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Pfarrvikar Ulrich Filler


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Bachkantate

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Sie hören eine Kantate in voller Länge sowie einen erläuternden Beitrag von  Daniel Detambel.

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229.1.2012

BWV 84

Letzter So. n. Epiphanie

„Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“: Es war der 9. Februar 1727, also heute vor 276 Jahren, als Johann Sebastian Bach diese Kantate zum ersten Mal aufgeführt hat. Textliche Grundlage ist das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg: Alle fangen sie zu unterschiedlichen Zeiten an zu arbeiten, aber am Ende des Tages gibt ihnen der Weinbergsbesitzer denselben Lohn. Denn, so sagt er: „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.“

In der Kantate wird diese Aussage des Gleichnisses weiterentwickelt, hin zu einer mehr rationalen, auf  das Praktische zielende Deutung nach dem Motto: „Ich begnüge mich mit dem, was mir Gott zuteilt, und lasse es ohne Neid geschehen, dass andere mehr erhalten als ich“.

Bei der Vertonung hat Bach ganz sparsam instrumentiert. Nur eine Oboe, Streicher und Continuo werden verwendet. Solistisch kommt nur die Sopranstimme zum Einsatz, der Chor nur beim Schlusschoral.

Der erste Satz erinnert mit seinen weitausschwingenden Oboenfiguren an den langsamen Satz aus einem Oboenkonzert. Der in den gleichmäßig-ruhigen Akkordschlägen der Begleitstimmen stets durchhörbare Dreiertakt charakterisiert treffend den Gleichmut des mit seinem von Gott verfügten Schicksal Zufriedenen.

Im Gegensatz zum ersten Satz wirkt der zweite sehr schlicht. Ein einfaches Rezitativ, dem jede Auszierung und erst recht jede Erweiterung zum Arioso fehlt. Die folgende Arie „Ich esse mit Freuden mein weniges Brot“ illustriert in ihrer liedhaften, lebendigen Melodik nicht nur die Freuden, von denen der Arientext erzählt, sondern mehr noch die Worte seines Mittelteils. Da heißt es: „Ein fröhlicher Geist, ein dankbares Herze, das lobet und preiset“:

Besonders reizvoll ist die Führung der Oboe und der Solovioline, die zu Anfang miteinander gehen, sich dann voneinander trennen, sich später wieder zusammenfinden und so ein ständiges Wechselspiel zwischen Ein- und Zweistimmigkeit vollführen.  Der vierte Satz, das Rezitativ, erhält durch die Streicherinstrumentierung einen textlich wie formal bedeutsamen Nachdruck. Doch wird, wie bereits im ersten Rezitativ, auf jeden ariosen Einschub verzichtet.

Der Schlusschoral, die 12. Strophe des Liedes „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“, gesungen auf die Melodie „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, beendet die Kantate mit einem schlicht-vierstimmigen Chorsatz.

BWV 84: „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“.
Wilhelm Wiedl, Sopran, Tölzer Knabenchor, Concentus musicus Wien,
Leitung: Nikolaus Harnoncourt.

Quelle: Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach. Bärenreiter 1995.

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