Radio hören

29.8.2010

Ein norddeutscher Pfarrer macht Urlauberseelsorge in Oberbayern

Mission Urlaub

Für die Schüler in Nordrhein-Westfalen enden an diesem Wochenende die Sommerferien. In Bayern haben sie noch zwei Wochen. 14 Tage, die auch Manfred Küchenmeister noch im Süden Deutschlands verbringt. Seit seinem Ruhestand vor fast zehn Jahren ist der Norddeutsche "Ferien-Pfarrer".

Angefangen hat alles mit einer vollen Kirche. Manfred Küchenmeister hatte seine erste Pfarrstelle in Büsum an der Nordsee, mitten in den 60er Jahren. Wirtschaftswunderzeit. Da bat man ihn in der Gemeinde, im Sommer doch Kirchenführungen für Touristen anzubieten.

"Ich war nicht besonders begeistert", erzählt Küchenmeister. "Doch als ich die Kirche betrat, war ich sehr überrascht von den vielen Menschen, die mich erwartungsvoll ansahen." Die Urlaubsgäste waren gekommen, weil sie sich für das Kirchengebäude interessierten. "Da hab ich mir gedacht: Jetzt müssen wir denen auch was bieten."

Zehn Jahre war Küchenmeister Pfarrer in Büsum, zehn Jahre, in denen die Übernachtungszahlen von 100.000 auf eine Million pro Saison anstiegen. Deshalb stellte die Gemeinde eigens einen Urlauberdiakon ein, bot im Sommer am Strand ein Programm für Jugendliche an und schickte Mitarbeiter auf den großen Campingplatz, um hier auch kirchenferne Familien anzusprechen. "Das waren meine ersten Erfahrungen mit Urlauberseelsorge."

Längst im Ruhestand
Heute ist Küchenmeister 74 Jahre alt und längst im Ruhestand. Seit er aus dem Berufsleben ausgeschieden ist, hat er sich wieder den Urlaubern zugewandt. Gemeinsam mit seiner gleichaltrigen Frau Annemarie verbringt er fast jeden Sommer vier Wochen in Ferienregionen und bietet den Gästen ein seelsorgerliches Begleitprogramm an.

"Wir waren schon mehrmals in Österreich, im Bayerischen Wald und jetzt zum dritten Mal hier in Ruhpolding", zählt Küchenmeister auf. "Mich hat es schon immer in die Berge gezogen", sagt der Pfarrer. Die bayerische Landeskirche kommt für die Unterkunft auf, im Gegenzug macht der pensionierte Theologe Berggottesdienste, Abendandachten und Seniorennachmittage.

In den Anfangsjahren haben sie sich viele besondere Aktivitäten für die Gäste ausgedacht, erinnert sich Annemarie Küchenmeister. "Wir haben zum Beispiel Taizé-Andachten gemacht, Meditationswege oder eine Wanderung entlang eines Künstlerpfades mit Holzschnitzereien zu Schöpfungsthemen." Teilweise waren sie dabei ganz auf sich allein gestellt. "Da haben wir selbst Kaffee gekocht und Orgelmusik von der CD abgespielt. Mittlerweile ist das alles besser organisiert: "Hier in Ruhpolding ist alles schon für uns geregelt und es gibt auch einen Urlauberkantor", erzählt die Pfarrfrau.

"Im Alltag sind die Frauen meistens ohne Ehemann im Gottesdienst"
Anders als damals auf dem Campingplatz oder bei den Kirchenführungen in Büsum erlebt Manfred Küchenmeister bei seinen Urlaubseinsätzen heute überwiegend Menschen, die sich mit der Kirche verbunden fühlen und auch in ihren Heimatgemeinden in den Gottesdienst gehen. Ein paar Besonderheiten gebe es aber doch: "Hier im Urlaub kommen viel mehr Ehepaare gemeinsam in die Kirche als zu Hause", sagt Annemarie Küchenmeister. "Im Alltag sind die Frauen meistens ohne Ehemann im Gottesdienst."

Die Küchenmeisters genießen die Gespräche mit den Gästen, die sich nach den Gottesdiensten ergeben. Erfreut ist das Ehepaar auch über den freundlichen Empfang in der katholischen Gemeinde. "Wir haben hier wirklich eine große Gastfreundschaft erlebt. So eine gute Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen gibt es aber höchstens seit zehn Jahren", hat Annemarie Küchenmeister festgestellt.

Die Küchenmeisters sind nicht nur durch ihre Konfession Exoten in Oberbayern. Sie wohnen normalerweise im fast 1.000 Kilometer entfernten Stade, bei Hamburg. "Wir haben schon manchmal Schwierigkeiten, die Leute hier zu verstehen", gibt Manfred Küchenmeister schmunzelnd zu. "Aber wir versuchen immer, eine Ferienwohnung zu nehmen, bei der die Vermieter mit im Haus wohnen - so haben wir gleich Kontakt zu den Dorfbewohnern."

( Imke Plesch / epd )