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Papst Benedikt XVI.

14.9.2011

Über die Herausforderungen einer Masseneucharistiefeier

Für eine würdige Kommunionausteilung

Seit Monaten befasst sich ein eigenes Komitee mit der Vorbereitung der religiösen Feiern im Rahmen des Papstbesuchs. Wenige Tage vor der Visite spricht der Kölner Domvikar und Zeremoniar Michael Kahle, Koordinator für die Papst-Gottesdienste seitens der Deutschen Bischofskonferenz, mit domradio.de über den Stand der Vorbereitungen.

Domvikar Michael Kahle (© dr )

Domvikar Michael Kahle (© dr)

Freiburg: Letzte Vorbereitungen für die Papstmesse laufen (© dapd )

Freiburg: Letzte Vorbereitungen für die Papstmesse laufen (© dapd)

domradio.de: Herr Domvikar, eigentlich sollte doch jeder wissen, wie so ein Gottesdienst abläuft. Warum sind hier für die liturgischen Feiern mit dem Papst so viele intensive Vorbereitungen notwendig?
Domvikar Kahle: Zum einen wird der Heilige Vater die Gottesdienste ja nicht in einer Kirche feiern, sondern immer unter freiem Himmel. Von daher muss die gesamte Infrastruktur geschaffen werden, also von den Altaraufbauten bis hin zu den Sitzplätzen und vielen anderen kleinen Dingen, die vorbereitet werden müssen. Und deshalb ist die Zeit der Vorbereitung eben so lang und auch so intensiv.

domradio.de: Ist es eine besondere Ehre, sie vorbereiten zu dürfen?
Kahle: Selbstverständlich! Also wenn man in jeder Heiligen Messe als Priester sich im Hochgebet mit dem Heiligen Vater verbindet, dann ist das schon eine Besonderheit, wenn man dann eben einmal den Gottesdienst für ihn vorbereiten darf.

domradio.de: Sie arbeiten eng mit je einem Vertreter der Bistümer zusammen, in die der Papst fahren wird, aber auch mit dem Päpstlichen Zeremoniar, Guido Marini. Wie funktioniert denn da genau die Abstimmung?
Kahle: Zuerst einmal ist das ein gegenseitiges Kennenlernen gewesen, dann eine gute Abstimmung mit den Verantwortlichen in den Diözesen, da wurde natürlich auch mit deren Verantwortlichen für die Musik, für die Ministranten, für die inhaltliche Gestaltung zusammengearbeitet . Und so habe ich mich bemüht, die Dinge in meiner Funktion zu binden, zu bündeln, um sie dann mit Monsignore Marini in Rom zu besprechen, der uns dann auch einmal hier in Deutschland besucht hat. Wir sind alle Orte abgefahren, haben ihm alles gezeigt. Und da ist man miteinander ins Gespräch darüber gekommen.

domradio.de: Wie muss man sich das vorstellen? Wie viel Vorlauf haben Sie jetzt gebraucht, wie lange dauert es, die Gottesdienste dieser Papstreise vorzubereiten?
Kahle: Wenn der Papst einen Besuch ankündigt, dann heißt es aus Rom, dass die Vorbereitungen losgehen. Damit war auch verbunden, dass ich dieses Amt bekommen habe. Und wir haben definitiv im März mit den Vorbereitungen angefangen. Wir haben uns getroffen und miteinander überlegt, welche Gottesdienste der Papst feiert, wie diese ausgestaltet sein sollen. Und dann ging es wieder in die Diözesen, die ihrerseits vorbreitet haben.

domradio.de: Es gibt einerseits für die Liturgie klare Regeln und Richtlinien. Andererseits gibt es auch immer wieder Sonderwünsche, gerade was bestimmte Gestaltungselemente anbelangt. Kommt es da nicht auch immer mal wieder zu einigen Diskussionen?
Kahle: Wir haben Monsignore Marini am Anfang Vorschläge unterbreitet, und er hat dann sehr schnell darauf reagiert, indem er uns z.B. eine Prozession ermöglicht hat. Er hat innerhalb der Jugendvigil, die in Freiburg gefeiert wird, uns sehr viele Möglichkeiten eröffnet. Dieses gute Miteinander wurde auch bei seinem Besuch in Deutschland, als wir ihm die Orte gezeigt haben, deutlich.

domradio.de: Das Deutsche Liturgische Institut ist im Hinblick auf solche "Massengottesdienste" eher skeptisch. Vor allem ließe sich dort ein würdiger Kommunionempfang nicht immer realisieren. Außerdem kritisieren Theologen, dass die Hostien alle schon vor dem Gottesdienst konsekriert seien. Wie begegnen Sie diesen Einwänden?
Kahle: Zuerst einmal muss man feststellen: Es ist gut und schön, dass so viele Menschen dem Papst begegnen wollen. Das sollte für uns der erste Punkt sein. Der zweite ist natürlich die Herausforderung einer Messe unter freiem Himmel mit so vielen Menschen. Aber jetzt bei diesem Deutschlandbesuch werden wir nicht die Kategorie beispielsweise der Weltjugendtage haben, wo mehrere Millionen junger Menschen am Gottesdienst teilnahmen. Im Hinblick auf die würdige Kommunion habe ich das mit den Verantwortlichen in den Diözesen sehr genau angesprochen. Wir haben das in den Blick genommen. Natürlich sind die Vorbereitungen dergestalt, dass man sich mit allen Kräften bemüht, dass eine würdige Kommunionausteilung stattfinden kann, dass das Heilige Sakrament würdig aufbewahrt wird, etwaige Reste anschließend auch in einer geordneten Weise in Pfarreien gebracht werden. Und das zweite ist: Es ist nicht richtig, dass alle Kommunionen bereits vorher konsekriert sind, sondern ein Großteil der Heiligen Kommunion wird in der Liturgie des Papstes konsekriert.

domradio.de: Sie selbst werden ja bei allen Gottesdiensten dabei sein und auch ein Auge auf den korrekten Ablauf haben. Bleibt dabei die persönliche Andacht nicht manches Mal auf der Strecke?
Kahle: Ich glaube, auch wenn man es nicht ganz mit dem Kölner Dom vergleichen kann, eine gute Vorbereitung entlastet. Da wir sehr bemüht sind, wirklich eine sehr gute Vorbereitung durchzuführen, werden die Momente der Andacht für mich persönlich auch da sein. Zum anderen werden wir mit dem Päpstlichen Zeremoniar an jedem Morgen, wenn der Heilige Vater am Vormittag die Messe feiert, selbst die Messe zelebriert haben und haben da unseren ganz intensiven Moment und Punkt der Andacht. Und innerhalb der Papstgottesdienste ist es wirklich ein Dienst, den wir als Zerimoniare versehen, ein Dienst am Heiligen Vater und ein Dienst am Volke Gottes, den beide gut miteinander feiern können.


( dr )