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28.1.2012

Fonds finanziert seit zehn Jahren Kampf gegen Aids und Tuberkulose

Wichtigste Waffe gegen Infektionskrankheiten

Die Menschheit habe zu viel Energie für unbedeutende Ziele verschwendet, beklagt Microsoft-Gründer Bill Gates. Der Multimilliardär hat mit viel Geld Pate gestanden, als vor zehn Jahren, am 28. Januar 2002, der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria aus der Taufe gehoben wurde.

Tuberkulose: Krankheit der Armen (© kna )

Tuberkulose: Krankheit der Armen (© kna)

Der 2001 von den acht größten Industrienationen beschlossene Fonds ist eine ziemlich einzigartige Mischung von privater, öffentlicher und staatlicher Partnerschaft. Deutsche Nichtregierungsorganisationen würdigten ihn am Freitag als "das wichtigste, erfolgreichste und effektivste Instrument" zur Bekämpfung der drei verheerenden Infektionskrankheiten. Rund 22,6 Milliarden US-Dollar (Tageskurs 16,4 Milliarden Euro) hat er im vergangenen Jahrzehnt in Gesundheitsprogramme in 150 Ländern gesteckt. Damit seien fast ein Viertel aller Mittel zur Aidsbekämpfung, zwei Drittel aller Gelder gegen Malaria und sogar vier Fünftel aller Maßnahmen gegen Tuberkulose finanziert worden.

Eigene Bilanz: 7,7 Millionen Leben gerettet
Der Fonds selbst lobt sich dafür, 7,7 Millionen Menschenleben gerettet zu haben: durch Finanzierung von Aidsmedikamenten für 3,3 Millionen Menschen, Tuberkulose-Bekämpfung für 8,6 Millionen Menschen und die Finanzierung von 230 Millionen Moskitonetzen zur Vorbeugung von Malaria. Bei TB beispielsweise werde die Sterblichkeit zwischen 1990 und 2015 nahezu halbiert werden. Allein Gates hat den Fonds mit 650 Millionen Dollar (473 Millionen Euro) unterstützt; erst am Donnerstag sagte er weitere 750 Millionen Dollar (546 Millionen Euro) zu.

Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt: Nach Korruptionsvorwürfen kündigte am Dienstag der Leiter des Fonds, Michel Kazatchkine, seinen Rücktritt an. Deutschlands Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) reagierte erleichtert und forderte am Freitag einen Neuanfang. Nur dann werde Deutschland weiter mit dem Fonds zusammenarbeiten. Ende 2010 war bekanntgeworden, dass in mehreren afrikanischen Ländern Millionen Dollar Fonds-Geld veruntreut worden waren. Deutschland und Schweden hatten daraufhin Zahlungen vorerst gestoppt, sie jedoch nach internen Reformen des Fonds wieder aufgenommen. Deutschland unterstützte das Projekt 2011 mit 200 Millionen Euro; für 2012 sind Zahlungen in gleicher Höhe zugesagt, wurden aber von der Durchsetzung von Reformen abhängig gemacht.

Hilfsorganisationen beklagten am Freitag dennoch eine nachlassende Unterstützung der Geber. "Ärzte ohne Grenzen" etwa verwies auf die Situation im Kongo. Schon jetzt erhielten 85 Prozent der Aids-Kranken dort keine lebensrettenden Medikamente mehr, weil die Hilfe spürbar zurückgehe. "Das wird in den nächsten Jahren Tausende Patienten das Leben kosten. Diese Situation ist unerträglich", sagte der Referent der Medikamentenkampagne der Organisation, Philipp Frisch.

Wieczorek-Zeul: Arbeit ist gefährdet
Auch die frühere Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und das Aktionsbündnis gegen Aids warnten, die erfolgreiche Arbeit sei gefährdet. Die Geber hätten dem Fonds für die Zeit zwischen 2011 und 2013 nur etwa die Hälfte des eigentlichen Finanzierungsbedarfs zugesagt, so die Aids-Stiftung. Und auch dabei sei noch offen, ob diese Versprechen eingelöst würden.

Wieczorek-Zeul verwies darauf, dass der Fonds zum ersten Mal in seiner Geschichte eine neue Finanzierungsrunde streichen musste. "Dies bedeutet, dass bis 2014 keine Aufnahme von neuen Behandlungs- und Präventionsprogrammen möglich sein wird. Dies ist ein schwerer Rückschlag auf dem Weg zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele der UNO."

Der Fonds selbst hat unterdessen eine neue Strategie verabschiedet. Die Finanzierung müsse vorhersehbarer und berechenbarer werden, heißt es. Zudem soll gezielt in Regionen investiert werden, in denen es hohe Krankheitsraten und gute Erfolgschancen gibt.

( Christoph Arens / kna )