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Hans-Bernd Serries Samstag,
4. Februar
Mk 6,30-34

Hans-Bernd Serries


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18.4.2008

Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner im Interview

Sydney, Tarsus, Köln

In drei Monaten beginnt der Weltjugendtag mit Papst Benedikt XVI. in Australien. Auch der Gastgeber des Vorgängertreffens 2005 in Köln, Kardinal Joachim Meisner, wird nach Sydney reisen. Im Interview mit Katholischen Nachrichten-Agentur spricht er über seine Erwartungen, das Pontifikat Benedikts XVI., den Wunsch nach einer Kirche im türkischen Tarsus und die Zeit nach seinem 75. Geburtstag im Dezember.

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  • ''WJT-Mittelpunkt ist nicht der Papst, sondern Jesus''

    "WJT-Mittelpunkt ist nicht der Papst, sondern Jesus" foto:Foxius (©domradio)

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KNA: Herr Kardinal, der nächste Weltjugendtag steht vor der Tür: Auch Sie reisen im Juli nach Sydney. Was erwarten Sie?

Meisner: Ich reise mit der großen Erwartung, vielen jungen Menschen zu begegnen, und ich hoffe, in den Katechesen, die ich auf Einladung der Veranstalter abhalte, die jungen Zuhörer im Glauben zu bestärken und auch selbst bestärkt zu werden. Ich fahre natürlich nicht allein, sondern mit 600 Jugendlichen aus dem Erzbistum. Wir bringen zudem 50 litauische Jugendliche auf unsere Kosten mit. Köln stellt die größte Gruppe der deutschen Diözesen, was sich wohl auch gehört. Schließlich waren wir Gastgeber des vorherigen Weltjugendtags 2005. Nachdem dieser hinter uns liegt und viele sagen, es sei der schönste gewesen, fahre ich mit viel Rückenwind nach Australien.

KNA: Sydney erwartet 300.000 Teilnehmer, in Köln war es eine Million Menschen. Macht das einen Unterschied?

Meisner: Nein, die Zahl der Jünger spielte auch im Neuen Testament nicht die Hauptrolle. Man muss außerdem in Relation setzen, dass Australien viel dünner besiedelt ist als Deutschland und die Katholikenzahl dort erheblich niedriger liegt. Wenn man das prozentual umrechnet, schneidet Australien nicht schlecht ab. Und überlegen Sie: 300.000 Menschen hier auf dem Kölner Domplatz sind auch schon eine gewaltige Menge - die würden dort gar nicht hin passen.

KNA: Bislang sind 125.000 Pilger aus 170 Ländern angemeldet. Ist die Mobilisierung in Deutschland ausreichend?

Meisner: Die Diözesen haben sich viel Mühe gemacht, die Reise möglich zu machen, denn die Kosten liegen mit 2.000 Euro sehr hoch. Die Jugendlichen reisen ja einmal um die Welt. Aber es soll keine Wallfahrt nur für Wohlhabende sein. Ich weiß, dass viele Teilnehmer sich das Geld mit Jobben verdienen und dafür auf andere Dinge verzichten. Ich habe darüber hinaus Privatpersonen und Firmen um Spenden gebeten und noch einmal selbst tief in die Tasche gegriffen, so dass wir jedem, der mitfährt, 300 Euro extra geben können. Wer schon mal nach Australien reist, will ja auch etwas vom Land sehen, so dass es auch noch zwei Angebote gibt, die Reise um fünf bzw. elf Tage zu verlängern, was dann noch weitere Kosten mit sich bringt.

KNA: Werden Sie in Sydney mit Papst Benedikt XVI. sprechen?

Meisner: Ich werde ihm sicher zumindest „Grüß Gott“ sagen. Aber der Papst ist in diesen Tagen für die Jugend da und nicht für die Kardinäle. Hier in Köln bin ich ihm oft begegnet, weil er ja in meinem Haus wohnte. Aber der Mittelpunkt der Weltjugendtage ist nicht der Papst, sondern Jesus Christus. Der Papst führt uns zu ihm hin.

KNA: Ist dieses Verständnis prägend für sein Pontifikat, das am Samstag vor drei Jahren mit seiner Wahl begann?

Meisner: Ja, in seinen Lehrschreiben und Ansprachen sowie in seinem Jesus-Buch geht es ihm immer wieder darum, die Menschen zu Jesus hinzuführen. In einer multireligiösen Welt ist es wichtig, den christlichen Glauben zu verkünden. Denn Jesus Christus ist Lehrer, Priester und Hirt außer Konkurrenz. Manche sagen, der Jesus der Bibel sei ein genialer Mensch, aber er sei nicht Gott, das habe nur die Kirche hineingeheimnist. Der Papst will aber deutlich zeigen, dass der historische Jesus und der Jesus des Glaubens identisch sind.
Damit hat Papst Benedikt XVI. den Gläubigen eine ungeheure Stützung ihres Glaubens gegeben. Es ist ja ein besonderes Phänomen, dass sich seit seiner Wahl die Zahl der Pilger in Rom vervielfacht hat, die den Papst hören wollen. Seine Schriften werden in allen Sprachen verbreitet. Der Papst ist unüberhörbar. Er ist der Welt ein wirklicher Lehrer geworden. In dem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass der Islam seit der Regensburger Rede des Papstes den theologischen Dialog mit dem Christentum begonnen hat. Das ist auch schon eine Frucht des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. und seiner theologischen Arbeit aus vielen Jahren als Präfekt der Glaubenskongregation.

KNA: Demnächst wird die dritte Enzyklika des Papstes erwartet. Welche Botschaft wird er den Gläubigen übermitteln?

Meisner: Man sagt, es werde sich um eine Sozialenzyklika handeln. Ich weiß es nicht. Ganz bestimmt wird es aber wieder ein Text sein, den es zu lesen lohnt - genau wie die beiden ersten Enzykliken.

KNA: Eine Frage zum Paulusjahr 2008: Hat der türkische Ministerpräsident schon auf Ihre Bitte geantwortet, den Bau einer Kirche in Tarsus, am Geburtsort des Apostels, zu unterstützen?

Meisner: Ja, es gibt eine erste Antwort. Sie entspricht aber noch nicht den Erwartungen und Hoffnungen der katholischen Kirche. Wir bleiben weiter in Verhandlungen. Soviel kann ich dazu im Moment sagen.

KNA: Im Dezember werden Sie 75 Jahre alt, dann müssen Sie formal Ihren Rücktritt einreichen. Möchten Sie auch darüber hinaus Erzbischof von Köln sein, wenn der Papst Sie darum bittet?

Meisner: Wenn der Papst mich darum bittet, ist das gar keine Frage.
Dann ist das für mich selbstverständlich. Ich bin in dieser Frage wirklich ganz offen. Wenn ich emeritiert würde, hätte ich weiterhin viel Arbeit. Ich will zwei Bücher schreiben und möchte mich mehr um kranke und einsame Priester kümmern. Das liegt mir sehr am Herzen. Im September werde ich dem Papst also schreiben: Es ist soweit, entscheide du, und ich tue, was du willst.

KNA: Wünschen Sie sich, dass der Papst Sie zu bleiben bittet?

Meisner: Ich bin ganz offen. Unabhängig davon, ob man 75 Jahre wird oder nicht: Man kann noch 10 Jahre leben oder 10 Tage oder 10 Stunden. Dadurch, dass man immer damit rechnet, von Gott abberufen zu werden, lebt man intensiver.

(Viola van Melis / kna)

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