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328.8.2010

Auslegung des Evangeliums mit Pfarrer Klaus-Peter Weinhold

Mt 25,14-30

domradio.de: Und den richtigen Einsatz der Talente geht es im heutigen Gleichnis. Pfarrer Weinhold - ist das Ende dieses Textes tatsächlich, wie man meinen könnte, vielleicht auf den ersten Blick eine Aufforderung zum Raubtierkapitalismus?
Klaus-Peter Weinhold: Das ist natürlich auf den ersten Blick eine ganz harte Aussage darüber, wie es in dieser Welt zugeht. Es ist kein Heuschreckenkapitalismus, der hier verlangt oder gefordert wird. Es geht um die Erkenntnis, dass dieses Leben auch nicht immer fair ist, wie es Jesus in diesen Gleichnissen ja immer sehr realitätsbezogen sagt. Als ich dieses Gleichnis im Gefängnis mit einigen Gefangenen besprochen habe, haben die natürlich spontan gesagt: „Genau so ist es. Wer etwas hat, der bekommt noch etwas dazu, und wer nichts hat, dem wird noch alles genommen.“ Also, das Leben ist nicht fair. Aber gerade angesichts solcher zukunftsoffenen Unfairness, die wir erleben müssen, sollen wir trotzdem unsere Talente einsetzen. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wenn man vor Angst seine Talente in den Boden vergräbt, wenn man furchtsam ist, den Herrn, den Verwalter, fürchtet, dann macht man zu wenig aus seinem Leben. Deswegen geht es meiner Meinung nach in diesem Gleichnis hier, das ja nach dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen und vor dem Gleichnis des großen Weltgerichtes kommt, darum, dass wir das, was wir haben, was uns an Talenten, an Vermögen, gegeben ist, wirklich einsetzen. Jemand hat einmal sehr schön gesagt: „Tu was du kannst mit dem, was du hast, dort, wo du bist.“ Also eine aktuelle, situationsbezogene Aktivität. Das wäre es eigentlich, was man aus diesem Gleichnis unter anderem lernen könnte.

domradio.de: Sie haben es gerade angesprochen - das Gleichnis von den Jungfrauen, über das wir gestern gesprochen haben. In welchem Zusammenhang steht das für Sie mit dem heutigen Gleichnis? Gestern ging es ja auch ein wenig darum, auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein.  
Klaus-Peter Weinhold: Hier geht es noch einmal darum, dass wir uns angesichts solch einer offenen Situation oder des Abrechnens nicht von der Angst regieren lassen sollen. Natürlich auch im Rahmen der Naherwartung, dass Jesus kommt; hier heißt es ja so schön „Der Herr ist noch auf Reisen“, also nicht da, er wird gleich zurückerwartet. Wir haben es hier mit einem offenen Ende zu tun - hier wird kein Fest beschrieben, kein Hochzeitsmahl, sondern fast schon eine Gerichtssituation, in der die Knechte vor dem Verwalter antreten müssen und abgerechnet wird. Es geht also darum, dass uns nicht die Angst regieren soll, sondern dass wir mutig und entschlossen unsere Aufgaben angehen, nicht resignativ, ängstlich, apathisch oder depressiv, sondern mit der Erwartung, dass das, was wir tun, was wir einsetzen - jeder nach seinen Fähigkeiten - sinnvoll und möglich ist.

domradio.de: Versuchen wir, das Ganze noch ein Stückchen weiter zu spinnen. Was können wir aus diesem Text lernen, was sollen wir aus diesem Text mitnehmen? Um welche Talente geht es, die wir als Christen in unserem Alltag einsetzen und vemehren sollen?
Klaus-Peter Weinhold: Ich meine, dass Jesus uns hier einlädt, unsere Talente, unsere Begabungen zu nutzen, Aufmerksamkeit zu haben und auch den Einsatz für die Schwachen, die Verlierer, nicht aus dem Blick zu verlieren. Dass wir das auch weiterhin tun können. Dass wir mit diesen fünf Talenten oder mit den zweien, auch selbst mit dem einen, anfangen können. Wir können zuhören, wir können helfen, wir können diese Welt einfach auch so ernst nehmen und annehmen, wie sie ist. Ich glaube, dass das unser Leben reicher und intensiver machen kann; das Teilen und das Anteilnehmen macht uns ja nicht ärmer, sondern eher reicher. Friedrich Bonhöfer, der 1928/29 auf den Balearen als Auslandsvikar von Barcelona seinen Dienst tat, hat einmal gesagt „Es geht um die Treue zu dieser Welt.“ Also zu dieser realen Welt, so wie sie ist, auch mit diesem sozusagen kapitalistischen Bild, dass wir da in Treue die Aufgaben anpacken, die zu tun sind, das ist gefordert von uns. Und ich meine, das ist eine wunderbare Möglichkeit - dass man sich nicht ängstlich in die Ecke setzt, sondern das tut mit dem, was man hat und dort, wo man ist.

Audio Beitrag
  • Mt 25,14-30 - Auslegung des Evangeliums mit Pfarrer Klaus-Peter Weinhold (28.8.2010)
  • Mt 25,14-30 (28.8.2010)
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