27.8.2008
Papst verurteilt Gewalt gegen Christen in Indien
Angriffe auf die „Heiligkeit des menschlichen Lebens“
„Ich verurteile entschieden jeden Angriff auf das menschliche Leben, dessen Heiligkeit alle zu respektieren haben“, sagte Benedikt XVI. Zugleich bekundete er seine geistige Nähe zu den indischen Christen. Er bete für sie um den Beistand Gottes in dieser Zeit des Leidens. Sie sollten in ihrem „Dienst der Liebe zugunsten aller“ fortfahren, sagte der Papst.
Die religiös motivierten Ausschreitungen zwischen Christen und Hindus in Indien dauern derweil an. Bereits 14 Menschen seien dabei ums Leben gekommen, berichtete der indische TV-Sender NDTV am Mittwoch. Offiziell war von zehn Toten die Rede. Die Krawalle im indischen Bundesstaat Orissa hatten begonnen, nachdem am Wochenende ein radikaler Hindu-Führer getötet worden war. Zentrum des Aufruhrs ist der Kandhamal Distrikt. In der Region ist eine Ausgangssperre verhängt worden. Hunderte Polizisten sind im Einsatz.
Zwölf Kirchen wurden nach Angaben lokaler Medien in dieser Woche abgebrannt. „Die Situation hat sich in den vergangenen drei Tagen verschlechtert“, erklärte der Innenminister des Bundesstaates, Sri Prakash Jaiswal. Man habe im Moment Schwierigkeiten, Recht und Ordnung wiederherzustellen.
Der getötete Hindu-Führer Swami Laxmananand Saraswati betrieb in der labilen Region eine Kampagne gegen das Schlachten von Kühen und christliche Missionstätigkeit. Etwa 600.000 Menschen leben in dem bettelarmen Distrikt im Nordosten Indiens. 150.000 davon sind Christen. Die meisten von ihnen sind kastenlose Dalits, also Unberühbare.
Gewalt zwischen Christen und Hindus hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. 1999 wurde ein fünfköpfige australische Missionarsfamilie lebend in ihrem Auto verbrannt. Wenig später wurde ein Priester ermordet. An Heiligabend 2007 starben drei Menschen bei Ausschreitungen, nachdem gemeldet worden war, dass Saraswati von christlichen Extremisten attackiert worden sei.
(kna)
Audio Beitrag
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