zwischen Leben und Tod. Also mit den Worten Jesu gesprochen: In den Himmel zu wollen oder auch nicht zu wollen. Also eine Wahl zu treffen hier auf Erden, mein Leben auf ein felsenfestes Fundament zu bauen oder etwas anderes wie Sand.
domradio.de: Leben oder Tod, da würde ja die Entscheidung relativ einfach fallen: Jeder würde Leben sagen. Aber so einfach ist es ja nicht.
Fink: Ganz genau: Denn was bedeutet das dann? Das hat ja Konsequenzen für mein Leben, wenn ich wirklich das Leben wählen will, dann muss ich auch alles dafür tun, was das Leben fördert und eben nicht zerstört. Und da sagt Jesus eben: Du kannst Dein Leben auf Fels bauen oder auf Sand. Und der Fels steht ja symbolisch für Gott selbst, wie es bei Jesaja heißt: Verlasst Euch stets auf den Herrn, denn der Herr ist der ewige Fels. Oder man kann sein Leben auf Sand bauen, was für Unbeständigkeit und Vergänglichkeit steht, wie bei der Sanduhr, die langsam ausläuft.
domradio.de: Was würde das dann bedeuten, nicht nach den Worten Jesu zu handeln?
Fink: Nicht nach den Worten Jesu zu handeln das heißt, so zu leben, als ob ich noch nie gehört hätte, dass es Gott gibt und was er von uns Menschen will. Also wer nicht nach den Worten Jesu handelt, ist der, der sich im Grunde jeden Tag fragt, wie kann ich meinen Nächsten heute am besten ärgern oder ihm Schaden zufügen, anstatt ihm zu dienen und ihn zu lieben. Der Evangeliumstext von heute ist ja der Abschluss der berühmten Bergpredigt, in der Jesus Menschen selig preist, die reinen Herzens sind, die verzeihen können, die Frieden stiften. Und da wird deutlich: Wer nicht nach Jesu Worten handelt, wer z.B. anderen Menschen Gewalt antut, ob seelisch oder körperlich, wer nicht aufrichtig ist, wer Rache übt, anstatt zu verzeihen, wer nicht bereit ist, jeden zu lieben und immer zu lieben, wer nicht mit dem anderen teilen kann, wer das Geld zu seinem Gott macht, wer selbstgerecht ist, der handelt nicht nach den Worten Jesu. Und beiden macht Jesus deutlich: Es kommt immer wieder auf das Tun an. Also wer das Wort Jesu in die Tat umsetzt, der ist klug, wer es nur hört und nicht tut, der ist dumm. Wie schon Forrest Gump gesagt hat: Dumm ist der, der Dummes tut. Deshalb: Hören, aber nicht handeln bedeutet im Grunde: Wer als Mensch sagt: Ich bin gläubig, wer die Hände zum Gebet faltet, der darf sie nicht anschließend in den Schoß legen und nichts tun. Wer die Hände zum Gebet faltet, der muss sie anschließend zu einer Umarmung öffnen können.
domradio.de: Woran erkennen wir denn den Willen des Vaters?
Fink: Der Wille des Vaters - das wird auch in der Bergpredigt deutlich - ist zum einen unsere Heiligung und zum anderen ganz einfach gesagt, dass wir lieben können und dass wir geliebt werden. Das ist der Wille des Vaters für uns. Und ob das wirklich geschieht, erkennt man an den Früchten in unserem Leben, ob wirklich Friede und Freude zu sehen ist, ob Gerechtigkeit herrscht oder ob wir uns darum bemühen.