18.8.2010
Auslegung des Tagesevangeliums mit Julia Grefen
Mt 20,1-16a
domradio.de: „Die Letzten werden die Ersten sein“ heißt es heute im Tagesevangelium, und über dieses Gleichnis spreche ich jetzt mit Julia Grefen. Auf den ersten Blick ganz schön ungerecht, was der Gutsbesitzer hier macht. Wie begründet Jesus denn in diesem Gleichnis das sozial ungerechte Vorgehen des Gutsbesitzers?
Julia Grefen: Jesus stellt zunächst einmal fest, dass den Ersten kein Unrecht geschieht, denn sie erhalten ja den vereinbarten Lohn. Die Ersten werden aber neidisch auf die Letzten, da diese ja den gleichen Lohn erhalten. Doch der Gutsbesitzer handelt in diesem Gleichnis ja aus Güte. Er wollte nicht den Einen benachteiligen, sondern dem Anderen etwas Gutes tun. Sein Denken versteht sich somit nicht aus dem Denken eines irdischen Gutsbesitzers, sondern aus dem Denken des göttlichen Vaters, denn sein Lohn ist nicht aufgrund von Gerechtigkeit zu erlangen, sondern aufgrund von geschenkter Gnade.
domradio.de: Kann man dieses Gleichnis denn auch damit vergleichen, dass sich manch einer erst auf dem Sterbebett für die Taufe entscheidet, oder dann noch einmal die Beichte ablegt? Ist das dann identisch mit denen, die ihr ganzes Leben lang Christus nachgefolgt sind?
Julia Grefen: Nach menschlichen Maßstäben beurteilt erscheint uns das Glechnis zunächst einmal sehr ungerecht. Man kann es fast wie einen Freibrief verstehen: Ich kann mich auf Erden benehmen wie ich will; wenn ich mich dann später zu einem christlichen Leben bekenne, ist für mich ja noch alles drin. Aber ich glaube diese Rechnung ist eine Nullnummer, weil wir eben keinen Rechtsanspruch auf das ewige Leben haben. Man kann sich das ewige Leben nicht verdienen, sondern es fällt dem Menschen als freie Gabe Gottes zu. Mit menschlicher Logik und berechnendem Verstand kommt man an dieser Stelle einfach nicht weiter. Denn ich denke Gott gibt aus Güte und nicht, weil der Mensch sich den Lohn verdient hat. Und zum anderen haben wir ja bereits in den letzten beiden Tagen bei Matthäus immer wieder gehört, dass ein Bekenntnis zu Gott vor allem etwas mit dem Dienst am Menschen zu tun hat. Und wir werden eben nicht danach beurteilt, wie lange wir uns schon zu Christus bekannt haben, sondern ob wir nach seinem Wort unseren Mitmenschen Gutes getan haben.
domradio.de: Wie ginge es uns, wenn wir nur das bekommen, was wir verdienen, ohne dass uns Gott oder - ins heute übersetzt - ein Mitmensch gütig begegnet? Vielleicht eine Überlegung, die wir heute mit in unseren Tag nehmen können.