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6.2.2012

Obdachlose und sozial Schwache feiern in der Wolkenburg zu Köln

Für ein paar Stunden alles vergessen

Einmal eine richtige Karnevalssitzung besuchen. Diesen Traum erfüllte das Kölner Husaren-Korps schon zum dritten Mal rund 400 Obdachlosen und sozial schwachen Jecken. Nach dem Motto "Jedem Jeck sing Pappnas" verteilten die ehrenamtlichen Karnevalisten "jecke Büggel" an ihre Gäste: Beutel mit Karnevalsutensilien wie Schminkstiften und Pappnase.

Bei den Kölner Husaren ist jeder willkommen (© dr )

Bei den Kölner Husaren ist jeder willkommen (© dr)

Der Festsaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt (© dr )
Bildergalerie ansehen (12 Bilder): Karnevalssitzung für Obdachlose und sozial Schwache (© dr)

Die meisten Gäste waren ohne Kostüm zur Sitzung gekommen. So auch Peter Schmitz: Der 71-jährige Rentner wartete in seiner Trainingsjacke und gestützt auf eine Krücke vor der Wolkenburg auf Einlass. "Ich habe eine kleine Rente und meine Frau ist krank. Da kommt man im Monat auf einen zu kleinen Satz!", erklärte er. So wie ihm ging es vielen der Besucher. Sie alle sind in eine soziale Schieflage geraten und konnten sich den Einritt zu einer normalen Karnevalssitzung nicht leisten. Die Einladung des Kölner Husaren-Korps von 1972 e.V. war für viele ein echter Lichtblick.

Ganz ohne Gage
Neben einem warmen Mittagessen und alkoholfreien Getränken erwartete die Gäste ein attraktives Sitzungsprogramm. "Das ist kein Programm zweiter Wahl", erklärte die Gründerin und Leiterin der Obdachlosensitzung, Helga Grube. Neben Jupp Menth, bekannt als "ne Kölsche Schutzmann", stand auch Martin Schopps auf der Bühne. Sie alle traten ohne Gage auf. Auch der Festsaal und die Getränke in der Wolkenburg wurden vom Besitzer kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Bedienung der jecken Gäste übernahmen die Damen vom Kölner Husaren-Korps selbst. Mit ihrem Engagement verfolgen sie an diesem Nachmittag das Ziel, Menschen in schwierigen Situationen für wenige Stunden vom Alltag abzulenken und ihnen Freude und Spaß am Karneval zu vermitteln.

Und auch finanzielle Unterstützung hatte der engagierte Verein: Die Bayer Cares Foundation, die Sozialstiftung von Bayer, übergab den Kölner Husaren 4.000 Euro für die Umsetzung der Obdachlosensitzung. "Wir haben gesagt: Wer feiern kann, kann auch helfen", erklärte Bayer-Mitarbeiterin Susanne Wehner. Die Unterstützung der Karnevalssitzung des Kölner Husaren-Korps ist eines von zwölf sozialen Projekten, die die Bayer Cares Foundation in ihr Ehrenamtsprogramm aufgenommen hat. Immer wieder ist die Stiftung auf der Suche nach unterstützungswürdigen Projekten. Unter der Vorraussetzung, dass sich der Antragsteller - ob Bayer-Mitarbeiter, Bayer-Pensionär oder ein Bürger - persönlich für das Projekt engagiert und einen konkreten Projekt- und Kostenplan vorstellen kann.

Hoher Besuch
Gegen 14 Uhr war es dann soweit: Das Kölner Dreigestirn zog in den Festsaal der Wolkenburg ein. Schon ein paar Tage zuvor waren Prinz Marcus II, die Kölner Jungfrau Olivia und Bauer Thorsten bei einem von den Husaren veranstalteten Obdachlosenfrühstück dabei gewesen. "Ein paar Gesichter habe ich schon wiedererkannt", sagte Prinz Marcus II bei seiner Begrüßung. Für das Dreigestirn war die Obdachlosensitzung ein absoluter Pflichttermin: "Soziales Engagement haben wir uns ganz oben auf unsere Fahne geschrieben! Diese Sitzung ist eine tolle Sache", so Prinz Marcus II. Und das Motto der diesjährigen Session passt da natürlich super ins Programm. "Eine Pappnas kann sich eigentlich jeder leisten", so Brigitte Kypke, Schatzmeisterin beim Kölner Husaren-Korps.

( Verena Tröster / dr )