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2.5.2008

Hitler-Attentäter Boeselager gestorben

Der Letzte vom 20. Juli 1944

Philipp von Boeselager war der letzte Überlebende aus dem inneren Kreis der Widerstandskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. In der Nacht zum Donnerstag ist der Freiherr im Alter von 90 Jahren gestorben. domradio.de blickt zurück auf das Leben des gläubigen Katholiken. - Hören Sie ihn außerdem in einem Interview vom 27. Juli 2004.

Bild
  • Philipp Freiherr von Boeselager

    Philipp Freiherr von Boeselager (©ddp)

Audio Beitrag
  • Ein Interview mit : Philipp Freiherr von Boeselager im domradio-Interview vom 20.07.2008 (2.5.2008)
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Die Inschrift ist eine Warnung vor dem Herdentrieb. „Et si omnes ego non“ steht auf den Balken des 1648 erbauten Fachwerkhauses im Schatten von Burg Kreuzberg im Ahrtal. „Und wenn alle, dann ich nicht.“ Was in Generationen zum Familienspruch geworden ist, hat im Leben des Hausherrn eine beklemmende Aktualität gewonnen. Philipp von Boeselager war der letzte Überlebende aus dem inneren Kreis der Widerstandskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. In der Nacht zum Donnerstag ist der Freiherr im Alter von 90 Jahren gestorben.

Zusammen mit seinem Bruder Georg war der damalige Major unmittelbar in die Pläne des Stauffenberg-Attentats auf Hitler einbezogen. Er besorgte den Sprengstoff zum „Unternehmen Walküre“, mit dem Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beseitigt werden sollte. Doch das Attentat scheiterte. Viele der Verschwörer wurden hingerichtet.

„Es war eine Zeit voller persönlicher Ängste, in der man täglich einsamer wurde“, erinnerte er sich im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) an die Zeit nach dem Attentat. Der Verlust von Freunden aus dem Widerstandskreis, die Angst um die Familie, die Sorge, entdeckt zu werden, und die Frage, warum ausgerechnet man selbst als einer von wenigen überlebt hatte - das alles nagte am Selbstbewusstsein. „Die Überlebenden einer Tragödie sind niemals deren Helden“, hat von Boeselager selbstkritisch geschrieben.

Ein erstes Attentat scheitert
Sein Nachdenken über das Verbrecherische des Naziregimes begann im Frühjahr 1942: Als Ordonnanzoffizier von Generalfeldmarschall von Kluge an der Ostfront eingesetzt, erfuhr der Freiherr erstmals, dass Juden und Zigeuner systematisch umgebracht wurden. Begegnungen mit hohen SS- und Naziführern überzeugten ihn davon, wie gewissenlos die Partei mit Menschenleben und religiösen Überzeugungen umging. 1942 schlossen sich die beiden Brüder Boeselager einer Widerstandsgruppe an, die sich innerhalb der Heeresgruppe Mitte um Generalmajor Henning von Tresckow bildete.

Ein erstes, für den 13. März 1943 geplantes Pistolen-Attentat scheiterte, weil Hitler ohne SS-Führer Heinrich Himmler die Heeresgruppe Mitte besuchte und die Attentäter Wert darauf legten, auch Himmler zu töten. Auch am 20. Juli 1944 hatte Hitler unglaubliches Glück. Boeselager , der einen Gewaltritt hinter sich hatte, um rechtzeitig in Berlin zu sein, kehrte unbemerkt wieder an die Ostfront zurück. Der Freiherr geriet nicht in die Fänge der Gestapo, weil Tresckow Selbstmord verübte und Widerstandskämpfer Fabian von Schlabrendorff auch unter Folter keine Namen preisgab.

Rheinischer Katholik
„Vom obrigkeitstreuen Spross des rheinischen grundbesitzenden Adels zum Sprengstoffschmuggler und Hochverräter“ - so hat ein Historiker den Weg Boeselagers in den Widerstand charakterisiert. Das Wörtchen „obrigkeitstreu“ wies der Freiherr zurück. „Als rheinischer Katholik war man alles andere als Preußen-hörig“, darauf bestand er ausdrücklich.

Deutsch-nationales Denken allerdings war während der Weimarer Republik nicht verpönt am linken Rheinufer. „Dass der Staat als solcher unrecht und unmoralisch handeln könnte, dieser Gedanke passte damals einfach nicht in unsere Köpfe“, sagte Boeselager. Selbst nach den Pogromen gegen die Juden im November 1938 hoffte er noch, dass die staatlichen Institutionen gegen die SA durchgriffen. Dass der Freiherr trotz allem schließlich zum Widerstand bereit war, führt er nicht zuletzt auf seine Erziehung im von Jesuiten geleiteten Gymnasium in Bad Godesberg zurück. „Die haben uns beigebracht, viele Fragezeichen zu machen“, erinnerte er sich.

(Christoph Arens / kna)

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