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Papst Benedikt XVI.

28.11.2011

Rom spekuliert trotz Syrienkrise über eine Reise des Papstes in den Libanon

Nur Beirut kommt in Frage

Papst Benedikt XVI. hat am Montag den libanesischen Ministerpräsidenten Najib Mikati in Audienz empfangen. Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Lage in Syrien. Ein anderer eine mögliche Libanonreise des Papstes.

Der Libanon als "Botschaft eines friedlichen Zusammenlebens von Christen und Muslimen": Vor dem Hintergrund der heftigen Umbrüche in der arabischen Welt hat Papst Benedikt XVI. die besondere Rolle des einzigen Nahoststaates mit einem großen christlichen Bevölkerungsanteil herausgestrichen. Dazu seien freilich politische Stabilität, Zusammenarbeit und ein Dialog notwendig, um die nationalen wie internationalen Probleme zu bewältigen, hieß es nach einer Papstaudienz für den libanesischen Premier Najib Mikati am Montag im Vatikan.

Besonders im Blick hatten der Papst und sein Gast dabei die Situation im benachbarten Syrien, jahrzehntelang Schutz- und vor allem Besatzungsmacht des Libanon, der zwischen 1975 und 1991 einem erbitterten Krieg mit wechselnden Akteuren ausgesetzt war. Der Vatikan bezeichnete die Lage beim großen Nachbarn der Libanesen als "heikel" und forderte die Achtung der Menschenrechte ein - das waren vergleichsweise deutliche Worte im Maßstab vatikanischer Diplomatensprache.

Kein Wort findet sich im Vatikankommunique über eine Einladung an den Papst zu einem Besuch im Libanon. Aus Umgebung des Sunniten Mikati verlautete unterdessen, er habe die Einladung wiederholt, die sein christlich-maronitischer Präsident Michel Suleiman am 24. Februar dieses Jahres persönlich dem Papst überbracht hatte, als Suleiman gemeinsam mit dem scheidenden Patriarchen Nasrallah Sfeir an der Einweihung einer Statue des Kirchenpatrons Maron an der Außenwand des Petersdoms teilnahm.

Spekulationen um Libanonreise des Papstes
Eine Libanonreise des Papstes ist seit längerem im Gespräch. Benedikt XVI. möchte - soweit die Umstände es zulassen - das Schlussdokument der Nahostsynode vom Oktober 2010 in der Region selbst veröffentlichen. Und da er bereits im Juni 2010 in Zypern war, um das Arbeitspapier der Synode zu präsentieren, und da er im Jahr zuvor Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete als Pilger besuchte, bietet sich derzeit realistischerweise nur der Libanon an. Denn andere denkbare Ziele wie Kairo (Ägypten), Damaskus (Syrien) oder Bagdad (Irak) kommen aufgrund der aktuellen Lage derzeit für eine Papstvisite kaum in Frage.

Ein Besuch in Beirut wäre für Herbst 2012 denkbar, hört man im Vatikan - jedoch nur, wenn dem keine neuen Entwicklungen entgegenstünden. Benedikt XVI. könnte dann das Apostolische Schreiben veröffentlichen, das er derzeit auf Grundlage der 44 "Thesen" erstellt, in denen die 250 Synodalen ihr Beratungsergebnis zusammengefasst hatten. Darin ging es um eine Stärkung der Kirchen in der Region, um Freiheit und Verkündigung des Glaubens. Es ging um das Profil von Priestern, Ordensleuten, Pastoralarbeitern und katholischen Laien, um Kompetenzen (und Grenzen) der neuen Geistlichen Bewegungen, um katholische Bildungs- und Sozialarbeit, um die christliche Präsenz in den Ländern der Bibel zu fördern. Es ging freilich auch um die politischen Konflikte der Region, um theologische und kirchenrechtliche Probleme, um Ökumene zwischen den christlichen Gemeinschaften und - last not least - um das Verhältnis zu Juden und Muslimen. Die Beratungen waren meist von Offenheit und Freimut, mitunter aber auch von diplomatischer Vorsicht bestimmt.

Mit einem wahrscheinlicher werdenden Besuch im Libanon nimmt das Reiseprogramm des Papstes für 2012 weitere Konturen an, das möglicherweise nur zwei Auslandsvisiten umfassen wird. Viel spricht dafür, dass Benedikt XVI. im Frühjahr Mexiko und Kuba besucht. Eine endgültige Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Der Libanon könnte damit Ziel der zweiten Reise 2012 werden. Als Alternative wird aber auch über einen Besuch in der Ukraine spekuliert. Die lateinischen Katholiken haben ihn offiziell eingeladen. Benedikt XVI. habe die Einladung entgegen-, jedoch (noch) nicht angenommen, heißt es. Auch aus Kreisen der mit Rom unierten Katholiken des byzantinischen Ritus ist ein Besuchswunsch vernehmbar, ohne dass er bislang offiziell ausgesprochen wurde. Es gilt als sicher, dass der Vatikan keinen Besuch ohne Einvernehmen mit der orthodoxen Mehrheit planen würde. Aber vielleicht ergeben sich im ökumenischen Kontakt Entwicklungen, die einen solchen Besuch ermöglichen: vielleicht 2013, oder schon bei einer dritten Reise im kommenden Jahr.

( Johannes Schidelko ( / kna )