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31.12.2010

Mt 15,29-37 mit Auslegung mit Pfarrer Norbert Fink

Mittwoch, 01. Dezember 2010

In jener Zeit kam Jesus an den See von Galiläa. Er stieg auf einen Berg und setzte sich. Da kamen viele Menschen und brachten Lahme, Krüppel, Blinde, Stumme und viele andere Kranke zu ihm; sie legten sie vor ihn hin, und er heilte sie. Als die Menschen sahen, dass Stumme plötzlich redeten, Krüppel gesund wurden, Lahme gehen und Blinde sehen konnten, waren sie erstaunt und priesen den Gott Israels. Jesus rief seine Jünger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sonst brechen sie unterwegs zusammen. Da sagten die Jünger zu ihm: Wo sollen wir in dieser unbewohnten Gegend so viel Brot hernehmen, um so viele Menschen satt zu machen? Jesus sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben, und noch ein paar Fische. Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Und er nahm die sieben Brote und die Fische, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie den Jüngern, und die Jünger verteilten sie an die Leute. Und alle aßen und wurden satt. Dann sammelte man die übrig gebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll.

domradio.de: Herr Fink, mir ist das gerade beim Zuhören noch einmal klar geworden: Das ist ja ein Text, der deswegen begeistert, weil zwei große Wunder passieren. Wobei die ersten fast ein bisschen untergehen. Lahme können gehen, Blinde können sehen - das sind ja Wahnsinnsdinge, die da passieren, und dann kommt noch das Wunder der Brotvermehrung dazu. Was haben diese beiden Wundergeschehen miteinander zu tun?
Norbert Fink: Ich glaube, das eine gibt es nicht ohne das andere, deshalb steht das zusammen. Die zwei Wunder, einerseits die Heilungen und dann die wundersame Speisung von wahrscheinlich über 4.000 Menschen, die gehören zusammen, weil Jesus damit ein Zeichen setzen will. Jesus ist nicht der große Zampano, der große Zauberer, der die Menschen zum Erstaunen bringt, sondern er setzt bewusst mit den beiden Wundern ein Zeichen für das Gottesreich, also was passiert, wenn Gott wirklich die Herrschaft hat. Was auch passiert, was der Prophet Jesiah auch prophezeit hat, und im Advent hören wir auch davon: Wenn der Messias kommt, dann werden Lahme gehen, dann werden Aussätzige rein und Stumme sprechen wieder. Und Jesus setzt damit im Grunde ein Zeichen für das messianische Mahl, also ein Vorausblick auf den Himmel, wo es keine Krankheiten, keinen Schmerz und keine Not mehr gibt. Und er setzt für mich auch einen Vorausblick auf die Heilige Messe, also bei der sich auch alle möglichen Menschen, Kranke wie Gesunde, versammeln und der Priester wie Jesus im heutigen Evangelium auch Brot nimmt, ein Dankgebet spricht und es an die, die disponiert sind, austeilt und eben zur Stärkung austeilt. Und das gehört zusammen: Heilung und Stärkung, denn was bringt es, wenn ein Lahmer wieder gehen kann, aber man gibt ihm nichts zu essen und er verhungert ein paar Tage später. Also beides gehört zusammen: Heilung, aber eben auch Nachhaltigkeit und Stärkung.

domradio.de: Eigentlich immer wieder verwunderlich, wenn man solche Texte liest - und wie Sie das jetzt auch beschreiben -, dass Jesus trotz dieser Dinge so auf Ablehnung stößt und letztlich ja scheitert.
Fink: Wohl wahr: Menschen können Wunder oftmals nicht annehmen oder versuchen, es sich anders zu erklären. Die menschliche Schwäche spielt da auch mit rein: Ob das nun Neid ist oder Machtstreben, Macht, die man selbst nicht hat, aber der andere. Das kann sehr kompliziert sein.

domradio.de: Sie sind 35 Jahre alt. Geschehen - aus Ihrer eigenen Erfahrung heraus - heute noch Wunder?
Fink: Davon bin ich überzeugt! Ich habe gerade hier auf meinem Tisch meinen Adventskalender mit einem Spruch, der ganz gut passt: Es gibt kein Wunder für den, der sich nicht wundern kann. Also es gibt Menschen, die nicht versuchen immer alles zu erklären, sondern die noch staunen können. Ich habe einmal ein Kind in einem Gottesdienst gefragt: Was ist für Dich ein Wunder? Und der Kleine hat geantwortet: Ein Wunder ist für mich, wenn mein Papa sonntags mit in die Messe kommt. Was ich damit sagen will: Was für die einen total normal oder selbstverständlich ist, ist für die anderen etwas ganz Besonderes, ist eben ein Wunder, ein Geschenk. Das ist verschieden je nach Perspektive. In der Alltagssprache haben wir das ja auch, dass wir vom Wunder der Geburt sprechen oder vom Wirtschaftswunder oder einige vom Wunder von Bern, wie auch immer. Aber ich glaube an Wunder, weil ich Wunder auch schon selbst gesehen habe. Gerade als Priester durfte ich viel davon mitbekommen, weil ich wirklich körperliche Heilungen gesehen habe oder das Wunder, das bei der Beichte geschieht, wenn Menschen die Versöhnung empfangen oder auch ihr Herz öffnen, damit sie sich mit anderen versöhnen können, da geschehen oftmals wirklich erstaunliche Dinge, gerade wenn es um das Thema Versöhnung und Vergebung geht und jemand sein Herz dafür öffnet.

domradio.de: Sie haben die Frage jetzt im Grunde schon angedeutet: Hat die Kirche heute noch Kraft zum Wunderwirken? Da würden Sie wahrscheinlich deutlich mit JA beantworten?
Fink: Ich hoffe Ja, immer wieder. In der Apostelgeschichte gibt es Wunder ohne Ende und die Wunder begleiten das Wirken der Apostel bzw. sie zeigen: Ja, das was Ihr tut, ist richtig und Gott zeigt das mit diesen Wundern, dass er mit den Aposteln ist, die ausgesandt sind. Und die Kirche hat die Sakramente und das ist die Kraft, um Wunder zu bewirken bzw. heilend beim Menschen zu wirken, auch noch heute.

domradio.de: Dann können wir doch eigentlich an diesem ersten Dezember, an dem viele, viele hoffentlich auch sinnvolle Adventkalender geöffnet werden, hoffen, dass man auch bei denen manchmal wieder die Fähigkeit entwickelt, sich zu wundern. Das wäre doch gar nicht schlecht.
Fink: Ja, es gibt viele Zeichen, man muss sie nur sehen. Oder wie Katja Ebstein gesungen hat: Wunder gibt es immer wieder. Man muss sie nur sehen.

Audio Beitrag
  • Mt 15,29-37 (1.12.2010)
  • Mt 15,29-37 - Auslegung des Evangeliums mit Pfarrer Norbert Fink (1.12.2010)
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