29.11.2010
Mt 8,5-11 mit Auslegung mit Pfarrer Norbert Fink
Montag, 29. November 2010
domradio.de: Herr Fink, es heißt hier: Jesus war regelrecht erstaunt über den Glauben des Hauptmanns. Was macht denn diesen Glauben aus?
Norbert Fink: Ich glaube, der Glaube, über den Jesus erstaunt ist, zeigt sich bei diesem römischen Offizier besonders in vier Punkten: Erstens vertraut dieser Offizier darauf, dass Jesus eine Vollmacht hat, dass das, was er sagt, dann auch geschieht. Der Offizier kennt das ja aus seiner Praxis: Wenn er sagt: Geh!, dann geht der Soldat, der unter ihm steht. Wenn er sagt: Komm!, dann kommt er. Und er glaubt, dass Jesus noch viel mehr Macht hat. Er hat schon von ihm gehört, dass er der Messias sei, aber er glaubt das auch. Und wenn Jesus sagt: Ich gehe dahin und werde Deinen Diener heilen, dann glaubt er daran. Er hat unglaubliches Vertrauen in die Vollmacht Jesu. Zweitens kann dieser Soldat Demut zeigen kann, was für den Glauben auch wichtig ist. Er sagt: Ich bin zwar hier der Befehlshaber - die Römer haben Israel ja besetzt -, aber er wendet sich mit einer Bitte an Jesus. Normalerweise haben die Römer den Juden etwas befohlen, aber er bittet Jesus. Weil er an dessen höhere Macht glaubt. Er zeigt Demut und unterstellt sich ihm. Drittens ist, dass sein Glaube sozial-ethische Grenzen überwindet: Er weiß ganz genau, wenn er Jesus in sein Haus bittet, ist das eigentlich eine unerhörte Bitte, weil Jesus sich damit unrein machen würde. Er sagt aber, diese Grenzen sind ihm egal, weil er - vierter Punkt - Sorge um den Sklaven hat, was sehr ungewöhnlich ist, weil er gutes Herz hat und es ihm egal ist, was andere denken oder was die ethischen Grenzen sagen. Denn der Glaube überwindet all das, was vielleicht andere hemmt.
domradio.de: Jesus sagt ja: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Und dann der letzte Satz, welche Bedeutung hat der, besonders für das Land Israel?
Fink: Jesus sagt ja: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen. Das ist eine bittere Aussage, denn Israel galt ja immer als das auserwählte Volk, an dem sich umliegenden Völker ein Beispiel nehmen sollten, um zum Glauben an den einen Gott zu kommen. Und jetzt sagt Jesus: Es funktioniert nicht. Ganz im Gegenteil: Eure Feinde aus dem Osten und Westen, also die Syrer und die Römer, die die Euch belagern, die sind Eurem Gott näher als Ihr selbst oder werden es sein, weil Ihr das, was ich tue und wer ich bin, nicht annehmt. Im Grunde etwas sehr Bitteres, was er da sagt: Diese Trennlinie zwischen denen, die Gott nahe sind, und denen, die Gott fern sind, die ist nicht zwischen Juden und Heiden, sondern die verläuft mitten im menschlichen Herzen, nämlich zwischen denen, die glauben, und denen, die nicht glauben können.
domradio.de: Der Hauptmann sagt ja: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. In einer etwas anderen Form sprechen wir den Satz in der Heiligen Messe kurz vor der Kommunion. Was hat der Satz denn für uns für eine Bedeutung? Was müssen wir uns bewusst machen, wenn wir diesen Satz in der Messe sprechen?
Fink: Das sind ganz große Worte der Ehrfurcht vor Gott, aber auch des Vertrauens, dass Gott mir helfen kann. Wir sprechen ja: Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Aber im Grunde müsste man das anders übersetzen, und in vielen Sprachen ist es auch so. Nämlich: Herr, ich bin nicht würdig, Dich zu empfangen, also dass Du zu mir kommt, aber sprich nur ein Wort, so werde ich gesund. Also nicht nur meine Seele, sondern mein Körper, mein Geist und meine Seele. Ich als Mensch. Der Sinn ist sicherlich derselbe, aber hier erscheint die Beziehung zur Eucharistie noch viel deutlicher. Ich sage damit ja: Herr, ich möchte Dich jetzt empfangen, schenk’ mir Deine Nähe, sei bei mir. Nimm mich, wie ich gerade bin, vielleicht unwürdig, vielleicht auch krank. Aber wenn Du bzw. der Priester zu mir sagt: Kostet und sehet, wie gut der Herr ist, dann glaube ich, dass Du mich gesund machen kannst, dass Du mir nahe sein willst. Wenn Du ein Wort sprichst, dann hab ich keine Angst mehr, dann blicke ich zuversichtlich in die Zukunft, dann weiß ich: Du bist da. Das ist so ähnlich, wie wenn wir krank sind, dann empfangen wir ein Medikament, weil der Arzt sagt, das ist gut für uns. Und dann nehmen wir es ein und glauben, wir werden dadurch gesund. So könnten wir auch die Eucharistie empfangen, von der Jesus sagt, sie schenkt uns ewiges Leben, und darauf vertrauen, dass das wirklich stimmt. Die Hostie selbst ist zwar kein Medikament, aber der Glaube. Warum glaube ich einem Arzt, aber nicht Jesus, dass das wirkt, dass das sein Leib ist und dass sich die Liebe darin zeigt? Ich glaube, wenn man das tiefer verstehen würde, was Jesus da für uns tut, dass er sich für uns hingibt, dann würde die Eucharistie eine viel höhere Bedeutung für uns haben. Ich glaube, was Jesus fordert, ist eben Vertrauen und Hingabe, dass der Mensch darauf verzichtet, sich auf seine eigenen Gedanken und Kräfte zu verlassen, und sich dem Wort und der Macht Gottes anvertraut.