26.8.2010
Auslegung des Evangeliums mit Pfarrer Klaus-Peter Weinhold
Mt 24,42-51
domradio.de: Herr Weinhold, wodurch unterscheidet sich der gute vom schlechten Knecht?
Klaus-Peter Weinhold: „An den Taten werdet ihr sie erkennen“ heißt es ja so schön. Der gute Knecht wird beschrieben als der, der weiß, was Menschen zum Essen brauchen. Er kümmert sich um seine Mitknechte, das Gesinde, er gibt ihnen zu essen. Das ist ein wunderbares Bild, und wenn wir das in der Gemeinde, auch in der Kirche, können, dann sind wir, glaube ich, auf einem guten Weg der Achtsamkeit, der Wachsamkeit, der Sensibilität für die Nähe Gottes. Demgegenüber ist der schlechte Knecht sozusagen das Kehrbild oder die Figur des egoistischen Verschwenders, der Gelage mit Trinkern feiert, der seine Knechte, seine Mitmenschen, schlägt und sozusagen dadurch das Kommen seines Herrn nicht erwartet. Also im Grunde genommen ist unsere Ethik, unser Verhalten, ein entscheidendes Kriterium für das gute oder das schlechte Knechtsein.
domradio.de: An anderer Stelle lobt Jesus den unehrlichen Verwalter, der die Schuldscheine seines Herrn fälscht. Wie passt das Gleichnis zu dem heutigen Text?
Klaus-Peter Weinhold: Das Faszinierende in den Gleichnissen Jesu ist ja immer, dass er uns durchaus sehr realitätsbezogen mit Alltagsdingen konfrontiert. Wir sollen auch klug sein wie die Schlangen, wir sollen etwas mit unseren Talenten machen, wir dürfen auch das einsetzen, was im Gang der Welt da ist. Also insofern ist das jetzt nicht nur eine moralinsaure Angelegenheit. Aber das Entscheidende ist ja, ob ich meine Fähigkeiten und Gaben für andere Menschen einsetze, oder ob ich sie egoistisch, selbstbezogen, verwende. Und das ist, glaube ich, eine schöne Einladung, hier zu sehen, dass wir unser Verhältnis zu Gott, die Nähe zu Gott, nur dann richtig hinbekommen, wenn wir auch die Nähe zu unseren Mitmenschen hinbekommen. Wir werden von Gott ja immer nur so viel erfahren, wie wir auch einen Blick haben für den Nächsten, die Schwester, den Bruder neben uns.
domradio.de: Wachsam sein ist eine Aufforderung, um die sehr kontrovers diskutiert wird, die im Text vorkommt. Manche erkennen Zeichen der Zeit, die andere wiederum ganz anders deuten. Wie erkennen wir die richtigen Zeichen?
Klaus-Peter Weinhold: Augustin hat einmal wunderbar gesagt, dass Gott uns den einen Tag verborgen hat, damit wir acht haben auf alle anderen Tage. Wachsamkeit ist das Wissen und das Gefühl, dass alle Tage wichtig sind, und nicht nur gewisse apokalyptische Zeichen des Untergangs, des Chaos, des Schreckens. Insofern lädt dieser Text uns ein, keine falschen Sicherheiten zu entwickeln, aber doch zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. Das heißt, uns sehr aufmerksam in der Tugend der Wachsamkeit zu üben. Wenn man warten kann, dann ist das eine wunderbare Sache, eine Tugend. Aber wenn man warten muss, kann es auch zur Qual werden. Und dieser Text ist sehr schön in dieser Gratwanderung, der Balance zwischen zu viel und zu wenig angesiedelt. Tugendhaft leben heißt ja eigentlich, diese Mitte zu finden, dass es nicht zu viel oder zu wenig gibt. In der Geschichte hat dieser Text natürlich mit der Naherwartung, dass Jesus bald wiederkommen wird in den ersten Gemeinden für sehr viel Kraft und Durchhaltevermögen gesorgt. Nun, knapp zweitausend Jahre später, müssen wir uns einlassen auf etwas mehr Geduld, aber dadurch haben wir eben die Chance, Gott immer ganz nah zu wissen.