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22.2.2010

Förderungsmöglichkeiten am Beispiel der Familie Biastoch

Altersgerecht wohnen ohne Barrieren

"Der Anlass für den Umbau ist traurig", sagt Ilse Biastoch. Ihr Mann erlitt vor einem Jahr einen schweren Schlaganfall. Er war rechtsseitig gelähmt und hatte die Sprache verloren. Für seine Frau stand schnell fest, dass er im Anschluss an Krankenhaus und Reha nach Hause kommt und sie ihn mit Unterstützung eines Pflegedienstes selbst versorgt.

Ihr Zuhause ist ein Endreihenhaus am Hamburger Stadtrand. Hier musste einiges getan werden, um der neuen Situation gerecht zu
werden: Für den Rollstuhl wurden Türen verbreitert, das Badezimmer musste barrierefrei umgebaut werden, schließlich kamen noch ein Treppenlift und eine Rampe zur Terrasse dazu.

Vieles davon überlegte sich Ilse Biastoch gemeinsam mit ihrem Sohn, aber sie holten sich auch Rat und Hilfe. Der Verein Barrierefrei Leben e.V. berät im Auftrag der Stadt Hamburg Menschen, die ihren Wohnraum aufgrund von Einschränkungen durch Alter oder Behinderung umbauen wollen. Das Ziel ist, die Menschen darin zu unterstützen, dass sie möglichst lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können. «Das Grundproblem liegt immer im Badezimmer. Wie kann ich das Badezimmer möglichst lange selbstständig nutzen - das ist das große Thema», sagt Karin Diekmann vom Verein Barrierefrei Leben.

Im Haus des Ehepaars Biastoch kostete der Umbau des Bades 5.000 Euro, der Treppenlift noch einmal 12.000 Euro. «Es war ein Glück, dass sich mein Sohn um die Finanzierung gekümmert hat», sagt die 70-Jährige. Sehr hilfreich war auch, dass es in Hamburg Zuschussprogramme für solche Fälle gibt. Bei der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt erhielten sie einen Zuschuss von 12.000 Euro. Damit waren zwei Drittel der Umbaukosten finanziert, auch die Krankenkasse zahlte einen kleinen Zuschuss, den Rest hat Familie Biastoch schließlich selbst gezahlt.

Schwierig war vor allem die Zeitplanung und die erste Zeit zu Hause. «Acht Wochen war mein Mann schon zu Hause, bis die Umbauten fertig waren. Es war laut, und sein Bett stand im Wohnzimmer. Das ging nicht anders», berichtet Ilse Biastoch. Geärgert hat sie sich über ihre Krankenkasse, nach deren Aussagen mit dem Umbau erst begonnen werden darf, wenn der Patient bereits zu Hause ist und der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) vor Ort war. Als Begründung gab die Krankenkasse an, dass der Patient auf dem Weg nach Hause verunglücken könne, dann hätte die Kasse ja umsonst gezahlt.

Mit der Krankenkasse hatte auch das Ehepaar Haver Probleme. «Ohne Pflegestufe zahlen die den ohnehin geringen Zuschuss nicht», berichtet Doris Haver. Die 50-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter in einem Einfamilienhaus im nordrhein-westfälischen Preußisch Oldendorf. Die Schwiegermutter ist vom MDK nicht als pflegebedürftig anerkannt, leidet aber zunehmend unter Osteoporose, so dass ein Umbau des Badezimmers notwendig war.

Die alte Dame selbst konnte keinen Kredit aufnehmen. «Sie darf noch nicht einmal ihr Konto kurzfristig überziehen», weiß die Schwiegertochter. Ihr Sohn las von den zinsgünstigen Krediten des Programms «Altersgerecht umbauen», das das Bundesbauministerium anbietet. Wolfgang Haver informierte sich und stellte einen Antrag, der bewilligt wurde. Mit einem Kredit von 45.000 Euro konnte das Ehepaar Haver schließlich das Badezimmer der Mutter und ihr eigenes in der oberen Etage ihres Hauses barrierefrei umbauen lassen. «Für uns wäre das jetzt noch nicht nötig gewesen, aber wo wir schon einmal dabei waren, haben wir das auch gleich gemacht», sagt Doris Haver.

Das bestätigt die Einschätzung von Katrin Hodler, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungsanpassung e.V.: «Die Mittel des Bundesbauministeriums sind allenfalls für Menschen mittleren Alters interessant, wenn sie prophylaktisch umbauen wollen. Senioren über 65 bekommen von ihren Banken in der Regel keine Kredite und wollen das auch nicht mehr. Deshalb plädieren wir für Zuschüsse, die würden für Eigenheimbesitzer einen viel stärkeren Anreiz darstellen, ihre Wohnung oder ihr Haus altersgerecht umzubauen.»

( Annette Scheld / epd )