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327.8.2010

Auslegung des Evangeliums mit Pfarrer Klaus-Peter Weinhold

Mt 25,1-13

domradio.de: „Seid also wachsam, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde“ heißt es heute am Ende des Tagesevangeliums im Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen in der Hochzeitsnacht. Herr Weinhold, warum geben denn die klugen Jungfrauen den törichten, vergesslichen Jungfrauen nichts von ihrem Öl ab? Das klingt erstmal nicht so nett.
Klaus-Peter Weinhold: Ich würde da gerne einwenden, dass man das Teilen und Abgeben lernen kann. Zunächst einmal ist in dem Gleichnis wichtig, dass Jesus - wie er es in diesen Gleichnissen immer wieder tat - deutlich und alltagsnah sagt: Achte auf deine Ressourcen, achte auf deine eigenen Vorräte, die sind nicht unbegrenzt. Und denk daran, dass du genügend Krüge oder Öl zum Nachfüllen in deinen Krügen hast. Vielleicht kann man das übersetzen als: Übernimm dich nicht. Denn zweitausend Jahre später ist es ja eine ähnliche Situation. Wir wissen weder Tag noch Stunde, wir müssen warten; wir können auch warten. Die Dunkelheit ist gleich, die Lampen sind gleich, aber auch die Hoffnung ist gleich. Die Hoffnung, dass wir zum großen Fest eingeladen werden, also Gott selber sehen, wo kein Leid und Geschrei mehr sein wird, wo sich unsere Hoffnungen auf ein sinnvolles Leben, auf Erlösung und Heil dann auch erfüllen können. Also achtsam sein, klug sein, damit man nicht die wirklich wichtigen Dinge im Leben verpasst.

domradio.de: Aber Jesus will uns doch bestimmt nicht mit dem Gleichnis auffordern, bei der Vorsorge in erster Linie an uns selber zu denken.
Klaus-Peter Weinhold: Nein, ich glaube, dass man hier dieses Gleichnis weiterschreiben sollte. Es lädt ja auch ein zum Reden, und vielleicht sollte man darüber diskutieren. Zunächst ist, wie bei Matthäus immer, die Auseinandersetzung im Hintergrund spürbar: Wer gehört eigentlich dazu, wer darf sich zur Gemeinde zählen, wer hat ein Anrecht darauf, in der Naherwartung, dass Gott kommt, dass Jesus wiederkommt, dabei zu sein? Und da hat man natürlich auch Ausgrenzungsgeschichten und -situationen erzählt. Ich glaube, dass es hier wichtig ist, festzustellen, dass man ein Fest nicht alleine feiern kann. Was wäre das für eine fatale Situation, zu sagen das sei eine exklusive Sonderwelt. Sondern ein Fest kann doch nur gelingen, wenn alle dazugehören. Ein fader Beigeschmack wäre das, wenn wir drinnen feiern, und draußen sitzen die anderen, die Freunde, die Bekannten, die ja auch gewartet haben. Also das Teilen lernen, abgeben lernen, weil man weiß, man selber käme nicht zu kurz dabei, sondern der andere hat auch Anteil daran. Im Bild des Gleichnisses gesprochen könnte das bedeuten: eine Lampe für zwei Leute. Dann ist es für den Einen zwar nicht mehr ganz so hell, aber der Andere steht auf jeden Fall nicht in der Dunkelheit. Ich fände es gut, wenn man dem Hausherrn Mut machen würde, zu sagen: Macht die Türen auf, lasst die anderen auch herein. Und wir kennen sie, wir rücken zusammen, wir machen Platz; es ist genug für alle da, lasst uns gemeinsam feiern.


domradio.de: Sie werden heute zwei Paare auf Mallorca trauen. Jesus vergleicht ja da das Himmelreich mit einer Hochzeitsfeier. Warum tut er das?
Klaus-Peter Weinhold: Ich wüsste kaum ein anderes Fest, ein anderes Bild, was so viel Lebensfreude, so viel Liebe und Intensität ausdrückt wie das Hochzeitsfest. Das ist ja das Bild - dass Gott mit uns Menschen eine Liebesbeziehung hat, eine Geschichte. Und das erste Wunder Jesu' ist die Hochzeit in Kanaa, wo das Wasser in Wein verwandelt wird. Es ist das alte Bild, dass der Bräutigam Jesus selbst und die Gemeinde die Braut ist. Es ist in vielen Kirchen immer wieder dargestellt: die klugen und törichten Jungfrauen, der Einlass zur Hochzeit als Eintrittsmöglichkeit in die Kirche, dass man klug sein muss, um eintreten zu können. Es ist die große, wirkliche Einladung zum Leben: Lebe nicht alleine, du brauchst den anderen Menschen. Und das entscheidende und wichtigste Bindeglied in unserem Leben ist die Liebe, die uns von Anfang an begleitet, die wir nicht aus dem Auge verlieren dürfen, wenn wir unsere Beziehungen partnerschaftlich angehen, und die uns auch bis zum Ende und weit über das Ende unseres Lebens halten soll, denn die Liebe ist ja bekanntlich stärker als der Tod. Menschen erleben das heute immer noch und wollen und spüren das - dass sie in all diesen unruhigen Zeiten, die materiell sozusagen risikoreich sind, diese verlässliche Beziehung in ihren Herzen, in ihrer Seele finden und haben.


domradio.de: Das Himmelreich als Hochzeitsfeier, teilen lernen, wachsam sein. Ist das ihr persönlicher Impuls, den Sie heute mit in den Tag nehmen?
Klaus-Peter Weinhold: Also, ich möchte lernen, dass ich meine Lampe oder mein kleines Licht vielleicht auch anderen leihen kann, dass ich sagen kann: Komm her, lass uns gemeinsam überlegen, wie wir diese Nacht, das Warten, die Erwartung auf Gott selbst gemeinsam hinbekommen. Ich erzähle dir, was meinem Lämpchen Öl gibt, wo meine Hoffnung ist, und vielleicht kannst du davon für deine Lampe, für dein Lebenslicht auch ein bisschen abbekommen.

Audio Beitrag
  • Mt 25,1-13 (27.8.2010)
  • Ein Interview mit : Mt 25,1-13 - Auslegung des Evangeliums mit Pfarrer Klaus-Peter Weinhold (27.8.2010)
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