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22.8.2009

Johann Peter Hebel beim Literatursommer 2010

Schriftsteller, Kirchenmann, Politiker

Der Philosoph Ernst Bloch hielt Johann Peter Hebel für den größten Erzähler deutscher Sprache. In die Wiege gelegt waren Hebel weder seine literarischen Talente noch seine erstaunliche Karriere als Pädagoge, Kirchenmann und Politiker.

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  • Johann Peter Hebel: Mit seinen Büchern im Kanon der deutschen Literatur

    Johann Peter Hebel: Mit seinen Büchern im Kanon der deutschen Literatur

2010 und damit zu seinem 250. Geburtstag stellt die Landesstiftung Baden-Württemberg Hebel in den Mittelpunkt des alle zwei Jahre stattfindenden „Literatursommers“. Während der Sommermonate sind landesweit rund 150 Veranstaltungen geplant; das Programm umfasst Theaterstücke, Neuinterpretationen und Lesungen der Werke Hebels.  Auch Städte und Gemeinden in der Schweiz und in Frankreich wollen sich beteiligen.

Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren, hier arbeitete seine Mutter Ursula als Magd, sein Vater Johann Jakob als Offiziersbursche. Als seinen eigentlichen Heimatort betrachtete Hebel aber zeit seines Lebens Hausen im Wiesental, das Dorf seiner Mutter. Diese zog ihn, nachdem der Vater im Juli 1761 an Typhus starb, alleine auf. Die junge Witwe tat alles dafür, damit es ihr Sohn einmal besser haben würde. Pfarrer sollte er werden. Doch die Erfüllung dieses Lebenstraums erlebte sie nicht: Sie starb im Beisein ihres 13-jährigen Sohnes, der mittlerweile wegen seiner hervorragenden Leistungen das Basler Gymnasium besuchen durfte.

Mitglied der ersten Kammer des badischen Landtags
Förderer sorgten dafür, dass der verwaiste Junge das renommierte „Gymnasium illustre“ in der Residenzstadt Karlsruhe besuchen konnte.
Der Schulzeit folgten 1778 ein zweijähriges Theologiestudium in Erlangen und die Hilfslehrertätigkeit in Lörrach. Zu seinem Lebensmittelpunkt wurde dann die wenig geliebte badische Residenz. Als Subdiakon kehrte er 1791 an das Karlsruher Gymnasium zurück, dessen Rektor er 1808 wurde. Mit seinen Predigten als Hofdiakon machte er im aufgeklärten badischen Fürstenhaus Eindruck, und 1819 wurde er Prälat der lutherischen Landeskirche, der er auch noch vorstand, als diese sich mit der reformierten Landeskirche Baden zur Evangelischen Landeskirche vereinigte. Als Prälat war Hebel Mitglied der ersten Kammer des badischen Landtags im Karlsruher Ständehaus, dem ersten deutschen Parlamentsgebäude.

Aber weder die zahlreichen Ämter und Würden und auch nicht die rege Beschäftigung mit der Botanik konnten ihn darüber hinwegtrösten, dass sein geliebtes Wiesental, in dem er so gern eine Pfarrei gehabt hätte, in immer weitere Ferne gerückt war. In Karlsruhe verfasste er die „Alemannischen Gedichte“ in der Mundart seiner Heimat. Da der Dialekt als Sprache der Ungebildeten galt, erschien der Gedichtband 1803 zunächst noch anonym, erst in den weiteren Auflagen wurde der Verfasser genannt. In den Gedichten stellte er nicht nur Land und Leute dar, er sinnierte unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter immer noch in einer Art Zwiegespräch von „Ätti“ (Großvater) und „Bueb“ (Junge) über Tod und Vergänglichkeit - und pries die tröstende Allgegenwart der Natur.

1807 übernahm er die Redaktion des traditionsreichen lutherischen „Landkalenders“, für den er lehrreiche und zugleich humorvollen Geschichten verfasste. Damit sorgte Hebel dafür, dass der in „Rheinländischer Hausfreund“ umbenannte Kalender zur beliebten und oft auch einzigen Lektüre der einfachen Landbevölkerung wurde. Das „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“, eine 1811 erschienene Sammlung der besten Kalendergeschichten, die sich zum Bestseller entwickelte, gehört zweifellos zum Kanon der deutschen Literatur.

Geschichten fanden Eingang in deutsche Schulbücher
Viele der Geschichten wie die vom „Kannitverstan“ fanden Eingang in deutsche Schulbücher. In der scheinbaren Einfachheit seiner Texte offenbart Hebel nach Ansicht seines Biografen Franz Littmann, der gerade an der Herausgabe des Gesamtwerks arbeitet, eine pragmatische Ethik des Hier und Jetzt. Littmann würdigt Hebels menschenfreundliche, alltagstaugliche Einstellung, die sich gegen dogmatische Erstarrung und fruchtlose Prinzipienreiterei gerichtet habe.

Hebel, der für ein evangelisches Schulbuch auch biblische Geschichten in eine für Kinder fassbare und spannende Form brachte, starb ehe- und kinderlos am 22. September 1826 während einer Dienstreise in Schwetzingen. Zahlreiche Denkmäler in Karlsruhe, Lörrach und Basel zeugen vom Nachruhm des sprachmächtigen Volksaufklärers. Viele Schulen - nicht nur in Südwestdeutschland - tragen seinen Namen. 1936 wurde der Johann-Peter-Hebel-Preis gestiftet, der alle zwei Jahre, mittlerweile vom Land Baden-Württemberg, an Dichter und Denker verliehen wird, die sich auf Hebels Spuren bewegen. Und die Gemeinde Hausen, in der noch das Häuschen seiner Mutter steht, verleiht seit 1960 die Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette für besondere Verdienste um die Oberrhein-Region.

(Peter Kohl / kna)

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