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Hans-Bernd Serries Samstag,
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Mk 6,30-34

Hans-Bernd Serries


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30.3.2008

Exotische Insekten bedrohen Italiens Wälder

Blinde Passagiere

Die wohl gehegten Palmen der Vatikanischen Gärten gehören zu den Schätzen Roms, die nur mit Führung und Sondererlaubnis zu besichtigen sind: Jetzt aber bedrohen exotische Insekten die grünen Anlagen. Die Schädlinge, die sich dank Klimawandel und globalisierten Reisen von Nordafrika her ausbreiten, haben es nicht nur auf die Baumbestände des Kirchenstaats abgesehen, auch die Pinienwälder in der Toskana zwischen Florenz, Siena und Grosseto sind bedroht.

Bild
  • Pinien in der Toskana sterben nach Befall afrikanischer Schädlinge

    Pinien in der Toskana sterben nach Befall afrikanischer Schädlinge

Innerhalb von zwei Jahren zerstörte die Schildlausart Matsucoccus Fetayudi 200 Hektar Pinienhaine in der Toskana. Die aus Marokko über Südspanien und Frankreich nach Italien gelangte Insektenart ähnelt geflügelten Ameisen und ernährt sich vom Pflanzensaft der Pinien, in deren Rinde sie sich ansiedeln.

Aufruf an Biologen aus aller Welt
Ein Forschungsprojekt in der Nähe von Pisa bemühte sich bislang vergeblich, Insektenfallen zu entwickeln, die in durchsichtigen Plastikplanen rund um den Stamm gelegt wurden. Wenn die befallenen Bäume nicht vorher abgeholzt werden, sterben sie innerhalb von drei bis fünf Jahren ab.

„Sie sehen aus, als seien sie Opfer von Napalm oder saurem Regen geworden“, klagt Erasmo DAngelis, der Präsident der Umweltkommission der Region Toskana. Da es noch keine wirksamen Schädlingsbekämpfungsmittel gibt, sind die befallenen Bäume nicht zu retten und müssten abgeholzt werden. In der Not lancierte DAngelis im Internetportal YouTube eine Videobotschaft, in der er Biologen aus aller Welt in die Toskana einlädt, um dort resistente Piniensorten zu entwickeln.

„Nur die Spitze eines Eisbergs“
Schildläuse und andere Schädlinge finden demnach in Italien besonders günstige Lebensbedingungen vor, weil es noch keine natürlichen Feinde gibt. Die beginnende Zerstörung der Wälder zwischen Adria und tyrrhenischem Meer sei „nur die Spitze eines Eisbergs“, fürchtet der Insektenforscher Filippo Maria Buzzetti von der Universität Padua. „Wir versuchen, resistente Pflanzenarten zu züchten und Insektengift in die Bäume zu injizieren, aber bislang bleibt die Eliminierung der Befallsherde die einzige Lösung.“

Gemeinsam mit den Pinien-Schildläusen und einem Dutzend anderer Schädlinge gelangten die Roten Palmen-Rüsselkäfer, die die Vatikanischen Gärten bedrohen, in den letzten Jahren verstärkt von nordafrikanischen Küsten nach Italien. Die Käfer nisten in den Trieben der Palmen und töten diese, indem sich von deren Mark ernähren. „Die Palmblätter vertrocknen und fallen ab, wie kaputte Regenschirme“, sagt der Insektenforscher Buzzetti.

Die exotischen Parasiten aus Nordafrika seien klein, tödlich und unaufhaltsam, beklagen Biologen. Allein in der Toskana fielen bereits 10.000 Pinien den exotischen Insekten zum Opfer. Doch auch Palmenhaine in Ligurien, Sizilien und Apulien sind von den fremdartigen Parasiten bedroht. Die Erderwärmung sorgt mit höheren Temperaturen in Südeuropa als früher für ein günstiges Umfeld. Als blinde Passagiere nutzen die kleinen Tiere den wachsendem internationalen Güterverkehr. So gelangen die Larven etwa im Gepäck von Holzimporten nach Südeuropa oder in afrikanischen Pflanzen, die
in italienischen Baumschulen verkauft werden.

(epd)

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