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Hans-Bernd Serries Samstag,
4. Februar
Mk 6,30-34

Hans-Bernd Serries


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29.2.2008

Das Deutsche Institut für Menschenrechte im domradio zum Islam-Bild der Deutschen

„Es geht um Fairness“

Umfragen zeigen immer wieder: Deutsche haben starke Vorurteile gegenüber dem Islam gibt. Zu diesem negativen Islambild in Deutschland fand in dieser Woche eine Tagung des Innenministeriums statt. Professor Heiner Bielefeldt ist Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Im domradio sprach er über das Islambild der Deutschen und die Ergebnisse der Tagung.

Bild
  • ''Die Normalität des gelebten Islams wird wenig zur Kenntnis genommen''

    "Die Normalität des gelebten Islams wird wenig zur Kenntnis genommen" (©ddp)

Audio Beitrag
  • Ein Interview mit Prof. Dr. Heiner Bielefeldt (Deutsches Institut für Menschenrechte): Zum Islam-Bild der Deutschen (29.2.2008)
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Links
  • Deutsches Institut für Menschenrechte

domradio: Offenbar wird der Islam mit Fundamentalismus, Gewalt und Frauenfeindlichkeit gleichgesetzt. Inwieweit treffen diese Vorurteile zu?

Heiner Bielefeldt: Es gibt natürlich all diese Phänomene: Es Gewalt im Namen des Islams, es gibt Frauenfeindlichkeit im Namen des Islams, es gibt sehr traditionelle Familienstrukturen in islamischen Milieus. Die gibt es aber auch in Deutschland. Das Problem ist, dass das nicht nur Kenntnis genommen wird, sondern immer gleich mit dem Wesen des Islams in Verbindung gebracht wird. Bei ähnlichen Phänomenen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Christentum, da wissen wir zu unterscheiden. Da ist einmal die christliche Botschaft und dann gibt es Gewaltphänomene auch in der christlichen Geschichte. Wir wissen das zu unterscheiden. Beim Islam gilt dies dann immer als Indiz, dass der Islam ja eigentlich so sei. Deshalb wird es viel intensiver wahrgenommen. Wie gesagt: Die Realität kann man nicht beschönigen. Aber der gewalthaltige Teil wird fürs Ganze genommen. Und die vielen nicht an Gewalt interessierten Muslime - die große Mehrheit der Muslime in Deutschland - kommen gar nicht mehr zum Zuge.

domradio: Sie haben einige Vorurteile genannt - gibt es noch weitere?

Heiner Bielefeldt: Es ist schon auffallend, dass bei den Umfragen vor allem das Geschlechterverhältnis negativ angesprochen wird. Die Unterdrückung der Frau stärker noch als Demokratiedistanz, die man dem Islam unterstellt, und den Fanatismus.  

domradio: In einer Ihrer Veröffentlichungen schreiben Sie, dass die Skepsis gegenüber dem Islam in allen politischen Lagern und den verschiedensten Schichten der Bevölkerung verankert ist. Was sind die Gründe für diese negative Einstellung?

Heiner Bielefeldt: Es gibt einerseits Ängste. Der 11.9.2001 wird als Zäsur genommen - und meiner Meinung nach damit aber auch überschätzt. Denn es gab auch andere Phänomene: Ehrenmorde, die Ermordung Theo van Goghs, eines sehr scharfen Islamkritikers in Holland. Was dagegen zu wenig zu Wort kommt und ins Bild gesetzt wird, ist die undramatische Normalität unseres Zusammenlebens. Es gibt in Deutschland und auch in anderen Ländern eine ganz große Mehrheit von Muslimen, die völlig normal leben. Da gibt es keine Gewaltaffinität oder massive Unterdrückungen muslimischer Frauen. Diese Normalität wird wenig zur Kenntnis genommen. Auch, dass es Gruppierungen gibt, die sich um Reformen bemühen.

domradio: Wie kann man mit den Vorurteilen umgehen? Wie soll man mit ihnen umgehen?

Heiner Bielefeldt: Auf keinen Fall sollte man die Artikulation einer Skepsis unterdrücken. Zu sagen, darüber dürfe man nicht reden, das führt nicht weiter. Aber man sollte sich dann bemühen, fair und genau darüber zu reden. Manchmal, wenn man Differenzierung anmahnt, klingt das furchtbar akademisch. Aber darum geht es nicht. Es geht um Fairness.

domradio: Am Donnerstag haben Sie mit verschiedenen Experten über dieses Thema diskutiert. Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Heiner Bielefeldt: Es wurde deutlich: Muslime müssen selber stärker in den Medien mitmachen. Um genau die Vielfalt, die im gelebten Islam gibt, darzustellen. In den Medien selber muss der Islam mehr Normalität werden.

(dr)

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