30.11.2010
Mt 4,18-22 mit Auslegung mit Pfarrer Norbert Fink
Dienstag, 30. November 2010
domradio.de: Herr Fink, Jesus läuft in diesem Text also am See von Galiläa entlang und bittet zwei Fischer ihm zu folgen. Er will sie zu „Menschenfischern“ machen. Da bin ich etwas ins Stocken geraten, denn ein Fischer, der einen Fisch aus dem Wasser holt, der tut ihm ja eigentlich nichts Gutes. Wie können wir also dieses Bild verstehen?
Norbert Fink: Ich hatte früher auch meine Schwierigkeiten mit dem Begriff Menschenfischer, weil ich damit verbunden habe, wie früher Sklaven in Netzen gefangen gehalten wurden. Oder ich habe an Filme gedacht wie „Wie angelt man sich einen Millionär“ mit Marilyn Monroe. Aber Jesus sagt ja nicht, Ihr werdet jetzt Fischefischer, sondern er sagt: Ihr werdet Menschenfischer. Und das bedeutet doch: Wenn man Menschen aus dem Wasser holt, dann tut man ihnen Gutes, wenn sie gerade ertrinken, wenn sie nicht weiterkommen. Man rettet sozusagen ihr Leben, das ist als ein anderes Wort für Menschenretter. Übertragen bedeutet es: Gewinnt Menschen für mich.
domradio.de: Im Text heißt es, dass die beiden Fischer direkt mitgehen, Jakobus und sein Bruder Johannes gehen am Ende des Textes mit. Was sagt das über seine Anziehungskraft aus? Oder geht es in diesem Fall um Berufung?
Fink: Wir sprechen schon klassisch von Berufung, wenn Jesus sagt: Kommt und folgt mir nach. Es geht also ein Ruf an diese beiden Menschen bzw. an die vier in diesem Evangelium, und sie gehen dann sofort mit Jesus. Jesus muss schon eine ungeheure Ausstrahlungskraft gehabt haben, wobei man davon ausgeht, dass die Jünger Jesus nicht zum ersten Mal gesehen haben und ihm einfach folgten. Sie kannten Jesus wahrscheinlich schon, weil sie Johannes, dem Täufer, gefolgt waren und Jesus entweder schon gesehen oder von ihm gehört hatten, so dass bereits ein Grundvertrauen in Jesus bestand. Deshalb sind sie bereit ihm zu folgen und den Ruf zu beantworten.
domradio.de: Was Jesus da macht und was im Text nur relativ kurz angesprochen wird, ist die Urform der heutigen Mission. Was bedeutet denn Mission in unserer heutigen Gesellschaft, in der ja nicht nur Katholiken und Protestanten leben, sondern auch Muslime, Juden, Buddhisten, um nur ein paar zu nennen?
Fink: Mission heißt niemals Zwangsbekehrung zum eigenen Glauben, sondern für mich heißt das immer: Glaubenszeugnis durch das Lebenszeugnis abzulegen. Missio kommt ja von „gesandt sein“ und das ist ja ein Ruf, der bei der Taufe an uns alle ergangen ist, nämlich in dieser Welt heilend zu wirken. Wir haben den Auftrag bekommen, Licht in der Welt zu sein, die Freude, die Wahrheit, die Liebe, die Güte in dieser Welt zu leben, in der Hoffnung, dass es auch andere ansteckt. Aber bevor man andere zwangsbekehrt, was man niemals darf, gilt es, den eigenen Glauben zu leben, in der Hoffnung, dass er auch andere ansteckt.
domradio.de: Was können wir aus diesem Text in den Tag mitnehmen?
Fink: Dass man sich immer wieder fragen sollte: Wozu ruft mich Gott? Und zwar nicht nur im Allgemeinen für mein Leben, sondern auch gerade heute: Was ist meine Mission, was ist mein Auftrag für den heutigen Tag? Und sich diese Frage in der Gewissheit zu stellen, dass Gott, wenn er mir einen Auftrag anvertraut, er mir nicht mehr auflastet, als ich tragen kann, dass er bei mir ist und mir Kraft gibt.