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Hans-Bernd Serries Samstag,
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Mk 6,30-34

Hans-Bernd Serries


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8.9.2010

Neue Mainzer Synagoge eingeweiht

„Haus des Lebens und Betens“

Auf Plakaten hatten Mainzer Bürger kundgetan: „Mainz freut sich über die Synagoge“. Am Freitag wurde die neue Synagoge eingeweiht - knapp 72 Jahre nach der Zerstörung der Mainzer Hauptsynagoge durch die Nationalsozialisten und auf den Tag genau 98 Jahre nach der Einweihung dieser Synagoge am 3. September 1912.

Bild
  • Futuristische Architektur: Neue Synagoge in Mainz

    Futuristische Architektur: Neue Synagoge in Mainz (©ddp)

  • Christian Wulff: Ein Präsident in der neuen Synagoge

    Christian Wulff: Ein Präsident in der neuen Synagoge (©ddp)

Audio Beitrag
  • Ein Interview mit Günther Bernd Ginzel (Publizist): Zum Stand des Judentums im heutigen Deutschland (3.9.2010)
Links
  • Jüdische Gemeinde Mainz

Das neue Gotteshaus entstand nach einem international beachteten Entwurf des Architekten Manuel Herz. Zur Einweihung kamen auch Bundespräsident Christian Wulff, der Botschafter Israels in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Kardinal Karl Lehmann, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (beide SPD).

Die neue Synagoge mit Gemeindezentrum hat ihren Platz dort, wo die von den Nazis niedergebrannte Hauptsynagoge stand, an die noch Säulenreste erinnern. Schon steht die neue Synagoge im Ruf einer Sehenswürdigkeit, gilt sie als ein „architektonisches Schmuckstück“.
Zentralrats-Präsidentin Knobloch spricht von einem „markanten und beeindruckenden Bau“.

Platz für 400 Gläubige
Er habe ein „skulpturales Volumen“ gestaltet, sagt Architekt Manuel Herz. Die über 400 Menschen Platz bietende Synagoge ist das zentrale und auch optisch herausragende Element des neuen Jüdischen Gemeindezentrums. Die gezackte Silhouette des Gebäudes erinnert an die hebräischen Buchstaben des Wortes „Kedushah“; es bedeutet heiligen, erhöhen. Die Außenwände sind mit Keramik verkleidet, grün-blau glasiert. Auch deren Struktur hat mit Schrift zu tun, mit einer Schrift, die man einritzt in eine Wandfläche. Die Gestalt des
26 Meter hohen Turms ist einem Widderhorn nachempfunden, einem rituellen Zwecken dienenden Blasinstrument.

Im Grundstein befindet sich eine Urkunde, in der von einem „Haus des Lebens, Lernens, Lehrens und Betens“ die Rede ist. Die neue Synagoge möge, so heißt es, in der Tradition des alten Magenza - also Mainz - stehen, „das einst als richtungsweisende Lehrstätte des askenasischen Judentums in aller Welt bekannt war“.

Abfolge von Blüte und Verfolgung
Die Geschichte der Juden-Gemeinde zu Mainz ist eine Abfolge von Blüte und Verfolgung. Mainz und dazu Speyer und Worms sind Städtenamen, die auch noch heutzutage in der jüdischen Welt einen besonderen Klang haben. Zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert entwickelte sich hier ein geistiges und kulturelles Zentrum des Judentums, das „rheinische Jerusalem“. Dessen Rabbiner zählten zu den religiösen Autoritäten in Mitteleuropa. 1220 schlossen sich die Gemeinden zu einem Bündnis zusammen, nach den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städtenamen „SchUM“ genannt.

Immer wieder waren die mittelalterlichen Gemeinden gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt, nicht zuletzt von Kreuzfahrern. Was die nicht schafften, bewirkte die Judenverfolgung nach dem Ausbruch der Pest im Jahr 1349: Sie beendete die Blütezeit der Juden-Gemeinden am Rhein. Ein neuerliches Aus brachte dann die Nazizeit. Von den 1939 in Mainz lebenden Juden erlebte nur ein kleiner Teil das Kriegsende; fast 1.400 Mainzer Juden wurden ermordet. Nach dem Zuzug jüdischer Einwanderer aus Osteuropa zählt die Gemeinde jetzt über 1.000 Mitglieder.

Holocaust-Überlebende zu Gast
Zur Einweihung der neuen Synagoge waren über 40 Mainzer Juden, die den Holocaust überlebten, in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Nicht so der in Mainz geborene Rabbiner und Religionsphilosoph Leo Trepp, der seine Heimatstadt in den vergangenen Jahren so häufig besucht hatte. Trepp war am Donnerstag im Alter von 97 Jahren in San Francisco gestorben, wo er seit 1939 lebte.

Zum Auftakt der Einweihungsfeierlichkeiten wurden die Torarollen in einer Prozession zum neuen Gemeindezentrum gebracht. Am Türpfosten brachte Rabbiner Julian-Chaim Soussan gemäß der Tradition eine Bibelworte enthaltende Schriftkapsel an, und es wurde das Ewige Licht entzündet. Die Vorsitzende der Mainzer Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, dankte dem Architekten für eine Synagoge, „deren Schönheit uns den Atem raubt“.



(epd)

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