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Gary Lukas Albrecht Mittwoch,
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Mk 7,14-23 mit Auslegung von Gary Lukas Albrecht

Gary Lukas Albrecht


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9.1.2010

Ein Benediktiner entwarf das Kulturhauptstadtkreuz

Der Herr der Ruhrgebietskreuze

Beim Eröffnungsgottesdienst am Freitag wurde es offiziell vorgestellt: das Kreuz für das Kulturhauptstadtjahr. Mannshoch und Beeindruckend. Entworfen hat es der Benediktinerpater Abraham Fischer. Mit der Kreuz ist ihm ein raffinierter Entwurf gelungen.

Bild
  • Abraham Fischer: Der Kunstschmied leitet die Werkstatt der Benediktinerabtei Königsmünster

    Abraham Fischer: Der Kunstschmied leitet die Werkstatt der Benediktinerabtei Königsmünster (©epd)

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Es sind die geometrischen Formen, die Benediktinerpater Abraham Fischer faszinieren: Tetraeder, Oktaeder, Ikosaeder - „drei der vollkommensten Körper, von denen schon Platon berichtet hat“, weiß der 43-Jährige. Aufgespannt an einem dünnen Faden hängen Nachbildungen dieser symmetrischen Körper in seinem Büro - wie Moleküle in einem wissenschaftlichen Labor.

Pater Abraham ist allerdings kein Chemiker. Er arbeitet als Kunstschmied und leitet die Werkstatt der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede im Sauerland. Von den ausgeklügelten Symmetrien und verwinkelten Formen, die ihn in seinem Büro umgeben, lässt er sich bei seinen Schmiedearbeiten jedoch inspirieren.

Auch bei seinem neuesten Auftragswerk: dem so genannten „Ruhrgebietskreuz“, das er für das für die Kulturhauptstadt „RUHR.2010“ entwickelt hat. Rund ein Jahr hat Pater Abraham getüftelt, bis ihm ein raffinierter Entwurf gelungen ist: ein dreidimensionales Kreuz, das durch das Aufbiegen einer flachen Platte entsteht.

Um zu demonstrieren, wie das funktioniert, greift Pater Abraham zu einer flachen Edelstahlplatte, das die Nummer „53“ trägt und etwa so groß ist wie eine ausgestreckte Handfläche. Mit Laser hat er darin ein Muster aus hauchdünnen Linien eingebrannt - nach dem Entwurf, den der Mönch zuvor am Computer ausgearbeitet hat.

Dann setzt der Mönch mit der grauen Kutte zum entscheidenden Knick an: Er nimmt das Kreuz in beide Hände, schiebt es in zwei vorgefertigte Schablonen, die es fest umschließen, und biegt es um 90 Grad. Die Platte vollzieht einen „Dimensionssprung“, wie Pater Abraham es nennt: Sie verwandelt sich in ein räumliches, dreidimensionales Kreuz, das erst jetzt seine volle Wirkung entfaltet.

Eine limitierte Auflage von 500 Kreuzen fertigen er und seine vier Mitarbeiter in der Schmiede der Benediktinerabtei. Alle Kreuze werden in Handarbeit hergestellt. Zu erwerben sind sie für 70 Euro in der Domschatzkammer Essen und in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim an der Ruhr.

Ihrer Form nach gleichen diese kleinen Kunstwerke dem mannshohen Kreuz, das beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst für das Kulturhauptstadtjahr, das am Freitag im Essener Dom einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es besteht aus Titan. Im Laufe des Jahres wird es in den 53 Städten des Ruhrgebiets je eine Woche lang bei kirchlichen Veranstaltungen präsent sein.

Ob groß oder klein, aus Titan oder Edelstahl - ein und dasselbe Konzept liegt allen „Ruhrgebietskreuzen“ zugrunde. Es erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Denn das dreidimensionale Kreuz ist angelegt als Labyrinth. Indem er mit seinem rechten Zeigefinger über das Edelmetall streift, zeigt Pater Abraham, wie der Weg verläuft.

Der Eingang befindet sich am Sockel des Kreuzes. Zwischen zwei Streben ist hier eine freie Fläche ausgespart. Sie deutet einen Weg an, er führt erst geradeaus, dann macht er verschiedene Biegungen. Je weiter er fortschreitet, desto mehr nähert er sich der Mitte des dreidimensionalen Gebildes. Am Ende des Weges befinden sich zwei quer zueinander verlaufende Metallstreben, die ein Kreuz darstellen. Es ist gleichermaßen geometrischer Mittelpunkt sowie Ziel des Labyrinths.

Streng unterscheidet Pater Abraham seinen Entwurf von einem „Irrgarten“, in dessen unzähligen Windungen und Biegungen sich der Mensch verliere. Nein, sein Labyrinth sei „ein Weg, der durch verschiedene Drehungen und Windungen zu einer Mitte führt - zu einem Ziel“, sagt der Mönch, während er mit dem Zeigefinger über das Edelmetall streicht.

Das labyrinthartige Kreuz ist für ihn Sinnbild des menschlichen Lebens. „Es gibt Situationen, da fühlt man sich der Mitte so nah, und dann führt der Weg auf einmal weit weg davon, ohne dass man es will, ohne dass man es merkt“, sagt Pater Abraham. Mit seinem Labyrinth will er zum Ausdruck bringen, „dass das Leben des Menschen ein Weg ist und der Weg ein Ziel hat“.

Pater Abraham hat noch viel zu tun an diesem Arbeitstag: Mit der rechten Hand greift er zum Diamantfräser, mit er die Nummer „54“ in die Edelmetallplatte eingraviert, die vor ihm in der Werkstatt liegt. Die eigene Handschrift zu hinterlassen, ist Pater Abraham wichtig. Wenn er seine „Geschöpfe“ aus der Hand gibt, sollen sie „behütet“ in die Welt gehen, „nicht als namenlose Massenartikel“.

Noch einige Tage und Wochen wird es dauern, bis Pater Abraham alle Nummern in die Kreuze eingraviert hat. Jetzt aber nimmt er sich erstmal die die nächste Platte vor, aus der das Kreuz mit der Nummer „55“ hervorgehen wird - nach dem „Aufbiegen“, dem Sprung in die andere Dimension, mit dem es eine wundersame Wandlung erlebt.

(Thomas Becker / epd)

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