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331.7.2010

Auslegung des Evangeliums mit Sr. M. Simone Weber ADJC

MT 14,1-12

domradio.de: Die Rolle von Herodes und der schönen Herodias beim Tod von Johannes dem Täufer. Einen Text aus dem Matthäusevangelium haben wir gehört. Und ich spreche darüber mit der Provinzoberin der Dernburger Schwestern der Armen Dienstmägde Jesu Christi. Schwester Simone, das ist eine ziemlich grausame Geschichte, die Matthäus da erzählt. Warum wird Herodias als die Schuldige am Tod des Täufers dargestellt, wo doch eigentlich Herodes den Tötungsbefehl gegeben hat?
Sr. Simone Weber: Es heißt ja dort, dass die Herodias ihre Tochter drängt, den Kopf des Johannes zu verlangen. Im Paralleltext bei Markus, im sechsten Kapitel, wird das noch ganz ausführlich dargestellt. Aber hier ist auch schon deutlich, dass die Herodias die Verführbarkeit und die Machtansprüche ihres Mannes und seine Angst ganz gut kennt. Hier im Matthäusevangelium wird ja auch deutlich dargestellt, dass der Tetrarch, dieser Kleinfürst, die Worte benutzt, die der große Perserkönig, der damals die ganze Welt beherrschte, der Königin Esther gegenüber benutzt hat: „Verlange von mir was du willst, ich will dir alles geben, und wenn es die Hälfte meines Königreiches ist“. Hier im Matthäusevangelium wird der Größenwahn des Herodes dargestellt. Das heißt, so hat die Gemeinde des Matthäus diesen Herodes zu der Zeit gesehen.

domradio.de: Sie sagen, Herodes war ein mächtiger Herrscher. Warum fürchtet er sich so sehr vor Johannes? Oder zumindestens wird heute deutlich, dass er großen Respekt vor ihm hat.
Sr. Simone Weber: Es heißt ja da, er hielt Johannes für einen Propheten. Und die Propheten waren in der Geschichte - er ist ja auch ein Jude - sehr mächtig. Und er kannte die Prophetengeschichten. Ich finde es sehr interessant, diese zwei Männer gegenüber zu sehen, Johannes den Täufer und Herodes. Johannes ist einer, der frei ist, der für die Wahrheit eintritt, der furchtlos ist. Also ein starker Mann und eine machtvolle Persönlichkeit. Und dieser Herodes ein schwacher Mensch, der keine richtige Persönlichkeit hat, der von der äußeren Macht Roms und von der Gunst des Volkes abhängt, der sich fürchtet vor dem Volk. Und er lässt sich einfach zu etwas hinreißen, was er eigentlich nach dem Evangelium - es steht ja hier, er wurde traurig - gar nicht will. Aber er ist so unfrei und so abhängig und hat keine Souveränität.

domradio.de: Aber er ist konsequent, denn er hatte ja versprochen, alles zu tun. Also Konsequenz ist schon mit dabei.
Sr. Simone Weber: Aber nur aus der Furcht, denke ich.


domradio.de: Johannes musste sterben, weil er den König offen kritisiert hatte. Das erinnert an das Leben ganz vieler Christen, auch heute noch, die sich zu Christus bekennen und die frohe Botschaft verkünden.
Sr. Simone Weber: Johannes hat das in einer wunderbaren Weise gemacht. In der Oper von Johann Strauss kommt das ganz deutlich heraus. Da spricht die Stimme aus der Tiefe, ruft heraus und spricht diesen Herodes und die ganze Gesellschaft an. Das hört sich für mich immer so an wie die Stimme des Gewissens. Und die Menschen, die sich einsetzen, also sich zu Christus bekennen, leben auch nach ihrem Gewissen. Das ist bei uns hier ja nicht so lebensgefährlich, aber in anderen Ländern schon. Hier wird man eher mal belächelt und beschimpft, und ich bin auch einmal angespuckt worden, aber sonst ist es ja hier bei uns nicht gefährlich. Aber zum Beispiel in Nigeria, dort sind wir in einem Bundesstaat, wo die Scharia gilt, da kann es schon lebensgefährlich sein. Aber Menschen, die frei sind wie Johannes, die ihre Sendung erkannt haben, die schauen nicht auf die Gefährdung. Sie treten einfach für die Wahrheit und für den erkannten Schatz ein. Das haben wir ja schon mal diese Woche gehört. Und sie leben ganz aus dem Glauben an die Auferstehung der Toten, das war ja am Anfang des Evangeliums heute auch Thema. Und Leute, die sich darauf einlassen, die treten furchtlos ein und achten nicht so sehr darauf. Die ruhen in sich.

Audio Beitrag
  • MT 14,1-12 (31.7.2010)
  • MT 14,1-12 - Auslegung des Evangeliums mit Sr. M. Simone Weber ADJC (31.7.2010)
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