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Nachrichten-Ticker

3.12.2009

Zwischen Provokation und Integration

Moscheebau bleibt ein Thema mit Konfliktpotenzial

Es beginnt oft mit eher banalen Sorgen: Kostet der Bau Parkplätze? Wächst der Lärm? Dann entsteht eine Bürgerinitiative gegen die geplante Moschee, wird die Höhe des Minaretts zum Problem, klagen Anwohner bei Verwaltungsgerichten - und schließlich wird aus einer Debatte um Bauvorschriften die grundsätzliche Frage: Wie viel Islam will man eigentlich in Deutschland? Eine Betrachtung von Christoph Schmidt.

Hocherregte Proteste gegen Moscheen gab es in Köln, Frankfurt oder Berlin; Unterschriftensammlungen für ein Bürgerbegehren gegen Bauvorhaben laufen in Gelsenkirchen, München und Dortmund. Offenbar betrifft die Auseinandersetzung mit dem Islam immer mehr Menschen ganz persönlich. Vor allem Minarette, die die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel einmal als „Siegessäulen“ bewertete, empfinden viele als Provokation. Zumal Christen in islamischen Ländern klar diskriminiert werden und dort selbst die Renovierung von Kirchen oft auf harten Widerstand stößt.

Die Argumente der Moschee-Gegner liegen zwischen Fremdenfeindlichkeit und ehrlichem Misstrauen gegen eine zunehmend selbstbewusste Religion, die viele als verschlossen, ja feindselig empfinden. In einer Allensbach-Umfrage hielten 2006 zwei Drittel der Deutschen ein harmonisches Zusammenleben mit dem Islam auf Dauer für unmöglich. Zugleich belegen Untersuchungen, dass die Religiosität unter den mehr als vier Millionen Muslimen hierzulande wächst. Seit Anfang der 90er Jahre sind in Deutschland nach Angaben des Soester Islam-Archivs etwa 240 klassische Moscheen mit Kuppel und Minarett entstanden. Rund 180 weitere Projekte sind bundesweit geplant.

Die Politik hat den Moscheebau in der Vergangenheit immer wieder begrüßt. Der Islam müsse „raus aus den Hinterhöfen“, hieß es bei Vertretern aller Parteien. Nach dem Schweizer Minarettverbot regt sich unter den Innenministern der Union nun der Wunsch nach vorsichtiger Einschränkung. Die Muslime sollten beim Moscheebau „darauf achten, die deutsche Bevölkerung nicht zu überfordern“, sagte ihr Sprecher, Hessens Ressortleiter Volker Bouffier (CDU).

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mahnte am Donnerstag „eine neue und größere Sensibilität“ beim Moscheebau an. Wenn etwa eine Moschee nach dem Eroberer Konstantinopels benannt werde, löse das Ängste aus. Doch allenfalls baurechtliche Bedenken können die Errichtung einer Moschee behindern. Ansonsten verbrieft das Grundgesetz „ungestörte Religionsausübung“.

Für engeren Kontakt zur nichtislamischen Umwelt laden dieMuslime in Deutschland seit zehn Jahren immer am 3. Oktober zum„Tag der offenen Moschee“. Beispiele für ein entspanntes Verhältnis gibt es schon.
Die imposante Mannheimer Yavuz Sultan Selim Moschee etwa - anfangs heftig angefeindet - steht inzwischen für vorbildliche Nachbarschaft mit Andersgläubigen. Gleiches gilt für die Duisburger Moschee mit angeschlossenem Begegnungszentrum.

Skeptiker sehen darin bestenfalls Ausnahmen. Gerade geplante Großbauten wie in Köln würden mit ihrer vorgesehenen Infrastruktur die Tendenz zur Abschottung weiter verstärken, argumentiert die türkischstämmige Islamkritikerin Necla Kelek. Dort finde ein Muslim vom Supermarkt bis zum Friseur alles, was er braucht, „wenn er nicht nur beten, sondern auch nichts mit der deutschen Gesellschaft zu tun haben will“. Das Problem sieht sie in der islamischen Glaubenslehre selbst, die in monumentalen Moscheen umso selbstbewusster vermittelt werde. „Dort lernen schon Kinder, die Gesellschaft in Gläubige und Ungläubige zu unterscheiden und dass Frauen den Männern zu dienen haben.“

Der türkische Dachverband DITIB, größter Bauherr von Moscheen im Land, gilt bei seinen deutschen Verhandlungspartnern als immun gegen Extremismus, ebenso die meisten kleineren Moscheebauvereine. Für den umtriebigen Generalbevollmächtigten der Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft, Ibrahim el Zayat, interessiert sich dagegen der Verfassungsschutz wegen seiner Verbindungen zur fundamentalistischen Muslimbruderschaft.


(kna)


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