8.1.2012
Nach der anhaltenden Gewalt leben die Christen in Nigeria in Angst
Land in der Zerreißprobe
Die nigerianischen Sicherheitskräfte seien überfordert und könnten den Schutz der Menschen nicht garantieren, erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Sonntag in Göttingen. Das Misstrauen zwischen Christen und Muslimen nehme zu. So seien Tausende christliche Ibo aus dem mehrheitlich muslimischen Norden auf der Flucht, und auch im Süden gehe die Migration muslimischer Haussa in den Norden weiter. "Nigeria droht eine Zerreißprobe. Das Land steht vor der schwersten Prüfung seiner Einheit seit dem Völkermord in Biafra vor mehr als 40 Jahren", sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.
Bei einer Serie von Anschlägen der islamistischen Gruppe Boko Haram gegen Christen sind seit Weihnachten mehr als 80 Menschen getötet worden. Auch der Vorsitzende der "Christlichen Vereinigung in Nigeria (CAN)", Ayo Oritsejafor, warnte am Wochenende laut GfbV vor "ethnisch oder religiös begründeten Säuberungen" im Norden Nigerias.
Christen in Angst
Unter den Christen herrsche die Angst vor neuen Angriffen der Boko Haram, die in ganz Nigeria das islamische Scharia-Recht einführen will. Sowohl Sprecher der Ibo als auch der Yoruba kündigten an, dass ihre ethnischen Gemeinschaften weitere Gewalt von Boko Haram nicht tatenlos hinnehmen wollten und sich nun selbst gegen neue Übergriffe auf Christen schützen würden.
Aus dem Süden sollen nach Angaben des Vereins der Viehzüchter von Asaba (Bundesstaat Delta) bereits mehr als 10.000 muslimische Haussa aus Angst vor Vergeltungsangriffen von Christen nach Norden geflohen sein. Die Aufmerksamkeit der Regierung von Staatspräsident Goodluck Jonathan, einem Christen, richte sich indes nur auf das eigene politische Überleben, so Delius. Gewerkschaften, Oppositionsparteien und Bürgerrechtler haben für die kommende Woche zu einem Generalstreik und zu Massenprotesten wegen der drastischen Erhöhung der Benzinpreise und der Kürzung von staatlichen Hilfen aufgerufen.
( kna / dr )