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4.1.2010

Katholische Hilfswerke halten türkische Ankündigung einer Öffnung der Pauluskirche in Tarsus für wertlos und fordern Taten

"Das sind leere Worte"

Schon lange fordern Kirchenvertreter wie Kardinal Meisner, die Pauluskirche in Tarsus wieder als christliches Gotteshaus zu öffnen. Nun hat sich das staatliche Religionsamt in der Türkei genau dafür ausgesprochen. Was nach Religionsfreiheit klingt, sind nur "leere Worte", findet Ottmar Oehring, Türkei-Experte des katholischen Hilfswerks "Missio". "Kirche in Not" schätzt die Situation gegenüber domradio.de ähnlich ein und fordert sichtbare Zeichen.

"Es muss Sichtbares in Ankera geschehen, zum Beispiel müssen Gesetze entsprechend verändert werden", so Prof. Rudolf Grulich, Türkei-Experte beim internationalen Hilfswerk Kirche in Not. In der Vergangenheit sei schon viel versprochen und dadurch Hoffnungen geweckt worden. "Eingehalten wurde aber nichts."

Der Präsident des Amtes für Religiöse Angelegenheiten der Türkei, Ali Bardakoglu, und der türkische Staatsminister Faruk Celik hatten Anfang November bei der Grundsteinlegung für die Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld erklärt, sie würden in der Debatte um die Pauluskirche auf die christliche Minderheit in der Türkei zugehen.

Am Montag sagte Bardakoglu, er sei dafür, die Pauluskirche in Tarsus wieder als Gotteshaus zu öffnen. Diese Auffassung habe seine Behörde auch den zuständigen staatlichen Stellen übermittelt. Bardakoglu sagte Medienberichten zufolge weiter, in der Türkei wie in der ganzen Welt habe die religiöse Toleranz möglicherweise nachgelassen. Sein Land müsse aber die Religionsfreiheit achten und etwaige Defizite beseitigen. "Wenn es an einem Ort eine christliche Gemeinde gibt, und wenn diese eine Kirche einrichten will, dann müssen wir helfen." Das gelte auch für die Pauluskirche.

"Wahrscheinlich ist er instrumentalisiert worden"
Otmar Oehring leitet bei Missio die Abteilung Menschenrechtsfragen. Im domradio-Interview berichtete er am Montag von zwei Treffen mit  Bardakoglu, bei denen dieser "so getan habe", als ob es Tarsus als strittiges Thema nicht gebe. Dass er nun über darüber spreche, sei zwar überraschend, mehr aber auch nicht. "Wahrscheinlich ist das Teil einer neuen Initiative, die Europäische Union zu erfreuen." Diese mahnt regelmäßig Defizite bei der Religionsfreiheit in der Türkei an und macht sie zur Bedingung für einen EU-Beitritt Ankaras.

Doch die neue Ankündigung sei nicht mehr als "leere Worte, die nach außen schön klingen". Bardakoglu könne die Tarsusfrage auch gar nicht alleine entscheiden. "Wahrscheinlich ist er instrumentalisiert worden." Ankara spiele mit dem häufig kurzlebigen Gedächtnis der Politiker, die einen EU-Beitritt der Türkei befürworteten und nach Gründen eben dafür suchten. Erst wenn die Regierung Erdogan selber diese Entscheidung treffe, könne man von einem Fortschritt sprechen.

Die Kirche in Tarsus war während des vergangenen Paulusjahres vorübergehend für Gottesdienste geöffnet, dient seitdem aber wieder als Museum. Die katholische Kirche hat die Türkei mehrmals aufgerufen, die Kirche im Geburtsort des Apostels Paulus wieder für Gottesdienste zu öffnen.

( Michael Borgers / dr / kna )