31.8.2010
Auslegung des Evangeliums mit Kaplan Michael Pahl
Lk 4,31-37
domradio.de: „Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern und sie fliegen“, so heißt es heute im Lukas Evangelium. Um diesen Text besser zu verstehen hilft uns heute Kaplan Michael Pahl. Das ist gleich zu beginn die Rede wie Jesus mit Göttlicher Vollmacht spricht. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Kaplan Michael Pahl: Ja, als Prediger, als Verkünder der Botschaft möchte ich das auch immer ganz gerne wissen, wie man mit Göttlicher Vollmacht redet. Ich glaube beim Nachdenken darüber habe ich mir Vorgestellt das Lukas hier hinweisen möchte, noch mal hinweisen möchte, das Jesus wirklich das Mensch gewordene Wort Gottes selbst ist, das er eben ganz eng verbunden ist mit Gott und mit seiner Kraft, mit seiner Vollmacht. Und vielleicht auch einen Hinweise geben möchte auf diese Verbundenheit des Fleisch gewordenen Wort Gottes mit dem heiligen Geist, und mit dieser Kraft des heiligen Geistes. Lukas ist ja einer der sowohl in seinem Evangelium als auch in der Apostelgeschichte die ihm zugeschrieben wird, das wirken des Geistes und dieses Machtvolle Göttliche Wirken ganz besonders entfaltet und vorstellt, ich glaube das soll auch hier im Hintergrund stehen.
domradio.de: Was ich mich gleich im Anschluss gefragt habe ist, warum macht es die Menschen so betroffen, so heisst es ja da?
Kaplan Michael Pahl: Ich glaube es trifft Sie ins Herz. Sie merken also hier das nicht nur Information am Werk ist, eine Sache die uns immer in der Predigt Ausbildung mitgegeben wurde: „Das Wort Gottes ist und soll nicht informativ sein“, also das wir etwas hören und denken, ja schön, aber das hat mit meinem Leben nichts zu tun! Sondern es soll und ist performativ, es soll unser Leben Verändern und uns eben betreffen im Herzen, im Innersten.
domradio.de: An anderer Stelle im Evangelium verteilt Jesus an seine Jünger Vollmachten, z.B. um unreine Geister auszutreiben. Haben wir als Christen auch solche Vollmachten?
Kaplan Michael Pahl: Wir haben sie ganz bestimmt, die Vollmacht und dieser Begriff Vollmacht kommt, so habe ich überlegt, am deutlichsten zum Ausdruck eigentlich in der alten Form der Priesterweihe, die also in der alten Liturgie üblich war, da wurde dem Priester die Vollmacht übertragen das Opfer dazubringen und die Sünden zu vergeben. Da wurde das so auch ausgesprochen. Von diesem Gedanken her, der da ja nicht abgeschafft ist, das Vollmacht übertragen wird in dem der heilige Geist mitgeteilt wird. Damit kann man auch sagen das mit der Geistgabe an uns getaufte und gefirmte Christen wir eben Vollmacht von Gott bekommen, um zu wirken in der Welt. Wie das im einzelnen Aussieht ist unterschiedlich, natürlich, je nach unserem Stand, unserer Lebensaufgabe, je nachdem wo Gott uns hinstellt in unserem Leben, aber es ist schon sicherlich da, diese würde des getauften und gefirmten und die daraus abgeleiteten Gaben, Vollmachten des heiligen Geistes.
domradio.de: Wie lernen wir damit umzugehen, sicherlich verantwortlich?
Kaplan Michael Pahl: Verantwortlich ja und ausgewogen, es ist immer ein Prozess des Hinhörens auf das was Gott von uns will. Ein gutes unterscheiden der Geister, also der schlechten und unserem Egoismus entspringenden Meinungen, und dem was wirklich von Gott kommt. Ich würde immer dazu einladen, und überprüf das möglichst auch bei mir selbst, auf die Menschen offen zuzugehen die einem begegnen und gut Nachzuspüren was dran ist für die, was die brauchen an klaren Worten vielleicht, an Korrekturen, aber auch an Bestätigung, Ermutigung. So kann man, glaub ich, dann auch wieder durch den heutigen Tag wieder gehen.