20.9.2011
Kirchen betonen ökumenische Bedeutung des Papstbesuches
Luther, wir kommen!
Die Reise habe einen besonderen Akzent, "weil der Heilige Vater auch nach Erfurt geht, wo Luther als Augustinermönch gelebt hat, wo er den Repräsentanten des Rates der Evangelischen Kirchen begegnen und auch einen ökumenischen Gottesdienst feiern wird", sagte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch.
Das Miteinander der Konfessionen werde allein durch den Besuch von Benedikt XVI. an einer der Wirkungsstätten des Reformators Martin Luther (1483-1546) "sehr sichtbar". Der vatikanische "Ökumene-Minister" äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Begegnung mit der evangelischen Kirche zu einer Vertiefung der ökumenischen Bewegung führe.
Koch wird den Papst auf seiner viertägigen Reise von Donnerstag bis Sonntag dieser Woche begleiten. Im Blick auf kritische Stimmen aus Deutschland an der Haltung des Oberhauptes der katholischen Kirche zum Dialog mit Protestanten warnte er vor überhöhten Forderungen an die Kompromissbereitschaft des Papstes. Ökumene sei ein Dialog zwischen zwei Partnern. Deshalb sei es "nicht ganz fair, wenn man einseitig vom Papst Schritte erwartet". Beide Seiten hätten vielmehr eine "gehörige Bringschuld".
Bruch oder Kontinuität?
Vor allem im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 stellt sich für den Kardinal die Frage, wie die evangelischen Christen heute die Reformation im Zusammenhang von 1.500 Jahren gemeinsamer Kirchengeschichte sehen. "Ist die Reformation einfach ein Bruch und ein totaler Neubeginn, oder steht sie in einer gewissen Kontinuität mit der Tradition der Kirche?" Von der Antwort auf diese Frage hängt Koch zufolge wesentlich ab, in welche Richtung die Ökumene weitergeht.
Wenige Tage vor der ökumenischen Begegnung am Freitag im Erfurter Augustinerkloster würdigte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats positive Seiten der Reformation. Luther habe die gesamte Kirche wieder an den zentralen Stellenwert der Bibel erinnert. Andererseits habe die Reformation zur Kirchenspaltung geführt, mit tiefgreifenden Folgen für die europäische Geschichte. Das Gedenken an die Reformation muss nach Kochs Einschätzung beide Aspekte einbeziehen.
Schneider erwartet Anstöße...
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erwartet vom Deutschlandbesuch des Papstes Anstöße für den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017. "Natürlich wird der Papst etwas zu Luther sagen, und er wird sicher auch Perspektiven andeuten für 2017", sagte Schneider, der auch rheinischer Präses ist, der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" am Dienstag. Schneider trifft mit einer EKD-Delegation am Freitag im Erfurter Augustinerkloster, wo Martin Luther Mönch war, mit Papst Benedikt XVI. zusammen.
Manchmal helfe es, die gemeinsame Geschichte zu betrachten, "damit man anders in die Zukunft geht", sagte Schneider. Man dürfe andererseits nicht unterschätzen, wie viel auf katholischer Seite vom Bild des "Kirchenspalters" Luther noch übrig sei: "Emotional ist das immer noch stark ausgeprägt."
Nach Schneiders Ansicht ist die Ökumene inzwischen "an den grundsätzlichen Punkten angekommen": "Hier sind wir froh, wenn wir nicht auf der Stelle bleiben." Derzeit sei es eine "Ökumene der kleinen Schritte". Besonders das Problem der konfessionsverschiedenen Ehen verlange "dringend nach Verbesserungen".
...anders als Käßmann
Den geplanten Boykott der Papstrede im Bundestag durch rund 100 Abgeordnete nannte Schneider "merkwürdig, um nicht zu sagen befremdlich". Alle Fraktionen des Bundestages hätten den Papst eingeladen. "Dann ist es für mich eine Frage der Höflichkeit, auch zu erscheinen."
Schneider kommentierte die Aussage seiner Amtsvorgängerin Margot Käßmann, sie erwarte ökumenisch nichts vom Papst, mit den Worten: "Man kann nicht sagen, die Ökumene sei diesem Papst gleichgültig." Benedikt habe seiner Kirche "noch manches Wegweisende zu sagen". Dass Käßmann, die Luther-Botschafterin wird, nicht zur EKD-Delegation gehört, begründete Schneider mit Käßmanns neuer Aufgabe: "Die Luther-Botschafterin hat mir frühzeitig signalisiert, dass sie ihren Platz dort nicht sieht, denn sie tritt erst im April ihr Amt an."
( epd / dr )