6.9.2010
Diakon in der Kölner Südstadt-Gemeinde St. Severin
Dr. Barthel Schröder
Geboren und aufgewachsen bin ich in Wipperfürth. Köln war die bewunderte Stadt meiner Kindheit und Jugend. Nach Abschluss des Studiums der Physik in Bonn, bei dem ich meine Frau Ulrike kennen lernte, haben wir ein Jahr in Rio de Janeiro gelebt. Mit uns trat unsere gerade geborene Tochter Esther diese Reise an. Sie wurde in Brasilien getauft. Sie ist heute Juristin, verheiratet und lebt in Bonn. Sie hat uns zu unserer großen Freude zu Großeltern ge-macht (Anna-Sophie und Anton).
In der Hoffnung, einmal nach Brasilien zurückkehren zu können, verließ ich die Forschung an der Universität und nahm eine Tätigkeit bei einem norddeutschen global tätigen Unternehmen der Automobil-Industrie an. Meine Arbeit führte uns, erweitert um unseren Sohn Dominique, drei Jahre nach Spanien und die letzten drei Jahre nach China. Brasilien hingegen blieb uns versagt. Unser Sohn Dominique promoviert gerade in Informatik in Darmstadt.
Während meiner Tätigkeit in Barcelona wurde mir sehr deutlich, dass für mich und mein Le-ben die Dimension der Spiritualität und des Glaubens eine immer größere Bedeutung gewann. Meine Arbeit als Manager in leitender Funktion gab alleine meinem Leben keinen Sinn mehr.
Aus diesem Grunde habe ich parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit die vierjährige Ausbil-dung zum Diakon in der Diözese Hildesheim durchlaufen und wurde am 25. August 2001 im Dom zu Hildesheim zum Diakon geweiht. Nach meiner Weihe habe ich im Rahmen meiner beschränkten zeitlichen Möglichkeiten bis zu unserer Umsiedlung nach Peking in der Ge-meinde Albertus Magnus zu Braunschweig als Diakon gearbeitet.
Während unseres Pekingaufenthaltes entschieden wir uns dazu, als zurückkehrende Rentner einen - hoffentlich - letzten Umzug in Deutschland zu wagen. Da für uns kein beruflicher Zwang mehr bestand, in Niedersachsen wohnen zu müssen, haben wir nur unser Herz spre-chen lassen und sind nach Köln gezogen. Und bisher haben wir es nicht eine Sekunde bereut.
Nach Beendigung meiner Berufstätigkeit kann ich mich nun endlich den Dingen widmen, die mir besonders am Herzen liegen: Da ist zum einen das Erlernen den hebräischen Sprache und das Studium und die Auslegung des Alten oder besser Ersten Testamentes. Zum anderen be-schäftige ich mich intensiv mit der Frage, ob die Sozialgesetzgebung, wie sie uns im Ersten Testament (Sabbat-Jahr, Schuldenerlass, Versorgung der Witwen und Waisen, Eigentum am Boden, Behandlung der Fremden, etc.) überliefert ist, Hinweise enthält dafür, wie eine Globa-lisierung in Gerechtigkeit gestaltet werden kann. Dass es mit der Globalisierung, wie sie heute durchgeführt wird, nicht auf Dauer so weitergehen kann, ist wohl unbestritten.
In der Gemeinde St. Severin arbeite ich als Diakon mit Zivilberuf. Ich habe sehr großes Glück gehabt, Mitglied eines hervorragenden Seelsorgeteams werden zu dürfen.
Bei allen Aktivitäten wird aber meine Familie im Vordergrund stehen, denn sie hat in den letzten 30 Jahren so gut wie nichts von mir gehabt. Das habe ich ihr versprochen, und daran werde ich mich auch halten.„