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14.6.2009

Islamische Banken versuchen in Kenia den Spagat

Geld und Moral

Seit 2008 bieten in Kenia zwei Banken ihre Dienste an, die vollständig nach islamischem Recht operieren. Nach der Scharia. Und mit Erfolg. Der gründet sich nicht zuletzt auf ein bislang ungenutztes Potenzial: Kenias Muslime. Denn die dürfen laut Scharia keine Zinsen zahlen oder erheben.

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  • Auf ihrer Homepage werben die Banken damit, entlang der Scharia zu agieren

    Auf ihrer Homepage werben die Banken damit, entlang der Scharia zu agieren

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  • Ein Interview mit Jan Kuhlmann (Journalist für Print und Hörfunk): Welchen Spielraum lässt Islamisches Recht? - Im Arabischen heißt Scharia "der Weg zur Wasserstelle" (13.5.2009)

Aufrecht sitzt Mohammad Haris im unpersönlich möblierten Beratungszimmer seiner Bank in Nairobi. Der Raum wirkt, als verirrten sich selten Besucher hierher. Dabei hat der Leiter der Abteilung für Firmenkunden bei der islamischen „Gulf African Bank“ eine Handvoll Trümpfe im Ärmel. Einen spielt er gleich aus: den Segen einer anderen Weltreligion. „Der Vatikan hat die Banken auf die ethischen Grundsätze der islamischen Finanzwirtschaft hingewiesen“, sagt Haris und zeigt sich überzeugt: „Das Ausmaß der weltweiten Finanzkrise wäre geringer, wenn konventionelle Banken verantwortungsvoller gewesen wären und - wie wir - auf Spekulationen verzichtet hätten.“

Die „Gulf African Bank“ ist die erste Bank in Ostafrika, die vollständig nach islamischem Recht, nach der Scharia, operiert. Anfang 2008 nahm sie in Kenia ihre Geschäfte auf. Kurze Zeit später folgte als zweite die „First Community Bank“. Gemeinsam haben die beiden Geldinstitute in Kenia nach nur einem Geschäftsjahr einen Marktanteil von einem Prozent: ein Ergebnis, das die kenianische Zentralbank als „Meilenstein“ lobt.

„Als Muslim ist es wichtig, das Richtige zu tun“
Der Erfolg gründet sich nicht zuletzt auf ein bislang ungenutztes
Potenzial: Kenias Muslime, also Schätzungen zufolge etwa dreieinhalb Millionen Menschen. Sie dürfen laut Scharia keine Zinsen zahlen oder erheben. „Ein Kredit bei einer konventionellen Bank kommt für gläubige Muslime also nicht in Frage“, sagt Ibrahim Murie Ibrahim, der seit einem Jahr ein Konto bei der „Gulf African Bank“ führt. „Von meiner früheren Bank habe ich nie Geld geliehen“, sagt er. „Als Muslim ist es wichtig, das Richtige zu tun.“

Der 27-jährige Mohammed Osman, der in Nairobi für die BBC arbeitet, ist zurückhaltender. Auch ihn haben die islamischen Prinzipien angezogen, und er eröffnete ein Sparkonto, mit dem die Bank ihn zu einem festgelegten Satz am Profit beteiligt. Sein laufendes Konto bei einer konventionellen internationalen Bank behält er aber. „Die Bank ist neu und hat kaum Erfahrung am Markt. Ich warte ab, wie sie sich entwickelt. Die etablierten Banken scheinen mir im Moment noch sicherer.“

Auf jeden Fall haben sie weniger moralische Leitlinien zu befolgen als Banker gemäß dem islamischen Recht. Demnach sind Zinsen, Spekulationen, Glücksspiel und Investitionen in bestimmte Bereiche wie Alkoholproduktion oder Handel mit Schweinefleisch verboten. Kapital soll zum Wohl der Gemeinschaft eingesetzt werden. Ausdrücklich erlaubt sind zwar der Handel und das Erzielen von Profiten damit. Doch aus der koranischen Ablehnung von Luxus und Reichtum um des Reichtums willen haben islamische Wirtschaftsethiker den Grundsatz hergeleitet, dass Gewinne möglichst reinvestiert werden und sozusagen „auf der Straße“ verbleiben sollen.

Der Unterschied ist das Verfahren
Eine typische Form islamischen Bankwesens ist das sogenannte Sukuk-System. Dabei fließen Anleihen für konkrete Projekte, für die der Geldgeber statt Zinsen eine Gewinnbeteiligung erhält. Umgekehrt wird auch bei Krediten das Zinsverbot umgangen: Die Bank kauft das vom Kunden gewünschte Produkt und verkauft es ihm zu einem höheren Preis weiter, der in Raten gezahlt wird. Handel ohne Zinsen und insofern erlaubt. Vergleiche in Kenia zeigen, dass diese Finanzierungen bei islamischen und konventionellen Instituten ähnlich viel kosten.

„Der Unterschied ist das Verfahren“, sagt Mohammad Haris, „und die Sicherheit.“ Spekulationen seien nicht erlaubt. Der Kunde werde Teilhaber der Bank; sein Geld sei demnach sicherer. Und, so ist der Banker überzeugt: „Islamische Banken sind auf diese Weise weniger von der globalen Finanzkrise betroffen.“ Er beziffert die Zahl der Konten bei seinem Institut auf derzeit 10.000. Davon gehörten 35 Prozent Nicht-Muslimen wie Nickson Ogonji, dessen Firma Bürobedarf vertreibt. Er ist zufrieden mit der Flexibilität der Bank, vermisst aber als Geschäftsmann doch den „schnellen Geldfluss“ seines früheren Kreditinstituts. „Wenn ein Kunde am selben Tag eine Lieferung braucht, und die Bank gibt mir kein Bargeld, dann habe ich ein Problem.“

(Anja Bengelstorff / kna)

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