20.4.2010
Moraltheologen plädieren für Überprüfung der Zölibatspflicht
"Indirekte Zusammenhänge"
Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen katholischen Moraltheologen spricht sich dafür aus, den Pflichtzölibat als Voraussetzung für das Priesteramt zu überprüfen. Auch wenn es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Pflicht zur Ehelosigkeit von Priestern und den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gebe, könnten "indirekte systemische Zusammenhänge sehr wohl bestehen", heißt es in einer Erklärung.
Die Moraltheologen sprechen sich deutlich gegen "pauschale Verdächtigung" und "kollektive Haftbarmachung" aus. Dennoch gelte es, selbstkritisch dem Zusammenhang nachzugehen "zwischen dem psychisch unreifen Bedürfnis nach Nähe, Bestätigung und sexueller Erfüllung einzelner Personen gegenüber Kindern und Jugendlichen und ermöglichenden, begünstigenden und das Schweigen sichernden Strukturen". Bei der Auswahl von Priesteramtskandidaten müsse man daher noch sorgfältiger vorgehen als bisher.
"Im Zentrum der Aufklärung müssen die Opfer stehen"
In ihrer gemeinsamen Erklärung verurteilen die Theologen alle Fälle von Missbrauch als "unter keinen Umständen hinnehmbar". Im Zentrum der Aufklärung und Prävention müssten die Opfer stehen, heißt es weiter. Die Wissenschaftler wollen "die vielen ungelösten Fragen im Zusammenhang einer zukunftsfähigen Sexualethik" entschlossen angehen. Dabei erwarten sie von den zuständigen Bischöfen und Verantwortlichen, "für eine Atmosphäre in der Kirche zu sorgen, in der diese Arbeit offen, angstfrei und ermutigend möglich ist".
Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Moraltheologen hatte sich bei ihrem letzten Treffen im März mit den Fällen von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in katholischen Einrichtungen befasst.
( kna / dr )