5.12.2009
Mehr als 1.000 ehrenamtliche Paten für irakische Flüchtlinge
Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse und Wohnungssuche
Hassan trifft sich regelmäßig mit Erik Schneidawind. Der selbstständige Marketingfachmann wurde über das Internet auf die Aktion aufmerksam. Er fand sie "richtig und wichtig", so dass er sich entschied mitzumachen. Seit einigen Monaten geht der 33-Jährige regelmäßig in die Teestube der Gemeinschaftsunterkunft, betreut eine blinde Irakerin und eben Hassan. Erfolgreich hat er für ihn eine Wohnung gesucht und dabei in ihm auch einen neuen Freund gefunden. "Wir verstehen uns einfach gut." Die beiden treffen sich auf einen Kaffee oder ein Bier und sprechen über das Leben hier, im Irak und in Jordanien, wohin Hassan geflohen war.
Schneidawind freut sich nicht nur, etwas Gutes zu tun, sondern auch selbst viel zu lernen. So hat es ihn überrascht zu hören, dass die Spaltung der Gesellschaft und die Verfolgung der Christen vor dem Einmarsch der USA 2003 weniger schlimm gewesen sei als heute. Darüber hinaus hat er schon ein paar Brocken Arabisch gelernt. Hassan kann auch Dank der Hilfe seines deutschen Freunds schon recht gut Deutsch. Wenn er darin noch besser geworden ist, will er weiter studieren, um einen guten Job zu bekommen.
Eines der wichtigsten Anliegen der Aktion ist es, dass die Flüchtlinge bald eine Wohnung finden, wie Sarah Hergenröther erläutert. Dafür seien die Kontakte der Paten, aber auch deren Begleitung bei der Besichtigung eine große Hilfe. Bereits 40 irakische Flüchtlinge hätten in München ein festes Dach über dem Kopf gefunden. Hergenröther hofft, dass unter den Vermietern die Bereitschaft wächst, an Flüchtlinge Wohungen zu vergeben.
Genauso wichtig sind aber auch Hausaufgabenhilfe für die Schulkinder, regelmäßige Deutschübungen, Ausflüge in die Umgebung und Hilfe bei Amtsgängen. Auch darum kümmern sich 60 aktive Paten. Andere unterstützen das Projekt durch Geld- und Sachspenden, stellen Kontakte zu Jobbörsen her oder machen Lobbyarbeit für die gute Idee. Als die Kampagne 2008 im Rahmen der 850-Jahr-Feier der Stadt München vom Bayerischen Flüchtlingsrat initiiert wurde, ahnte niemand, dass in zwei Jahren 50 Städte mitmachen würden.
Unter dem Dach von "save me" kämpfen Privatinitiativen, Wohlfahrtsverbände, Kirchen und andere dafür, dass Deutschland regelmäßig Flüchtlinge aus Krisengebieten aufnimmt. In 17 Städten und Gemeinden konnten bereits entsprechende Ratsbeschlüsse herbeigeführt werden. "Wir sind deshalb zuversichtlich, dass die neue Bundesregierung sich hier bewegt", sagt Matthias Weinzierl vom Flüchtlingsrat.
Während Weinzierl und seine Kollegen unermüdlich weiter Lobbyarbeit machen, sind Hassan und sein Pate wieder unterwegs. Die beiden werden sich wieder treffen und dann auch eine Currywurst essen. "Das ist typisch in Deutschland", hat Hassan aus seinem Deutschbuch gelernt. Eins ist ihm unglaublich wichtig, und das will er auch im Namen seiner Landleute unbedingt loswerden: "Wir sind unendlich dankbar für die Hilfe, die wir erfahren."
( Konstantin Bischoff / kna )