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7.7.2009

Bruder Paulus Terwitte zum Abschied von Michael Jackson

„Wenn ein Mensch stirbt, geht eine Welt unter“

Zehntausende Menschen waren am Dienstag live bei der Trauerfeier für Michael Jackson in Los Angeles dabei, Millionen an den TV-Schirmen und Internet. „Er hat Menschen berührt“, sagt Bruder Paulus Terwitte. Im domradio-Interview spricht der Kapuziner-Pater über den Tod und Rituale beim Abschied nehmen, über Schuld und Vergebung. „Christus wird auch einem Herrn Jackson ein Richter sein.“

Bild
  • Abschied von Michael Jackson: ''Der Tod ruft immer Menschen zusammen''

    Abschied von Michael Jackson: "Der Tod ruft immer Menschen zusammen" (©ddp)

Audio Beitrag
  • Ein Interview mit Bruder Paulus Terwitte (Kapuzinermönch und Autor): Christus wird auch einem Herrn Jackson ein Richter sein (7.7.2009)
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domradio: Eine Trauerfeier der Superlative. Was ist die Faszination an diesem Menschen - und vielleicht noch viel mehr am verstorbenen King of Pop?
Terwitte: Ich glaube, dass Michael Jackson wirklich ein Künstler gewesen ist, der gezeigt hat, dass Bewegung, Tanz und Gesang auf eine Bühne gehören und Menschen zusammen binden können. Er hat Menschen berührt in etwas, was uns allen gemeinsam ist: die Sehnsucht, Grenzen zu überschreiten, zu tanzen. Tänzer sind Menschen, die versuchen über diese Erde hinauszublicken. Und es war schon sehr faszinierend, wie er das geschafft hat.

domradio: 750 Millionen Zuschauer weltweit können die Veranstaltung im Staples Center am Fernseher verfolgen. Die Polizei stellt sich auf Hunderttausende Fans vor Ort ein. Warum wollen so viele mittrauern?
Terwitte: Man kann in diesem Fall wieder sehen, was wir schon bei anderen Verstorbenen erlebt haben - man denke nur an die Millionen Menschen, die um Papst Johannes Paul II. getrauert haben: Wenn ein Mensch stirbt, geht eine ganze Welt unter. Das gilt auch für den, der ganz alleine irgendwo beerdigt wird. Ein Mensch, der stirbt, nimmt immer ein Stück Welt mit und konfrontiert uns damit, dass das Leben auch zu Ende gehen kann. Und darum wollen sehr viele Fans auch daran teilhaben, auch weil natürlich eine Ära zu Ende gegangen ist. Da müssen Menschen einfach zusammenstehen. Der Tod ruft immer Menschen zusammen, die betroffen sind - um das Leben zu feiern.

domradio: Millionen von Menschen erweisen Jackson die letzte Ehre. Mit Riten, mit religiösen Elementen und allem drum und dran. Warum?
Terwitte: Gerade dann, wenn der Tod uns zusammenruft, spielt das Leben eine besondere Rolle, weil wir uns fragen: Hat das Leben einen Sinn? Gibt es eine Zukunft? Und natürlich werden wir heute eine nicht-religiöse Feier sehen. Aber gerade in den Religionen, im Christentum feiern wir ja nicht einen Verstorbenen, sondern wir feiern den auferstandenen Herrn Jesus, der den Tod für alle gestorben ist. Das unterscheidet uns grundsätzlich von so einem Spektakel, wie es heute gefeiert wird. Aber natürlich haben Menschen auch ein Recht darauf, angesichts des Todes vom Leben zu singen. Sonst hält man den Tod einfach nicht aus.

domradio: Neben der offiziellen Trauerfeier halten die Jacksons in aller Stille eine private Zeremonie auf dem Friedhof Forest Lawn in Los Angeles ab. Jackson war ein religiöser Mensch. Er ist ja auch Muslim geworden. Viele fragen sich jetzt vielleicht: Wie sieht das religiös aus - z.B. mit der Teilhabe an der Vollendung?
Terwitte: Ich glaube, dass in Christus die Welt erneuert ist und jeder Mensch zur Vollendung geführt werden wird - gleichwohl darf sich sehr wohl auch vorstellen, dass Christus auch einem Herrn Jackson ein Richter sein wird. Hoffentlich auch ein gnädiger Richter, der am Ende ihn zur Verantwortung zieht; wie er gelebt hat, wie er mit seiner Musik gearbeitet hat, wie er mit seinem Geld umgegangen ist, mit Kindern, mit seinen Frauen. Das sind Fragen, wo er zur Verantwortung gezogen wird. Und wir sprechen von dem Fegefeuer. Wir sprechen von den brennenden Fragen, die Jesus uns stellen wird. Jedem Menschen. Und da können wir nur hoffen, dass Jesus Michael Jackson ein gnädiger Richter ist, der ihm am Ende auch seine Schuld verzeiht.

domradio: Vor gut 15 Jahren wurde dem Popstar Kindesmissbrauch vorgeworfen. Nach einer Millionenzahlung an die Familie des damals klagenden Jugendlichen kam es aber nicht zum Prozess. Die Fans jubeln, der Zweifel bleibt. Wie steht es um das Thema Schuld und Verzeihen?
Terwitte: Ich glaube, dass jeder ein Stück Schuld, das er begangen hat in seinem Leben, mit in sein Grab nimmt. Und ich hoffe, dass Herr Jackson - wenn er denn so ein Vergehen begangen hat, was man bei diesen Millionenzahlungen ja einfach vermuten darf - sich bei dem Opfer entschuldigt hat. Dann muss er letztlich damit leben - wie auch das Opfer damit leben muss. Am Ende kann nur Gott Menschen versöhnen und verletzte Herzen heilen. Und schön wäre es, wenn es dann auch unter Menschen solche Zeichen gäbe. Aber  der Tod trifft oft jäh ein.  Also: Lieber jetzt schon die möglichen Versöhnungsgesten setzen, als so lange warten, bis der Tod uns überrascht.

Hören Sie hier das Gespräch in voller Länge.

(dr)

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