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327.7.2010

Auslegung des Evangeliums mit Sr. M. Simone Weber ADJC

Mt 13,36-43

domradio.de: „Wer Ohren hat, der höre!„ Schwester Weber, Sie haben eben schon gesagt: Das ist sicherlich ein entscheidender Satz. Sehen wir uns den Text vor dieser Stelle noch etwas genauer an. Wenn man an einen barmherzigen, liebenden Gott Vater glaubt, ist diese Perikope ja eher etwas erschreckend. Wer sind z.B. diese erwähnten Söhne des Bösen, die am Ende der Welt in den Ofen geworfen werden?
Simone Weber: Diese Perikope ist die Auslegung des Evangeliums zuvor, wo es um die Aussendung, die Streuung des Samens und störendes Unkraut geht. Immer sind diese Bildreden Jesu, also diese Geschichten, die er schreibt, in die Welt der damaligen Menschen hineingesprochen. Hier muss man sagen, dass Matthäus Jesus diese Auslegung in den Mund legt. Man nimmt heute in der Exegese an, dass das die Verkündigung in diese matthäische Gemeinde hinein ist. Matthäus bezieht alle diese Dinge auf die hebräische Bibel, das erste Testament, weil er hauptsächlich für die Juden-Christen schreibt. Viele Stellen aus diesem Text sind dem ersten Testament entnommen. Deswegen muss man dies alles in eine gewisse Relation setzen. Im gestrigen Evangelium, das vom Senfkorn handelte, heißt es später in der Verkündigung: Jesus ist das Senfkorn. Vorher hieß es: Der Same ist das Wort Gottes. Hier heißt es nun: Der gute Same sind die Söhne des Reiches, das Unkraut sind die Söhne des Bösen. Man muss sehen, dass die Verkündigung in diese Gemeinde zu ihrer ganz eigenen Zeit erfolgte. ‚Söhne des Bösen' begegnet uns in diesem Text ausschließlich an dieser Stelle, genauso wie ‚Söhne des Reiches'. Heute würden wir ja sagen ‚Söhne und Töchter'. Diese Söhne des Bösen werden später auf den Teufel bezogen, im Urtext ist von ‚Diabolus' die Rede, d.h. ‚der, der durcheinanderwürfelt. Der, der das Gute in der Welt durch Misstrauen durcheinanderbringt. Deshalb ist auch das Schlusswort so wichtig: „Wer Ohren hat, der höre!“ Denn wir sollen uns von diesem Diabolus nicht durcheinanderbringen lassen, damit wir nicht Söhne und Töchter des Bösen werden.

domradio.de: Diese sehr bildreiche, kraftvolle Sprache hat im Grunde zu tun mit der Gemeinde, die Matthäus angetroffen hat?
Weber: Genau. Die Gemeinde, für die er geschrieben hat, für die Verkündigung in dieser Gemeinde.

domradio.de: Sie haben es eben schon angedeutet: Der letzte Satz ist der wichtigste - sich nicht durcheinanderbringen lassen. Ist das die Aufforderung zur Wachsamkeit?
Weber: Ja, das kann man sagen. In der ersten Bibel heißt es ja: Höre Israel, höre Du Gottesstreiter. Höre auf das Gute in der Welt, auf das, was Gott Dir als gute Botschaft mitgibt. Auf diese nötige Wachsamkeit weist Jesus immer wieder hin. Ja auch hier in diesem Text: Wir sollen aufmerksam sein auf das, was der Menschensohn sagt. Oben heißt es ja: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn. Das heißt: Jesus Christus ist dieser Menschensohn, der schon bei Daniel beschrieben ist, der uns diese gute Botschaft bringt und sich selbst in diesen Acker der Welt hineingibt. Da sollen wir zuhören, was er uns zu bringen hat, nämlich das Menschenbild von dieser Würde, wie es sonst nirgendwo verkündet wird.

domradio.de: Dieser heutige Text ist ja quasi ein Bild für das Jüngste Gericht. Damit tun wir uns ja etwas schwer, das wird z.B. in Kinderkatechesen gern ganz ausgeblendet. Woran liegt das? Unterscheidet Gott doch zwischen Gut und Böse? Werden doch nicht alle gerettet?
Weber: Ich glaube, das liegt daran, dass wir hier immer diese Schwarz-Weiß-Malerei sehen. Es ist nicht so eindeutig, wer die Söhne des Bösen oder wer die Söhne des Reiches sind. Wir müssen da ganz hineinhören auf die Botschaft, die Jesus uns ins Herz legt, und die von außen auch als Verkündigung an uns herangetragen wird. Diese Verkündigung in der Kinderkatechese ist sehr schwierig, weil das die Angst vor Gott schürt. Das war ja jahrhundertelang ein Teil der Verkündigung der Kirche. Das ist gefährlich, Denn es vermischt dieses Bild und ergibt so eine anthropomorphe Sicht von Gott -so als ei Gott wie ein Mensch, der vorschnell urteilt und nicht die Tiefe des Menschen sieht, und ihm nicht immer wieder das Wort anbietet, gut zu leben und gut auf dem Weg weiterzugehen. Dieses „Höre Israel„ ist ganz wichtig. Hier heißt es ja auch: Wir sollen achtgeben auf die, die verführen, also die, die Misstrauen säen und dadurch jede Gemeinschaft zerstören. Dieses Weitersagen negativer Dinge untereinander - das ist wirklich Mord. Da brennt ein zerstörerisches Feuer. - Und noch ein Wort an alle Zuhörer: Höre das gute Wort, traue ihm und sage es weiter!  

Audio Beitrag
  • Mt 13,36-43 - Auslegung des Evangeliums mit Sr. M. Simone Weber ADJC (27.7.2010)
  • Mt 13,36-43 (27.7.2010)
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