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1.3.2010

NRW-Sozialminister für Schutz des Sonntags

„Wir würden einen großen Schatz verlieren“

Für den Erhalt des Sonntags als arbeitsfreien Tag hat sich NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann ausgesprochen. Im domradio.de-Interview erinnerte der CDU-Politiker am Montag an Tradition und christlichen Wert des Sonntags. Ohne seinen besonderen Stellenwert würde Deutschland „einen großen Schatz“ verlieren.

Bild
  • Karl-Josef Laumann: Gesundheitsminister in NRW

    Karl-Josef Laumann: Gesundheitsminister in NRW (©ddp)

Audio Beitrag
  • Ein Interview mit Karl-Josef Laumann (Landesregierung NRW): Plädoyer für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags (1.3.2010)
Verwandte Themen
  • Gemeinsamer Zeitanker - Bündnis fordert besseren Schutz des freien Sonntags (3.3.2010)
  • "Das Leben wäre ärmer ohne Sonntag" - Katholische Bürgerinitiative zum europaweiten Sonntagsschutz (12.2.2010)

domradio.de: Warum muss man für den freien Sonntag demonstrieren, wer möchte uns denn den Sonntag streichen?
Laumann: Es ist so, dass es Menschen in unserer säkularisierten Zeit gibt, die das gar nicht wichtig finden, dass der Sonntag so unter einen besonderen Schutz gestellt wird. Es gibt auch viele Menschen, die denken, es wäre doch schön, wenn am Sonntag die Geschäfte genauso geöffnet hätten wie an den Werktagen. In Frankreich ist das so. Ich glaube, dass wir ganz viel verlieren, wenn sich der Sonntag nicht mehr von den Werktagen unterscheidet. Einmal sprechen alle religiösen Gründe dagegen. Aber es spricht auch die Familienpolitik dagegen. Es ist gut, dass es einen Tag gibt, an dem ganz viele Menschen frei haben. Es muss auch einen Tag geben, an dem sich beispielsweise Familienfest organisieren lassen, weil da viele Menschen frei haben. Weil eine Gemeinschaft braucht ja auch das miteinander leben - und nicht nur das nebeneinander. Da ist das Wochenende eine wichtige Sache.

domradio.de: Aber es gibt doch schon Menschen, die sonntags arbeiten müssen…
Laumann: Es ist ohne Frage so, dass wir an Sonntagen nicht das menschliche Leben einstellen können. Überall, wo es notwendig ist, ist immer sonntags gearbeitet worden. Auch unsere Gaststätten arbeiten sonntags, weil sonntags auch der Tag ist, an dem Leistungen von Restaurant mehr in Anspruch genommen werden als vielleicht werktags. Das gehört zu einer Sonntagskultur dazu, wie sich bei uns in Deutschland seit Generationen und Jahrhunderten entwickelt hat. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass an diesem Tag unsere Innenstädte anders aussehen als an anderen Tagen, dass die Geschäfte nicht geöffnet sind. An vier Sonntagen haben wir ja dazu die Möglichkeit, damit ist es dann aber auch genug. Wir müssen natürlich auch aufpassen, dass in der Wirtschaft, wo es nicht notwendig ist, auch nicht unnötigerweise am Sonntag die Maschinen laufen, sondern dass das auch auf Ausnahmen beschränkt bleibt. Wenn wir einmal zugelassen haben, dass man auch das Wochenende voll unter die Ökonomisierung gestellt, dass wir dann einen großen Schatz verlieren, nämlich die Sonntagskultur bei uns in Deutschland.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt. Hören Sie es hier in voller Länge nach.

Hintergrund:
Kirchen und Gewerkschaften in NRW hatten Mitte Februar eine „Landesallianz für den freien Sonntag“ ins Leben gerufen. Damit woll sie auf die vielen verkaufsoffenen Sonntage und die Forderung von Vertretern aus Wirtschaft und Politik nach einer weiteren Liberalisierung der Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen reagieren.

An der Landesallianz beteiligen sich der Darstellung zufolge auch die Gewerkschaft Ver.di, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, die Evangelische Arbeitnehmerbewegung NRW und die Katholische Betriebsseelsorge.

Die Initiative plant unter anderem einen Aktionstag mit Kundgebung am 3. März in Düsseldorf. Dazu haben auch NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) und der Landesvorsitzende des DGB, Guntram Schneider, ihre Teilnahme zugesagt. Nach einem Demonstrationszug durch die Düsseldorfer Innenstadt wollen die Teilnehmer einen ökumenischen Gottesdienst in der St. Lambertus-Kirche in Düsseldorf feiern.

(dr)

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